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Fender Mustang GT-40 im Test: Golem.de rockt

Fender hat seine ersten Gitarrenverstärker mit Internetzugang und App-Anbindung vorgestellt: Klang und Bedienung des GT-40 überzeugt, die Smartphone -App lässt aber besonders unter Android noch stark zu wünschen übrig.
/ Tobias Költzsch
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Der Mustang GT-40  mit iPad und Gitarre (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der Mustang GT-40 mit iPad und Gitarre Bild: Martin Wolf/Golem.de

Fenders Mustang GT-40 ist nicht der erste Amp mit digitaler Verstärkermodulierung des US-amerikanischen Traditionsherstellers, aber der erste mit Internet- und Smartphone-Anbindung. Über eine App sollen Nutzer bequem Voreinstellungen ändern, eigene Presets erstellen und herunterladen sowie Setlisten anfertigen können.

Fender Mustang GT-40 – Fazit
Fender Mustang GT-40 – Fazit (01:36)

Wir haben uns den kleinsten der drei neuen Mustang-Verstärker im Test genau angeschaut. Besonders von Interesse für uns waren natürlich die neuen Connected-Amp-Funktionen – und gerade hier zeigt sich, dass Fender offenbar noch nicht ganz fertig mit seiner App-Anbindung ist. Das fällt besonders unter Android auf.

Der Mustang GT-40 ist ein geschlossener, digitaler Verstärker mit einer Ausgangsleistung von 40 Watt und zwei 6,5-Zoll-Lautsprechern. Diese stammen nicht aus Fenders Celestion-Reihe, die es erst ab dem 100-Watt-Modell gibt. Der Verstärker nimmt mit 39 x 26,5 x 21 cm nicht viel Platz weg und ist demnach gut für das Spielen in der Wohnung geeignet.

Modeling Amp mit Verstärker-Emulation

Der Mustang GT-40 ist ein Modeling Amp, das heißt, dass verschiedene Verstärkermodelle digital emuliert werden. Den seit jeher schwelenden Streit, ob digitale Amps nun besser oder schlechter sind als Röhrenverstärker, wollen wir an dieser Stelle nicht führen. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die Klangeigenschaften des Amps und vor allem die Vernetzungsfunktionen.

Der Fender-Verstärker lässt sich grundsätzlich auch komplett ohne die Smartphone-App nutzen. Schalten wir den Amp an, bootet der Verstärker in das Hauptmenü, in dem die verschiedenen Amp-Modelle auf einem 2,2 Zoll großen Farbdisplay angezeigt werden. Über den Amp selbst kann eine WLAN-Verbindung eingerichtet werden, über die der Amp unter anderem Firmware-Updates bezieht.

Wir haben unseren Mustang GT-40 direkt nach dem Auspacken aktualisiert: Dazu haben wir den Amp ausgeschaltet, das Auswahlrad gedrückt gehalten und den Verstärker dabei wieder eingeschaltet. Die Aktualisierung wird daraufhin automatisch heruntergeladen und installiert.

Intuitive Bedienung und gutes Display

Die Bedienung des Verstärkers ist intuitiv: Über ein Auswahlrad mit Knopffunktion schalten wir durch die über 100 Voreinstellungen, die teilweise nach ihren Amp-Vorbildern, teilweise auch nach Lieder benannt sind. So gibt es beispielsweise eine Voreinstellung "Basic 65 Princeton", die auf einem 1965er Fender Princeton basiert. Der Preset "Purple Rain" hingegen orientiert sich am cleanen Klang der Rhythmus-Gitarre des Prince-Klassikers. Im Spielmodus dient das Auswahlrad als Lautstärkeregler.

Das Display ist in drei Bereiche unterteilt: Oben wird der Name des Presets angezeigt, in der Mitte sind die Einstellungen, aus denen sich der Preset zusammensetzt – also Verstärkermodell und Effekte. Im unteren Bereich des Bildschirms sind Optionen wie Gain, Höhen, Mitten und weitere akustische Einstellungsmöglichkeiten eingeblendet. Einige davon haben links neben dem Display Knopf-Pendants, worüber sich die einzelnen Optionen schnell einstellen lassen.

