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Eine Pfadfindergruppe auf Selbstfindungstrip

Dazu tragen auch die sonst so verlässlichen Darsteller bei: Weder Natalie Portman noch Oscar Isaac können die mangelnde Tiefe dieses Teils der Handlung mit ihrer Schauspielkunst überdecken. Auch ist es unvorteilhaft, dass selbst die Welt außerhalb des Schimmers einen unechten Eindruck macht, sei es das steril eingerichtete Haus von Lena und Kane oder die trostlose Forschungsbasis am Rande des kontaminierten Gebiets.

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Durch die viele Introspektion kommt uns das Forschungsteam im Schimmer zudem wie eine Pfadfindergruppe vor, die von Anfang an mehr an Streitigkeiten und Persönlichem interessiert ist als an wissenschaftlichen Beobachtungen. Dabei wird ein wesentlicher Aspekt der Romanhandlung im Film nicht einmal angedeutet: Dort wird unter anderem mit Hypnose Einfluss auf das Verhalten der Forscher im Schimmer genommen. "Auslöschung" ist das Codewort für einen hypnotisch eingeimpften Befehl zum Selbstmord. Garland findet dafür mit seiner neuen Handlung aber gleich mehrere andere Deutungen für den Titel.

  • Die Waffen täuschen, denn Auslöschung ist kein Actionfilm. (Bild: Netflix)
  • Lena (Natalie Portman) und Ehemann Kane (Oscar Isaac) nach dessen Rückkehr aus dem Schimmer (Bild: Netflix)
  • Die Forschungstruppe lernt sich bei ein paar Bier kennen. (Bild: Netflix)
  • Vermischte DNA: Alligatormund tut Haifischzahn kund. (Bild: Netflix)
  • Nächtlicher Angriff auf den Rastplatz der Forschergruppe (Bild: Netflix)
  • Lena auf der Suche nach dem Ursprung des Schimmers (Bild: Netflix)
  • Regisseur und Drehbuchautor Alexander Garland im Gespräch mit Natalie Portman (Bild: Netflix)
  • Beginn der Expedition in den Schimmer (Bild: Netflix)
  • Jennifer Jason Leigh als Dr. Ventress (Bild: Netflix)
  • Kein Lebenszeichen der vorherigen Expeditionen in Sicht (Bild: Netflix)
  • Josie Radek (Tessa Thompson) untersucht die Flora. (Bild: Netflix)
Vermischte DNA: Alligatormund tut Haifischzahn kund. (Bild: Netflix)

Die Forscherinnen streiten sich nicht nur herum, sie benehmen sich auch reichlich unprofessionell. Den kontaminierten Bereich ohne Schutzausrüstung zu betreten und alles darin einfach anzufassen, rückt sie in die Ecke ihrer unglaubwürdigen Kollegen aus Prometheus und Alien: Covenant. Auch an dieser Stelle hätten wir uns glaubhaftere Science-Fiction im Stil von Arrival gewünscht.

Große Szenen auf dem kleinen Bildschirm

Filmisch macht Garland das Manko wieder wett: Die fantastischeren Elemente von Auslöschung schafft er sehr gut, ins audiovisuelle Medium zu übertragen. Es gibt gleich mehrere erinnerungswürdige Szenen, die von wunderschön über verstörend bis unwirklich alle Eindrücke bieten, die wir uns von guter Science-Fiction erhoffen. Die Begegnung mit einem grausam mutierten Bären kann selbst Erwachsenen Albträume bescheren, und das Finale im letzten Drittel kommt ähnlich surreal daher wie manch eine Szene aus Under the Skin oder der Flug ins schwarze Loch aus Interstellar. Alleine deshalb sollten nicht nur Genrefans Auslöschung wenigstens einmal sehen.

Leider müssen sie sich dabei mit dem kleinen Bildschirm begnügen, denn der Film ist hierzulande nur auf Netflix verfügbar, und zwar ab dem 12. März. Nach dem weniger gelungenen Cloverfield Paradox ist dies schon der zweite fürs Kino geplante Sci-Fi-Film aus unserer Jahresvorschau 2018, der unerwarteterweise direkt im Programm des Streaminganbieters gelandet ist.

