Ferrari-Chef: Touchscreens kosten halb so viel wie Knöpfe
Ferrari-Chef Benedetto Vigna hat in einem Interview mit Autocar(öffnet im neuen Fenster) ungewohnt offen über die Kostenlogik hinter Touchscreen-Cockpits gesprochen. Touchflächen seien rund 50 Prozent günstiger herzustellen als klassische physische Bedienelemente, sagte er.
"Einen Touch-Button herzustellen, ist günstiger – 50 Prozent günstiger," sagte Vigna dem Magazin. Der Manager lobt digitale Cockpits damit nicht als Fortschritt für Kunden, sondern als Kostenvorteil in der Produktion: Physische Schalter und Tasten erforderten individuelle Formen für jede Designvariante.
Bei einem Hersteller wie Ferrari, der auf handgefertigte Innenräume setzt, summiert sich dieser Aufwand über mehrere Modellreihen erheblich.
Hintergrund der Aussagen ist der Luce, Ferraris erstes vollelektrisches Modell , das im Februar 2026 vorgestellt wurde. Der Wagen zeigt ein stark displayorientiertes Cockpit mit Touch-Schwerpunkt, mitentwickelt unter Beteiligung von Jony Ive, dem früheren Apple-Designchef.
"Phygital"-Ansatz als Kompromiss
Trotz der Kostenlogik will Ferrari nicht vollständig auf physische Bedienelemente verzichten. Vigna beschrieb die Richtung des Unternehmens als "phygital" – eine Kombination aus haptischen Bedienelementen und digitalen Schnittstellen. Das Ziel sei, taktile Interaktion zu erhalten und gleichzeitig moderne Technologie dort einzusetzen, wo sie sinnvoll sei.
Einheitliche Touchscreen-Erlebnisse funktionierten in der Unterhaltungselektronik zwar, entsprächen aber nicht dem, was Ferrari-Kunden erwarteten. Auch andere Autohersteller räumten ein, Kunden wünschten sich mehr haptische Bedienelemente. Mehrere Marken bauten in jüngsten Modellgenerationen touchscreenlastige Cockpits wieder zurück .
Touchscreens im Auto sind auch ein Sicherheitsrisiko
Digitale Bedienoberflächen sind seit Teslas Model S Standard in modernen Fahrzeugen, Studien belegen jedoch damit verbundene Gefahren . Tests der schwedischen Publikation Vi Bilägare zeigten: Fahrer mit klassischen Knöpfen erledigten Aufgaben wie Senderwechsel in weniger als zehn Sekunden, das schlechteste Touchscreen-Fahrzeug (MG Marvel R) benötigte 45 Sekunden. Bei 110 km/h entspricht das 1,4 gefahrenen Kilometern ohne volle Aufmerksamkeit.
Eye-Tracking-Studien des norwegischen Instituts Sintef ergaben, dass selbst einfache Temperaturanpassungen Fahrer im Schnitt 3,5 Sekunden von der Straße ablenken, Navigationseingaben sogar 16 Sekunden. Das britische Transport Research Laboratory stellte 2020 fest, dass Touchscreen-Bedienung die Reaktionszeit stärker beeinträchtige als Fahren mit Blutalkohol über dem gesetzlichen Limit.
Die Organisation Euro NCAP, die neue Autos auf ihre Sicherheit testet und bewertet, reagierte bereits: Ab Januar 2026 erhalten Fahrzeuge ohne physische Schalter für Blinker und Scheibenwischer keine fünf Sterne mehr . Volkswagen, Hyundai und Porsche begannen bereits damit, klassische Bedienelemente in neueren Modellen zurückzubringen.
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