Feuerbach: Bosch streicht über 500 IT-Jobs in Stuttgart

Auf dem IT-Campus von Bosch in Stuttgart-Feuerbach sollen nach Angaben des Betriebsrats mehr als 500 Stellen gestrichen werden, wie die Stuttgarter Zeitung mitteilt(öffnet im neuen Fenster) . Die Information verbreitete sich am Donnerstag unter den Beschäftigten und löste Berichten zufolge heftige Reaktionen aus. Mitarbeiter hätten ihre Arbeitsmaterialien zurückgelassen und das Gebäude verlassen, heißt es dem Bericht nach aus Kreisen der Arbeitnehmervertretung.
Bundesweit plant Bosch Digital den Abbau von rund 830 IT-Arbeitsplätzen. Der Stellenabbau ist Teil des konzernweiten Sparprogramms, das in Deutschland insgesamt 13.000 Arbeitsplätze betrifft. Auf dem Campus an der Borsigstraße arbeiten derzeit etwa 2.300 Menschen. Die Einrichtung wurde vor acht Jahren eröffnet(öffnet im neuen Fenster) und sollte als Zentrum der weltweiten IT-Aktivitäten des Unternehmens dienen.
Der Standort erstreckt sich über eine Fläche von 11.000 Quadratmetern in direkter Nachbarschaft zum Bahnhof Feuerbach. Bosch hatte damals rund 90 Millionen Euro in den Aufbau des Campus investiert. Die Ankündigung der Stellenstreichungen steht im Kontrast zu den ursprünglichen Zielen, die mit der Einrichtung verbunden waren.
Proteste vor dem Werkstor
Parallel zu den Entwicklungen am IT-Campus fand dem Bericht nach eine Mahnwache vor Tor 1 des Bosch-Werks in Feuerbach statt. IG Metall und Betriebsrat hatten zu der Aktion aufgerufen, um gegen den geplanten Stellenabbau zu demonstrieren. Ursprünglich richtete sich der Protest gegen den Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen in der Automobilsparte des Konzerns.
Die nun bekanntgewordenen 500 zusätzlichen Stellen im IT-Bereich verschärfen die Situation am Standort. Die Arbeitnehmervertreter rechnen dem Bericht nach damit, dass die Kürzungen konkrete Auswirkungen auf die Beschäftigten haben werden. Nach Aussage des Betriebsrats geht es darum, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern.
Das aktuelle Jobsicherungsprogramm bei Bosch läuft noch bis 2027. Bis zu diesem Zeitpunkt sind betriebsbedingte Kündigungen nach den geltenden Vereinbarungen ausgeschlossen. Was danach geschieht, bleibt unklar. Die Arbeitnehmervertretung will in den kommenden Verhandlungen eine Verlängerung des Schutzes erreichen.
Branche im Wandel
Die Automobilsparte des Unternehmens steht unter besonderem Druck. Der Konzern begründet die Maßnahmen mit Veränderungen in der Branche und wirtschaftlichen Herausforderungen. Wie die Stellenstreichungen konkret umgesetzt werden sollen, ist noch nicht im Detail bekannt. Die betroffenen Mitarbeiter warten auf weitere Informationen von der Unternehmensleitung.
Die Stimmung unter den Beschäftigten am IT-Campus wird als angespannt beschrieben. Von dem Pioniergeist, der bei der Eröffnung vor acht Jahren geherrscht haben soll, sei wenig geblieben. Die Frustration über die Entwicklung sei deutlich spürbar, berichten Insider.