Grund sollen vor allem Bedenken eines der Produzenten gewesen sein, der nach negativen Reaktionen eines Testpublikums anmerkte, Alexander Garlands Version des Stoffs sei zu intellektuell für ein breites Publikum. Da sich dieser aber weigerte, Änderungen an seinem Schnitt vorzunehmen, verkaufte das Studio Paramount die internationalen Rechte am Film außerhalb von China, Kanada und Nordamerika an Netflix.

  • Die Waffen täuschen, denn Auslöschung ist kein Actionfilm. (Bild: Netflix)
  • Lena (Natalie Portman) und Ehemann Kane (Oscar Isaac) nach dessen Rückkehr aus dem Schimmer (Bild: Netflix)
  • Die Forschungstruppe lernt sich bei ein paar Bier kennen. (Bild: Netflix)
  • Vermischte DNA: Alligatormund tut Haifischzahn kund. (Bild: Netflix)
  • Nächtlicher Angriff auf den Rastplatz der Forschergruppe (Bild: Netflix)
  • Lena auf der Suche nach dem Ursprung des Schimmers (Bild: Netflix)
  • Regisseur und Drehbuchautor Alexander Garland im Gespräch mit Natalie Portman (Bild: Netflix)
  • Beginn der Expedition in den Schimmer (Bild: Netflix)
  • Jennifer Jason Leigh als Dr. Ventress (Bild: Netflix)
  • Kein Lebenszeichen der vorherigen Expeditionen in Sicht (Bild: Netflix)
  • Josie Radek (Tessa Thompson) untersucht die Flora. (Bild: Netflix)
Die Waffen täuschen, denn Auslöschung ist kein Actionfilm. (Bild: Netflix)

Die Befürchtungen des Produzenten David Ellison, der Auslöschung für viel zu kompliziert hielt, teilen wir nicht. Auslöschung ist in der Filmversion genauso ein Schmelztiegel verschiedener Science-Fiction-Stoffe, wie es das Gebiet im Schimmer für Erbgut darstellt. Von der Handlung bis hin zur visuellen Darstellung erkennen wir nicht nur Tarkowskis Werke und deren literarische Vorlagen eindeutig wieder, sondern fühlen uns je nach Szene auch mal an den bereits erwähnten Under the Skin, dann wieder an Grundideen von Ridley Scotts Alien-Prequels erinnert. Die ganz große Originalität können wir Auslöschung deswegen zwar nicht bescheinigen, besser als letztgenannte Genrebeiträge ist er als ernstere Science-Fiction trotzdem allemal. Die Zuschauer nimmt der Film dabei allerdings mehr an die Hand, als ihm guttut.

Inhaltliche Motive wie Selbstaufgabe oder Zerstörung, um etwas Neues zu erschaffen, werden allzu deutlich ausgesprochen. Hätte Auslöschung seine Zuschauer mehr mit diesen wahrlich fulminanten Eindrücken des Unbekannten und Unbegreiflichen konfrontiert, sie aber nicht ständig erklärt, hätten wir David Ellison wohl eher recht geben müssen, dafür an dieser Stelle aber wohl lobende Vergleiche zu Stanley Kubricks Meilenstein 2001: Odyssee im Weltraum gezogen. Das Potenzial dazu zeigt Alexander Garland in den besseren Momenten von Auslöschung ohne Frage - und wenn es nur auf dem heimischen Bildschirm ist.

 Filmkritik Auslöschung: Wenn die Erde außerirdisch wird
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Crass Spektakel 25. Dez 2018

Oje, nachdem ich ein paar Kritiken im Internet dazu gelesen habe halte ich den Film für...

Crass Spektakel 25. Dez 2018

https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Science-Fiction-Film-Life-Der...

Clown 19. Mär 2018

Ich würde vorschlagen immer zuerst vor der eigenen Haustüre zu kehren.. Btw: Beide Links...

xy-maps 18. Mär 2018

Je nachdem auf was für ein Monitor schaust, kann es sein das dieser den Kopierschutz...

Carl Weathers 17. Mär 2018

Klasse, danke. Jetzt musste ich nur die Antwort auf meinen Kommentar überfliegen, um...


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