Festnahmen in der Ukraine: Betrügerring stiehlt europäischen Opfern Millionen

Strafverfolger aus mehreren europäischen Ländern haben zusammen mit Eurojust einen Betrügerring zerschlagen, der in der Ukraine mehrere Callcenter betrieben hat. Einer Pressemitteilung von Eurojust(öffnet im neuen Fenster) zufolge erhielten die Mitarbeiter der Callcenter für jeden erfolgreichen Betrug eine Provision in Höhe von 7 Prozent des Erlöses. Sie sollen mindestens 400 Opfer aus ganz Europa um zusammen über 10 Millionen Euro gebracht haben.
Die Callcenter wurden den Angaben zufolge in den ukrainischen Städten Dnipro, Iwano-Frankiwsk und Kyjiw betrieben. Die aus der Tschechischen Republik, Lettland, Litauen und anderen Ländern rekrutierten Mitarbeiter sollen verschiedene Betrugsmaschen angewandt haben, um ihre Opfer um ihr Geld zu bringen.
Die Betrüger behaupteten beispielsweise, die Bankkonten der angerufenen Personen seien gehackt worden. Anschließend boten sie ihre Hilfe an, um Gelder von den betroffenen Konten zügig auf "sichere" Bankkonten zu transferieren, die jedoch von den Angreifern kontrolliert wurden. Teilweise wurden die Opfer auch dazu verleitet, den Betrügern einen Fernzugriff auf ihren Computer zu erteilen oder ihre Bankdaten zu übermitteln.
Zusätzliche Prämien für hohe Erlöse
Laut Eurojust waren in den Callcentern zusammen rund 100 Mitarbeiter tätig. Viele davon führten die betrügerischen Telefonate, einige waren aber beispielsweise auch für das Fälschen von Dokumenten von Banken oder der Polizei zuständig.
Zusätzlich zu der eingangs genannten Provision wurden den Mitarbeitern Prämien in Form von Bargeld, Autos oder Wohnungen in Kyjiw versprochen, sofern sie mehr als 100.000 Euro an Erlösen erzielten. Effektiv wurden diese Prämien aber wohl nie vergeben, da das genannte Ziel nicht erreicht wurde.
An den Ermittlungen gegen den Betrügerring waren Einsatzkräfte aus der Tschechischen Republik, Lettland, Litauen und der Ukraine beteiligt. Den Angaben zufolge wurden am 9. Dezember insgesamt 72 Durchsuchungen in Wohnungen, Büroräumen und Fahrzeugen durchgeführt und zwölf Personen verhaftet.
Dabei beschlagnahmten die Strafverfolger laut Eurojust unter anderem gefälschte Ausweise von Polizeibeamten und Bankangestellten, Computer, Laptops, Festplatten, Mobiltelefone, Bargeld, 21 Fahrzeuge, Waffen, Munition sowie einen Lügendetektor.
Erst im Mai war es Strafverfolgern gelungen, eine Fake-Investitionsplattform zu zerschlagen, die den Tätern ebenfalls Millionen einbrachte. Auch damals waren Callcenter involviert, über die Anleger aus Deutschland und anderen Ländern auf telefonischem Wege gezielt getäuscht wurden.



