Filmdokumentation An Impossible Project: Ein moderner Don Quijote

Wünschen sich die Menschen im digitalen Zeitalter eine Rückkehr zum Analogen? Die Doku An Impossible Project geht dieser Frage nach.

Artikel von Peter Osteried veröffentlicht am
Ein Faible fürs Haptische: Florian Kaps in der Filmdoku An Impossible Project
Ein Faible fürs Haptische: Florian Kaps in der Filmdoku An Impossible Project (Bild: Instant Film UG (Screenshot: Golem.de))

Am Anfang von An Impossible Project steht ein Disclaimer, auch wenn er eigentlich keiner ist. Eher fordert er die Zuschauer auf, aus der Welt des Digitalen herauszutreten und das Leben in seiner analogen Form wieder mehr zu genießen. Ein Leben, in dem es noch Polaroid-Fotos gibt.

Inhalt:
  1. Filmdokumentation An Impossible Project: Ein moderner Don Quijote
  2. Analog vs. Digital

An Impossible Project (ab 27. Mai auf DVD) ist eine Dokumentation, in der es vor allem um den Wiener Florian Kaps geht, der sich selbst Doc nennt. 2008, als Steve Jobs das erste iPhone vorstellte, kaufte Kaps von der Firma Polaroid deren letzte Fabrik im niederländischen Enschede. Er hatte weniger einen Plan als vielmehr einen Traum: zurückzubringen, was einst jeden verzauberte. Eine Welt der Fotos, die mit etwas Aufwand verbunden sind, die etwas kosten, bei denen man nie genau sagen kann, wie das Ergebnis wird.

Das Impossible Project, wie die Firma nun hieß, hatte zwar die Maschinen, aber nicht das Know-how. Der chemische Prozess, der nötig ist, um Polaroid-Film herzustellen, war verloren gegangen und dieses Wissen wiederzufinden ein langwieriger Prozess, in dessen Verlauf die Fotos zwar faszinierend andersartig aussahen, die echte Welt aber nicht abbildeten.

Kampf gegen Windmühlen

Der Film erzählt die Geschichte dieser Firma, die von Träumern gegründet wurde, aber ein Eigenleben entwickelte, was sie auch musste, um bestehen zu können. Dafür musste jedoch ihr Gründer gehen - ein wenig wie bei Apple und Steve Jobs, nur dass Doc der weitaus größere Exzentriker ist und seine Ideen wohl nie weitflächig Fuß fassen werden.

Dem Filmemacher Jens Meurer erzählt Doc unter anderem, dass seine Frau glaube, er werde sich am Ende seines Lebens als der größte Verlierer erweisen. Er selbst wiederum sieht sich als den erfolgreichsten Visionär überhaupt. Ein wenig mag beides stimmen, sein Leben findet im Spannungsfeld dazwischen statt. Denn Doc ist auch sein größter Feind.

Er will die Vergangenheit bewahren, er will den Menschen das Gefühl zurückgeben, das mit haptischen Prozessen einhergeht, er stürzt sich immer wieder mit Feuereifer auf Projekte. Dabei wirkt er ruhelos und führt nichts zu Ende: Er wurde aus dem Impossible Project entfernt, hatte mit Supersense ein anderes Projekt, das Musik aufnimmt und direkt auf Vinyl festhält, und danach ein altes Grand Hotel, das seit mehr als vier Jahrzehnten geschlossen ist und das er wiederbeleben wollte.

Der Doc ist der Don Quijote des Analogen, ein wackerer Kämpfer, für den jede Windmühle ein gigantischer Riese ist, auf den er sich mutig stürzt. Aber ist er an ihm vorbeigeeilt, interessiert ihn nur noch der nächste Riese. Das macht Doc - zumindest ein wenig - zu einer tragischen Figur.

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Analog vs. Digital 
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endstadium 05. Jun 2022

Ich find digital ok, mag aber auch alles Analoge sehr gern, weil es mehr Sinne anspricht...

Druide 27. Mai 2022

Die gute alte Plattenkamera xD Schade, das man hier keine Bilder / Grafiken einfügen kann...

WeitWeitWeg 27. Mai 2022

Ich versuche mich mal deutlicher auszudruecken. Thema ist digital Detox: Mitten am Tag...



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