Bedienung in drei Ebenen

Einige der Feintuning-Optionen hingegen sind nicht über fest eingerichtete Knöpfe erreichbar. Um sie zu verstellen, müssen wir den kleinen Druckschalter direkt neben der Display-Anzeige drücken. Dann können wir zwischen den einzelnen Optionen hin- und herwechseln und sie verstellen. Jeder der drei Display-Bereiche hat einen derartigen Knopf: Im mittleren Bereich können wir darüber die Effektkette beeinflussen.

So können wir beispielsweise virtuelle Effektpedale hinzufügen: Der Mustang GT-40 verfügt über zwölf Fußbodeneffekte, die von verschiedenen Verzerrern bis hin zu Wahwah-Pedalen reichen, 13 Modulationsfilter (Phase, Flanger etc.), neun Echoeffekte und zwölf Halleffekte. Diese lassen sich kombinieren, unterschiedlich in der Effektkette positionieren und auch überbrücken oder komplett entfernen. Wir finden die Programmierung am Amp selbst recht intuitiv, so wie die gesamte Bedienung des Amps.

Fender-Tone-App soll Bedienung erleichtern

Noch besser soll das Programmieren der Effekte, deren Auswahl und die Erstellung von Setlisten aber über die neue App Fender Tone funktionieren. Die Anwendung gibt es für Android und iOS, sie verbindet das Smartphone des Nutzers mit dem Verstärker. Durch die App haben wir Zugriff auf die Presets, ohne am Amp selber Einstellungen vornehmen zu müssen – zumindest theoretisch, denn fehlerfrei läuft die App noch nicht, besonders unter Android.

App besonders unter Android nur bedingt hilfreich

Hier haben wir bei der ersten Einrichtung zunächst das Problem, dass wir das WLAN auf dem Amp nicht über die App konfigurieren können – bei der iPhone-App ist das hingegen kein Problem. Sowohl Android-Geräte als auch iPhones und iPads kommunizieren per Bluetooth mit dem Mustang GT-40, in der Android-App verbindet sich der Amp nicht automatisch wieder mit unserem Smartphone. Stattdessen müssen wir im Menü der App den Verstärker erneut auswählen.

Im Hauptmenü der App werden uns nach erfolgreichem Pairing die Presets des Amps angezeigt, von den Setlisten ist in der Android-App hingegen nichts zu sehen. Das ist nicht verwunderlich, sie sind in der aktuellen Version der App noch nicht eingebaut. Hier gilt: Wer ein iPhone benutzt, ist im Vorteil, da die Setlisten hier tadellos funktionieren.

Presets direkt in der Amp programmieren

In den aktuellen Versionen beider Apps können wir auch am Smartphone direkt eigene Presets erstellen – in der ersten Version der Android-App ging das noch nicht, was der App direkt nach der Veröffentlichung der Mustang-Serie am 12. Mai 2017 eine Reihe an schlechten Bewertungen im Play Store eingebracht hatte. Zwischenzeitlich hatte die Anwendung eine durchschnittliche Bewertung von nur 1,6 Sternen.

Die Presets lassen sich über das Smartphone noch einfacher als am Amp selbst erstellen, da wir die einzelnen Komponenten direkt anklicken und die Werte der Regler ebenfalls auf dem Display unseres Smartphones einstellen können. Die von uns getätigten Einstellungen werden direkt an den Amp weitergegeben, wir können den Klang also direkt überprüfen. Andersherum werden übrigens bei aktiver Verbindung mit der App über den Amp ausgewählte Voreinstellungen detailliert in der App angezeigt.

Der neue Preset lässt sich auf dem Amp selbst abspeichern und ist auch dann verfügbar, wenn wir kein Smartphone verbunden haben. Anstatt eines komplett neuen Presets können wir auch einen vorhandenen über das Smartphone verändern und speichern, entweder indem wir die ursprüngliche Voreinstellung überschreiben oder einen neuen Eintrag ablegen.

