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Gefangen im Hotelzimmer

In dem Hotelzimmer in Hongkong begegnen sich Greenwald und Snowden zum ersten Mal. Poitras ist dabei, sie filmt sechs Tage lang alles, was in dem Zimmer geschieht - unter Anspannung. Snowden überträgt Dokumente auf einen Laptop mit der Linux-Distribution Tails. Er gibt das Passwort unter einem roten Tuch ein, das seinen Kopf, seine Hände, das Gerät verdeckt. Greenwald sieht besorgt zu. Den Laptop hat Snowden für ihn eingerichtet, ohne Netzwerkanschluss - ein Airgap-Gerät. Ein Aufkleber mit dem Schriftzug Tor ist zu sehen, vom Anonymisierungsnetzwerk. Greenwald gibt sein Root-Passwort ein, lehnt das rote Tuch ab, das Snowden ihm anbietet. Der Whistleblower rät: "Dein Passwort hat nur vier Zeichen." "Es sind zehn Zeichen, ich tippe schnell", erwidert Greenwald.

Abgeklemmte Telefone

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Ein Feueralarm geht mehrfach los. Zuerst lachen sie, dann blicken Snowden und Greenwald immer besorgter. Snowden hat das VoIP-Zimmertelefon abgesteckt. Darüber könne auch abgehört werden, sagt er. Jetzt klemmt er es wieder an, ruft bei der Rezeption durch, erfährt, dass es sich um Wartungsarbeiten handelt. "Das hätten sie uns auch früher sagen können."

Poitras spielt zwar selbst eine zentrale Figur, ist involviert in die Geschichte, aber in dem Film ist sie selten zu sehen. Nur wenige Male erscheint sie im Spiegel hinter ihrer Kamera. Nur die E-Mails an sie und von ihr, die Chats über Jabber samt OTR mit ihr deuten auf ihre nicht unwesentliche Rolle in den Ereignissen um Snowdens kurzen Aufenthalt in Hongkong hin.

Verbrannte Zettel

Der Film vermittelt gelungen, unter welcher Anspannung Whistleblower und kritische Journalisten ihre Arbeit jetzt machen müssen. Alle verschlüsseln, sie schalten ihre Mobiltelefone ab, müssen sie abgeben, wie die Gruppe von Menschenrechtsanwälten in Berlin, die Snowden unentgeltlich vertreten. Poitras habe auf Reisen immer ihren eigenen Drucker mitgenommen. Selbst bei den Produktionsarbeiten seien viele Unterhaltungen auf Papier geschrieben, anschließend in kleine Teile zerrissen und dann verbrannt worden, erzählt der deutsche Produzent Dirk Wilutzky.

Wieder ist die Kommandozeile zu sehen: Ein Informant hat mir mitgeteilt, dass das FBI uns und unsere Angehörigen und Freunde im Visier hat, schreibt Greenwald an Poitras. Woher hast Du die Information? Aus einer vertrauenswürdigen Quelle.

Zerstörte Laptops

Greenwalds Lebensgefährte wird gezeigt, als er in Brasilien landet. Übermüdet und verängstigt. Die Briten haben ihn mehrere Stunden am Flughafen Heathrow festgehalten und befragt. Journalisten der britischen Zeitung The Guardian diskutieren: "Dafür können sie uns dichtmachen." Im Keller des Bürogebäudes des Guardian werden Rechner und Festplatten zerstört, die Kamera macht wackelige und körnige Aufnahmen aus einem anderen Raum, durch einen Türrahmen mit angelehnter Tür. Poitras und Greenwald beschließen, zunächst nicht mehr in die USA zu reisen.

Der Film wirkt zeitweilig seltsam ruhig, kaum provozierend, aber dann auch wieder äußerst beunruhigend und düster. Denn Poitras wertet nicht, sie erzählt distanziert - auch deshalb, weil sie ein Teil der Geschichte ist. Aber genau das macht die Stärke des Films aus. Denn obwohl er einige wenige stilistische Mittel einsetzt, um die Spannung zu erhöhen, ist Citizenfour dann doch kein Agentenfilm. Sondern ein Krimi.

Citizenfour outet sich

Die ersten Artikel zu Prism sind erschienen, Snowdens Name ist in der Öffentlichkeit aber noch nicht erwähnt worden. Snowden möchte kein Schattenmann bleiben. Er will der Öffentlichkeit mitteilen, wer er ist. Greenwald und der Guardian-Reporter Ewen MacAskill fragen nach: Ist das wirklich sein Wunsch? Snowden bestätigt. Es gehe nicht um ihn, sondern um die Sache. Mit seinem Outing wolle er den Fokus auf die Dokumente lenken und von seiner Person ablenken. Gelingen wird ihm das nicht ganz.

Als Snowdens Name bekannt wird, muss er umgehend das Hotel in Hongkong verlassen. Er wird zunächst zu der UNHCR-Vertretung in der chinesischen Stadt geschafft. Dann nehmen ihn Aktivisten von Wikileaks in ihre Obhut. Der Kontakt zu Poitras und Greenwald bricht ab. "Diese Leute sind extrem vorsichtig", schreibt er an Poitras, "ich darf nicht mehr mit euch sprechen. Ihr seid zu exponiert." Wikileaks-Gründer Julian Assange ist in seinem Zimmer in der Ecuadorianischen Botschaft zu sehen. Er versucht, Snowden Asyl in Venezuela oder Ecuador zu verschaffen. Die Szene wirkt gestellt. Snowden strandet in Moskau.

Angst in Nahaufnahmen

Wer die Geschichte von Snowden und die durch ihn ermöglichten Enthüllungen verfolgt hat, wird in Citizenfour kaum Neues erfahren. Der Film komprimiert jedoch nicht nur die ganze Geschichte Snowdens als Whistleblower, er zeigt die beteiligten Menschen aus der Nähe. Auch wenn immer wieder betont wurde, wie gefasst und entschlossen Snowden gewesen sei, der Zuschauer sieht seine Angst, seine Einsamkeit in einer fremdem Stadt, die er nur durch das Hotelfenster betrachtet, seine Reaktion auf den zeitweiligen Kontaktverlust zu seiner Familie. Es sind bewegende Bilder in einem sehenswerten Film.

Citizenfour wurde von Laura Poitras und dem Regisseur Steven Soderbergh sowie unter anderem auch von Dirk Wilutzky von der Berliner Praxis Films produziert. Für den Schnitt war Mathilde Bonnefoy verantwortlich, die auch mit Tom Tykwer an dessen Filmen Lola rennt und Der Krieger und die Kaiserin gearbeitet hat. Der Dokumentarfilm läuft in englischer Sprache mit deutschen Untertiteln am 6. November 2014 in den deutschen Kinos an.

 Filmkritik Citizenfour: Edward Snowden, ganz nah
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evilgoto 01. Mär 2015

Ich habe nicht das Gefühl, scheinbar in einer fiktiven Demokratie zu leben. Dann kann ich...

Saschlong 26. Feb 2015

Hier gibt es den Film wohl auch: http://www.cryptome.org/

HaMa1 24. Feb 2015

Die USA wusste erst dass Snowden der Whistleblower ist, als die Informationen bereits von...

_speedy_ 10. Nov 2014

Nichts ist spannender als eine Doku die weitab von Hollywood und desen...

pandarino 07. Nov 2014

... aber ich werde mir den Film auch erst mal so reinziehen.


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