Wir fahrn fahrn fahrn auf der Landebahn

Die Verbindung basiert auf zwei Modems in Auto und Steuerung. So sollen stets eine genügend hohe Bandbreite und besserer Empfang sichergestellt werden. Das klappt beim Ausprobieren nicht immer perfekt. Zwar können wir dank der sechs verbauten Kameras unsere Strecke und das gesamte Umfeld gut erkennen, aber während unserer Probefahrt kommt es immer wieder zu starker Artefaktbildung, die die Sicht verschlechtert. Der Videostream passt sich der vorhandenen Bandbreite an, die Auflösung verringert sich, wenn nicht genügend Daten übertragen werden können.

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Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn ein sogenannter Handover passiert: der Wechsel von einem Mobilfunkmast zum nächsten. In der finalen Version kommt dann auf der steuernden Seite natürlich keine Mobilfunktechnik zum Einsatz.

Die dadurch mitunter auftretenden Bildstörungen nennt Enn Lansoo "Schnee" und sie sind neben echtem Schnee eines der größeren Probleme des Prototyps. Letzterer kann bei den Kameras am Auto dazu führen, dass die Person im Fernsteuerungscockpit die Straße lediglich als weiße Fläche sieht. Das fanden die Techniker von Elmo im winterlichen Tallinn heraus, wo die ersten Probefahrten stattfanden.

Wir haben Platz in Tegel

In unserem Berliner Gamingstuhl fühlen wir uns auf der weitläufigen Fläche des ehemaligen Flughafen Tegel jedoch ziemlich sicher. Das liegt auch daran, dass das Auto unsere Eingaben trotz einer Latenz von rund 100 Millisekunden zügig umsetzt. Wir können auf einem separaten Bildschirm den leeren Fahrersitz betrachten und sehen, wie das Lenkrad reagiert. Problematisch finden wir die fehlende Rückmeldung auf unsere Aktionen.

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Wir können mangels Kopfhörer weder hören, was in und um das Auto vorging, noch gibt es haptisches Feedback wie beispielsweise einen ruckelnden Sitz oder Widerstand am Lenkrad. Die Komponenten des virtuellen Cockpits sind ebenso wie die eingesetzte Hardware am Auto Standardgeräte. Das senkt den Preis der Umrüstung auf geschätzte 4.000 Euro.

Was wir ebenfalls hilfreich fänden, wäre eine Möglichkeit der Draufsicht, wie sie moderne Autos beim Einparken bieten.

Wir fahren trotzdem problemlos ein wenig Slalom um die für uns vorbereiteten Leitkegel und können uns des Eindrucks nicht erwehren, ein Videospiel zu spielen. Im echten Leben dürfte die fernlenkenden Fahrerinnen und Fahrer von Elmo allerdings ein weniger entspanntes Arbeitsumfeld erwarten.

Wir stellen es uns außerordentlich schwierig vor, so im dichten Stadtverkehr zu navigieren. Auch wenn man sich vermutlich an die ungewohnte Umgebung, die Rundumsicht des Monitors und die am oberen Bildrand befindlichen Statusanzeigen gewöhnt, bleibt doch unserer Meinung nach ein großes Problem: Wer für Elmo fernsteuert, muss voraussichtlich in einer Schicht etliche Wagen durch die Gegend fahren, die alle mit unterschiedlichen Orten, unterschiedlichen Situationen und vielleicht sogar wechselnden Wetterbedingungen aufwarten. Elmo hat mangels umgerüsteter Autos noch keine genaue Idee, wie Arbeitsplatz, Fahrzeiten und Umfeld der künftigen Chauffeure beschaffen sein müssen.

  • Enn Laansoo ist der Gründer von Elmo. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Die Hardware für die Fernsteuerung ist aus dem Gamingbereich. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Leider gibt es kein haptisches Feedback aus dem Wagen. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • In Berlin liefen alle Daten über Mobilfunk mit 4G. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Die Übersicht ist dank sechs Kameras am Auto recht gut. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Die eingeblendeten Daten sind eher dezent und ließen uns den eingeschalteten Blinker vergessen. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
  • Auch ein digitaler Rückspiegel ist vorhanden. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)
Die Übersicht ist dank sechs Kameras am Auto recht gut. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Eines scheint uns jedoch sicher: Der Job dürfte wesentlich höhere Anforderungen an die Konzentration stellen als ein realer Lieferservice.

