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Festplattenbetrug: Weitere Seagate-HDDs mit gefälschten Daten

Vom Skandal um falsch deklarierte Festplatten sind mehr Modelle betroffen, als zunächst bekannt. Auch die Verschleierungsmethoden werden besser.
/ Martin Böckmann
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Eine Ironwolf-Pro-Festplatte von Seagate. (Bild: Martin Böckmann/Golem.de)
Eine Ironwolf-Pro-Festplatte von Seagate. Bild: Martin Böckmann/Golem.de

Der mutmaßliche Betrugsfall um Seagate-Exos-Festplatten ist offenbar umfangreicher, als bisher bekannt. Ursprünglich wurde nur von Enterprise-Laufwerken berichtet, die als vermeintliche Neuware verkauft wurden, nach umfangreicher Prüfung in einigen Fällen jedoch mehrere tausend Betriebsstunden aufweisen. Nun gibt es auch NAS-Festplatten der Reihe Ironwolf Pro mit 8 und 16 TByte, die zudem besonders gut getarnt sind.

Bei den bisherigen Fällen mit Exos-Festplatten wiesen die Smart-Werte der Festplatten auf die hohe Laufzeit hin und dienen so als Hinweis, dass es sich um Gebrauchtware handelt. Die aktuell bekannten Fälle betreffen Ironwolf-Pro-Festplatten, bei denen ebenfalls die Smart-Werte bereinigt wurden. Erst das Auslesen der Farm-Werte zeigt, dass auch diese Festplatten teilweise mehrere tausend Betriebsstunden hinter sich haben.

Unter Linux lassen sich die Daten mit dem Befehl smartctl -l farm /dev/sdN auslesen, wobei das N durch die zugehörige Laufwerksnummer ersetzt werden muss. Bei einigen Linux-Distributionen muss das entsprechende Paket zunächst installiert werden, falls es nicht zur Standardausstattung gehört. Anschließend werden unter anderem die Betriebsstunden der Festplatte angezeigt.

Hinweise auf professionellen Betrug

Laut Recherchen von Heise.de(öffnet im neuen Fenster) gibt es einige Hinweise auf bereits gebrauchte Laufwerke. Zunächst gibt der Zustand der Laufwerke selbst erste Hinweise. Kratzer auf den Sata-Kontakten sowie am Gehäuserand nahe der Schraublöcher deuten darauf hin, dass die Festplatte bereits verbaut war und ein Stecker eingesteckt wurde. Bei fabrikneuen Lautwerken ist das nicht so.

Darüber hinaus scheinen die Fälscher Seagate-Seriennummern nachzumachen, indem sie die Laufwerke mit der echten SN eines aktuelleren Laufwerks versehen. Das Etikett klebt aber zu weit unten auf der Festplatte, was im direkten Vergleich auffällt. Die Garantie beträgt außerdem fälschlicherweise genau fünf Jahre ab aufgedrucktem Datum, was sich per Registrierung bei Seagate prüfen lässt. Der Hersteller selbst gibt stets ein paar Monate mehr Garantie, um Lager- und Lieferzeiten zu berücksichtigen.

Auf der Unterseite erhebt sich ein Steuerkreuz aus dem Laufwerksgehäuse, in dem die Jahreszahl der Produktion vermerkt ist. Diese kann auch aus dem Vorjahr stammen. Ein größerer Abstand zum auf dem Etikett vermerkten Datum deutet ebenfalls auf Betrug hin. Tückisch ist, dass selbst Großhändler auf den Betrug hereinfallen, da er erst bei genauer Prüfung auffällt. Der Kauf bei einem seriösen Händler bietet daher keinen Schutz.


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