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Fernsehwerbung: 230 Android-Apps unterstützen Tracking per Ultraschall

Die Anzahl an Apps die Ultraschall-Tracking von Werbekonsumenten unterstützen, nimmt offenbar rasant zu. Mehr als 200 Apps unterstützen das umstrittene Verfahren, im vergangenen Jahr waren es erst sechs. Ein bisschen Entwarnung gibt es: Bislang unterstützt kein Fernsehsender in Europa das Verfahren.
/ Hauke Gierow
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Ein Smartphone mit Apps (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Ein Smartphone mit Apps Bild: Martin Wolf/Golem.de

Forscher der TU Braunschweig haben untersucht, wie viele Android-Apps das umstrittene Ultraschalltracking unterstützen [ Studie als PDF(öffnet im neuen Fenster) ]. Dabei können Werbeanbieter bei Fernseh-Radio oder Videowerbung für Menschen unhörbare Signale aussenden, die dann von umliegenden Smartphones oder anderen Geräten aufgenommen werden. Auch in Ladengeschäften kann entsprechende Technologie installiert werden, um Kunden wiederzuerkennen. Damit sollen Rückschlüsse auf das Konsumverhalten der Werbezielgruppe ermöglicht werden.

Bei mehr als 200 Android-Apps von insgesamt 1,3 Millionen gescannten Applikationen fanden die Forscher nach eigenen Angaben ein SDK (Software Development Kit), das Ultrasound Cross-Device-Tracking (uXDT) verschiedener Anbieter unterstützt. Konkret waren die SDKs von den Herstellern Shopkick, Lisnr und Silverpush, die Firmen arbeiten mit mehreren Werbeanbietern zusammen. Im vergangenen Jahr wurden nur sechs Apps gefunden, die die uXDT-Beacons auslesen konnten.

Frequenzen zwischen 18 und 20 kHertz

Nach Angaben der Forscher wurden bislang Frequenzen im Bereich zwischen 18 und 20 kHz genutzt, um die Signale auszulesen. Bei dem Anbieter Silverpush werden zum Beispiel fünf Buchstaben des englischen Alphabets genutzt und mit Frequenzen zwischen 18 und 20 kHz codiert. Um Störgeräusche zu eliminieren, wird jeder Buchstabe pro Beacon nur einmal verwendet, außerdem muss jedes Beacon mindestens einmal den Buchstaben A enthalten.

Bislang ist die Technologie in der Werbung selbst allerdings nicht sehr weit verbreitet. Die Forscher konnten noch keine EU-Fernsehanstalt finden, die die entsprechenden Signale ausliefert. Dazu sagten die Forscher: "Selbst wenn die Tracking-Technologie im Fernsehen noch nicht aktiv genutzt wird, ist die Monitoring-Funktionalität in vielen mobilen Applikationen bereits vorbereitet und könnte in der nahen Zukunft eine ernsthafte Bedrohung der Privatsphäre werden."

In verschiedenen Ladengeschäften sei die Technik allerdings schon im Einsatz. Kunden müssen die Apps der entsprechenden Händler allerdings selbst öffnen, bevor sie erfasst werden. Andere Trackingmethoden setzen auf ein offenes WLAN, das dann die Mac-Adresse der Nutzer erfasst. Die Namen der betroffenen Applikationen wurden nicht veröffentlicht, einige sollen jedoch mehr als 1 Million Mal heruntergeladen worden sein.


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