Auf Kundenseite können wir hingegen die positiven Aspekte erkennen: Wer möchte nicht ein vollgeladenes, sauberes Auto zu einem Zeitpunkt seiner Wahl vor die Türe gestellt bekommen? Zumal Enn Lannsoo dank der niedrigeren Kosten der ferngesteuerten Lieferung nicht von Mehrkosten ausgeht. Die neun Jahre Erfahrung im Geschäft hätten gezeigt, dass die Autos Geld kosteten, wenn sie herumstünden. Immer mehr Autos zu kaufen, um näher bei der Kundschaft zu sein, brächte aber neue Probleme und koste viel Geld. Die neue Methode mache das nicht nur günstiger, sondern auch bequemer für die Nutzerschaft. Er sagt: "Wir bieten einen ähnlichen Service ja auch schon jetzt an. Dafür brauchen wir allerdings ohne ferngesteurte Autos jedes Mal zwei Autos und zwei Menschen, die fahren. Es wird mit unserer Technologie also eher billiger."

Erste Fahrten innerhalb der nächsten sechs Monate

Der Fahrzeugprototyp und die Demostation waren außer in Berlin in mehreren europäischen Städten unterwegs, die gesammelten Daten sollen bei der Umrüstung und Probe mit den ersten 20 regulären Autos von Elmo helfen. Die werden in den kommenden sechs Monaten in Estland auf die Straßen kommen. Im Falle eines kompletten Verbindungsabbruchs bleiben die Nissans übrigens einfach sofort stehen, was je nach Situation auch zu Unfällen führen könnte. Das ist nicht der einzige Grund, warum wir Elmos Fernsteuerung und auch andere derartige Ideen in naher Zukunft in Deutschland eher nicht im Einsatz sehen. Eine Sprecherin des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr teilte uns dazu mit, dass zwar zeitlich begrenzte und Halter- sowie fahrzeuggebundene Ausnahmegenehmigungen durch die jeweiligen Landesbehörden erteilt werden können, es fehle jedoch noch an einer allgemein gültigen Rechtsgrundlage.

Das Unternehmen will die Technologie auch an andere Anbieter lizenzieren, aber weder ist ihr großflächiger Einsatz hierzulande derzeit legal noch scheint uns der Einsatzzweck mit der Lieferung von Carsharing-Fahrzeugen überzeugend genug. Eine Nutzung für Taxizwecke schließt Elmo hingegen aus. Die Logistikbranche arbeitet an ähnlichen Verfahren, aber auch hier sind die Hürden hoch. Vodafone und Sony haben in einem Experiment mit 5G bereits ein Auto aus Japan ferngesteuert.

So schnell werden wir also auf hiesigen Straßen keinen Nissan Leaf mit leerem Fahrersitz sehen - aber bei einer Reise ins schöne Estland könnte das durchaus passieren. Also Augen auf im Straßenverkehr!

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 Ferngesteuertes Auto ausprobiert: Wenn 4G für das Autofahren nicht ausreicht
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obermeier 23. Jun 2022 / Themenstart

Wollte das gleiche sagen... Vay hat wohl schon eine Sondergenehmigung für Hamburg und...

RienSte 22. Jun 2022 / Themenstart

Du hast gesagt, es ist keine gute Lösung. Klingt / klang für mich schon danach. Weiß ich...

iCakeMan 21. Jun 2022 / Themenstart

Ich Frage mich bis heute, wie sowas überhaupt ernsthaft von irgendwem aufgenommen wird...

BoxKuno 21. Jun 2022 / Themenstart

Remote Auto fährt mit 40 km/h zu einem Event mit vielen Leuten Netz bricht dort wegen den...

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