Airlines reagieren inzwischen schnell
Wie sensibel Airlines inzwischen reagieren, zeigt ein Vorfall vom Mai 2026: Am 19. Mai wurde der Easyjet-Flug EZY2618(öffnet im neuen Fenster) von Hurghada (Ägypten) zum Flughafen London-Luton nach Rom umgeleitet, nachdem ein Passagier die Crew darüber informiert hatte, dass eine Powerbank im aufgegebenen Gepäck ein Gerät auflud. Nach etwa dreieinhalb Stunden Flug entschied der Kapitän, vorsorglich auszuweichen. Die Maschine landete sicher am Flughafen Rom-Fiumicino. Die rund 180 Passagiere wurden über Nacht in Hotels untergebracht und setzten ihre Reise am nächsten Morgen fort.
Technik: Warum Akkus durchgehen
Der physikalische Kern des Problems heißt thermisches Durchgehen (Englisch: Thermal Runaway). Wird eine Zelle beschädigt, überladen, überhitzt oder hat einen Produktionsfehler, kann eine selbstverstärkende chemische Kettenreaktion einsetzen. Die Temperatur steigt rapide, die Zelle setzt brennbare und giftige Gase frei, darunter Kohlenmonoxid, Fluorwasserstoff und Chlorwasserstoff. Es kommt zu Rauch, Feuer oder Explosion. Überhitzt eine Zelle, kann sie genug Hitze erzeugen, um benachbarte Zellen anzustecken. Der Sicherheitsspezialist Avsax beschreibt es so: Überhitzt eine einzelne Zelle in einer Batterie, kann sie genug Wärme freisetzen, bis zu 900 Grad Celsius, um Nachbarzellen ebenfalls zum Überhitzen zu bringen. Diese Nachbarzellen können dabei mit Verzögerung nachbrennen oder explodieren.
Powerbanks gelten als besonders gefährlich, weil sie im Unterschied zu Smartphones oder Laptops keine aktive Temperatursteuerung besitzen. Sie bestehen im Wesentlichen aus Zellen, einer Schutzschaltung und einem Gehäuse. Geht etwas schief, greift kein Sicherheitssystem früh ein. Hinzu kommen mechanische Belastung, Stürze und teils mangelhafte Produktqualität. Dass auch Markenware betroffen ist, zeigen Rückrufe. Der Hersteller Anker rief am 12. Juni 2025 in den USA rund 1.158.000 Powerbanks des Modells Powercore 10000 (A1263) zurück, nachdem 19 Berichte über Brände und Explosionen eingegangen waren. Ein zweiter Rückruf folgte am 18. September 2025 über weitere rund 481.000 Geräte der Modelle A1257, A1647, A1652, A1681 und A1689.
Statistiken: Mehr als ein Vorfall pro Woche
Die US-Luftfahrtbehörde FAA führt seit 2006 eine Statistik über Lithium-Akku-Vorfälle(öffnet im neuen Fenster) mit Rauch, Feuer oder extremer Hitze. 2024 verzeichnete sie mit 89 verifizierten Vorfällen einen Rekord, rund 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Für 2025 nennt die CAA unter Berufung auf die FAA sogar 95 Fälle. Batteriepacks und Powerbanks machen dabei einen großen Anteil aus, laut FAA fast 40 Prozent aller Vorfälle. Rund 75 Prozent aller seit 2006 erfassten Fälle ereigneten sich auf Passagierflügen, etwa 25 Prozent im Frachtverkehr. Die unabhängige Organisation UL Standards & Engagement, deren Daten von 37 Airlines stammen, kommt auf durchschnittlich zwei Zwischenfälle pro Woche.
Genau deshalb sind lose Ersatzakkus und Powerbanks im aufgegebenen Gepäck verboten. Denn im Frachtraum kann ein Brand erst spät entdeckt werden, und die Löschsysteme sind nicht dafür ausgelegt, einen Lithium-Batterie-Brand zu stoppen. In der Kabine dagegen ist die Crew nah dran und kann schnell eingreifen. Aus demselben Grund empfehlen die Behörden, auch Notebooks im Aufgabegepäck vollständig auszuschalten, statt sie nur in den Ruhezustand zu versetzen.
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