Preset-Marktplatz aktuell nur unter iOS

Über eine Art Marktplatz können wir von anderen Nutzern erstellte Voreinstellungen herunterladen und unsere eigenen teilen. Bereits kurz nach der Veröffentlichung der Mustang-Serie gibt es eine Reihe an interessanten Presets, die meist an die Gitarren-Sounds bestimmter Musiker oder Songs angelehnt sind und oft ziemlich gut klingen. Das Android-Dilemma setzt sich beim Preset-Marktplatz fort: iPhone- und iPad-Nutzer könnten munter neue Voreinstellungen herunterladen, Android-User hingegen nicht, da die Amp dies noch nicht unterstützt.

Das gilt auch für die Setlisten, die besonders für Bühnenmusiker praktisch sind. Hier können wir eine Reihe an Presets in eine Liste eintragen; bei einem Auftritt lassen sich so verschiedene Amp- Modulationen schnell wechseln, ohne am Verstärker selbst herumfummeln zu müssen. Den zur Mustang-Serie passenden Fußschalter liefert Fender beim GT-40-Modell nicht mit, diesen gibt es erst ab dem 100-Watt-Modell.

Einen merkwürdigen Bug haben wir sowohl in der Android- als auch in der iOS-App bemerkt: Schalten wir über die App auf einen Preset, der jenseits der Voreinstellung Nummer 30 liegt, wird nicht die angeklickte Einstellung auf dem Amp ausgewählt, sondern die folgende. Unterhalb der 30 funktioniert die Auswahl hingegen problemlos. Meist werden auch weiter hinten liegende Presets korrekt eingestellt. Fender sollte diesen Fehler schnell beheben, da er ein Eingreifen am Amp erfordert – was mit der App ja eigentlich nicht nötig sein sollte.

Klanglich variabel und überraschend druckvoll

Die spannende Frage ist jetzt natürlich noch: Wie klingt der Amp? Trotz seiner Größe hat der Verstärker einen überraschend vollen Klang, der – je nach verwendeter Gitarre – uns stellenweise aber etwas zu basslastig ist. Viele der Amp-Modelle klingen mit Single Coils besser als mit Humbuckern, wobei es natürlich auch hier darauf ankommt, wie "heiß" diese sind. Gut gefallen uns die Stereo-Modulationen wie beispielsweise der Stereo Chorus oder auch Vibratone, eine Leslie-Simulation.

Die Amp-Modelle zeichnen die Charakteristika ihrer Vorbilder gut nach: So klingt der Champ tatsächlich klein, rotzig und ein wenig wie aus einer Dose; British 60s klingt aufgedreht tatsächlich nach Vox AC30. Die Palette an verfügbaren Verstärkern reicht von den klassischen Fender-Amps bis hin zu Metal-Sounds. Uns gefallen die Emulationen der Fender-Verstärker der 1950er- und 1960er-Jahre sowie die rockigen Amps am besten, die Metal-Verstärker finden wir häufig eher etwas zu matschig.

Keine Röhre, aber guter Klang

Puristen mögen angesichts digitaler Verstärkertechnik die Nase rümpfen. Natürlich ist es mit Hilfe digitaler Technik nur möglich, einen Röhrensound zu emulieren – die Feinheiten unterschiedlicher Röhren können Modeling Amps nicht wiedergeben. Die Zeit bleibt aber nicht stehen, und digitale Amps sind keine hölzernen Verstärker-Imitationen mehr, wie sie es noch vor zehn Jahren waren. Stattdessen empfinden wir den Klang des Mustang GT-40 objektiv gesehen als erstaunlich gut modellierbar und realistisch.

Der Mustang GT-40 macht seine Sache besonders auch angesichts des niedrigen Preises des Amps gut. Die verschiedenen Verstärkeremulationen haben durchaus Charakter, die Effekte sind bis auf wenige Aufnahmen sinnvoll einzusetzen (was wir mit einem Ringmodulator bei einer Gitarre sollen, erschließt sich uns nicht). Wer sich für die von uns getestete kleine Mustang-GT-Variante entscheidet und den Amp vielleicht doch einmal an eine größere Box anschließen will, wird dies nicht ohne weiteres tun können: Der Verstärker hat keinen externen Lautsprecheranschluss. Die Lösung wäre es, den Amp zu öffnen und einen derartigen Anschluss zu verlegen – dies ist aber möglicherweise nicht für jeden Nutzer trivial.

Die geringe Größe des Mustang GT-40 bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Amp nicht auch auf einer Bühne eingesetzt werden kann: Mit einem sinnvoll platzierten Mikrofon vor einem der Speaker lässt sich der Sound wie bei jedem Verstärker über eine PA wiedergeben. Zusammen mit einer auf einem iPad programmierten Setlist können wir uns den Amp sogar sehr gut während eines Live-Gigs vorstellen – aktuell aber halt nur mit einem iOS-Device.

Mitjammen dank Bluetooth

Der Mustang GT-40 kann dank der eingebauten Bluetooth-Funktion übrigens wie ein herkömmlicher Bluetooth-Speaker für Musikwiedergabe genutzt werden. Damit eignet sich der Amp sehr gut zum Mitjammen. Die Audioqualität der eingespeisten Musik ist gut, die Lautstärke wird direkt über das Abspielgerät reguliert. Der Volume-Regler am Amp selbst ist weiterhin für die Lautstärke der Gitarre zuständig, was die Volume-Anpassung erleichtert.

Verfügbarkeit und Fazit

Der Mustang GT-40 ist im Onlinehandel für 235 Euro erhältlich. Die größere Version Mustang GT-100 mit 12-Zoll-Celestion-Speaker kostet 385 Euro, das Topmodell Mustang GT-200 mit zwei 12 Zoll großen Celestions ist für 500 Euro zu haben. Von den Amp-Emulationen und der Vernetzung her unterscheiden sich die Verstärker nicht.

Fazit

Die Grundidee von Fenders neuer Mustang-GT-Serie geht über die der bisherigen Modeling-Amps des Herstellers hinaus: Statt einfach nur gute Verstärker-Emulationen bieten die neuen Amps dank der Vernetzung zum einen die Möglichkeit, Einstellungen über ein Smartphone oder Tablet komfortabel vornehmen zu können, zum anderen Zugang zu herunterladbaren Voreinstellungen.

Die Amp-Einstellungen können bequem auf dem mobilen Gerät verändert werden, die Synchronisation verläuft schnell, eignet sich also tatsächlich für die praktische Nutzung. Hilfreich ist auch die Setlist: Mit dieser können Nutzer während eines Gigs schnell auf eine Auswahl an Voreinstellungen zugreifen.

Die App-Funktionen sind aber auch der Knackpunkt des Mustang GT-40: Die Android-App ist momentan noch eher eine Frechheit, sie ist nur sehr eingeschränkt nutzbar. Die Setlisten gibt es noch nicht, ebenso nicht den Preset-Marktplatz. Zwar hat Fender die Funktion mit dem jüngsten Update wenigstens erweitert, auf dem Stand des iOS-Pendants ist die Anwendung aber noch nicht.

Das ist schade, da die iOS-App zeigt, wie gut und praktisch die Verbindung zwischen mobilem Gerät und Amp ist. Aber auch diese App ist nicht ganz fehlerfrei: Wie bei der Android-App gibt es auch hier manchmal Verwirrung bei der Auswahl der Presets auf dem mobilen Gerät und der Synchronisation mit dem Amp.

Es bleibt zu hoffen, dass Fender die Software-Probleme schnell in den Griff bekommt und für Android rasch eine bessere App anbieten kann. Aktuell würden wir Android-Nutzern eher dazu raten, mit dem Kauf noch etwas zu warten, sofern sie die Vernetzungsfunktionen verwenden möchten. Wer ein iPhone oder iPad verwendet, muss hingegen nur mit dem ab und zu auftretenden Synchronisations-Bug leben können. Etwas ärgerlich finden wir, dass es keine eigene iPad-App gibt – wir müssen stattdessen die aufgeblasene iPhone-Anwendung auf unserem Tablet verwenden.

Insgesamt hat Fender mit der Mustang-GT-Serie ein interessantes neues Konzept vorgestellt, das jedoch noch etwas Feineinstellung benötigt. Sind die Software-Probleme beseitigt, bekommt der Mustang GT-40 von uns eine uneingeschränkte Kaufempfehlung: Bei 235 Euro kann man bei dem Amp nichts falsch machen. Klanglich überzeugt der Amp auch jetzt schon – wer noch etwas auf reibungslose Vernetzungsfunktionen warten kann, kann auch jetzt schon zuschlagen.


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