Fehlstart: Japans neue Raketen-Hoffnung H3 ist nicht gestartet

Japan wollte seine neue H3-Rakete am 17. Februar 2023 testen. Der Start musste abgebrochen werden. Ist die Rakete überhaupt zukunftsfähig?

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Japans H3-Rakete ist in ihrem Hangar in Tanegashima zu sehen.
Japans H3-Rakete ist in ihrem Hangar in Tanegashima zu sehen. (Bild: Mitsubishi Heavy Industries)

Es sollte die große Premiere des Jungfernflugs der japanischen Trägerrakete H3 sein. Doch der Start musste am 17. Februar 2023 abgebrochen werden. Die genauen Gründe sind noch nicht bekannt. Die japanische Raumfahrtagentur Jaxa (Japan Aerospace Exploration Agency) versucht noch zu identifizieren, warum die Rakete nicht gestartet ist. Laut einer Pressemitteilung der Jaxa und den Moderatoren im Livestream sei "das Haupttriebwerk gezündet worden, die SRB-3 jedoch nicht."

Dabei sollte dieser Start eine neue Ära für die japanische Trägerraketen-Technologie demonstrieren. Bereits mit dem seit 2001 im Einsatz befindlichen Vorgänger konnte die westlich-orientierte Raumfahrtnation Erfolge feiern. Beispielsweise hatte sie die Mars-Mission Hope Probe der Vereinigten Arabischen Emirate in den Weltraum befördert.

Wirklich konkurrenzfähig war die H2-A-Rakete jedoch nicht. Sie hatte ein ähnliches Ausmaß wie die Trägerrakete Falcon 9 vom privaten US-amerikanischen Raumfahrtunternehmen SpaceX. Jedoch waren die Startkosten der H2-A fast doppelt so hoch wie die der Falcon 9. Deshalb startete die japanische Rakete nur eine Handvoll Mal pro Jahr und dient hauptsächlich der japanischen Regierung, die aus nationalem Interesse bereit war, rund 90 Millionen US-Dollar pro Launch zu zahlen.

Neue Rakete soll neue Kunden anlocken

Bereits die H2-A-Rakete wurde vom japanischen Mischkonzern Mitsubishi Heavy Industries hergestellt. Vor knapp zehn Jahren hatte die japanische Regierung den Konzern mit dem Bau einer neuen Trägerrakete beauftragt. Doch diesmal sollten die Startkosten im Fokus der Entwicklung stehen. Ziel war es, die H3 in ihrer Basiskonfiguration für 51 Millionen US-Dollar pro Start zu verkaufen. Mit einem niedrigeren Preis wollte Japan seine Starts von etwa vier auf acht pro Jahr verdoppeln.

Dem Vizepräsidenten von Mitsubishis Raumfahrtsystemabteilung, Ko Ogasawara, ist es wichtig gewesen, an den Startkosten von 51 Millionen US-Dollar festzuhalten. Dies sei eine Anforderung seiner Regierung, berichtete er bereits 2018 gegenüber der Nachrichtenseite Ars Technica. "Wenn wir das also nicht schaffen, wenn wir das nicht erreichen können, wird unser Entwicklungsprogramm komplett eingestellt", so Ogasawara.

Nicht der erste Fehlversuch

Die neue H3-Rakete sollte eigentlich bis spätestens März 2021 abheben. Jedoch kam es bei den damaligen Tests des LE-9-Haupttriebwerks der Rakete, das flüssigen Sauerstoff und Wasserstoff verbrennt, zu Problemen. Dadurch verzögerte sich die Premiere der Rakete um etwa zwei Jahre. Nun kam es erneut zu Verzögerungen, nur dass diesmal das Problem beim SRB-3 liegen soll, einem japanischen Feststoffraketen-Booster, der bereits bei der H-IIA, H-IIB sowie der Epsilon-Raketen eingesetzt wurde. Sie ist in zwei Varianten erhältlich: Eine mit hohem Schub bei kurzer Brenndauer und eine mit längerer Brenndauer und geringerem Schub.

Dieser erneute Fehlversuch ist ein Rückschlag für die japanische Raketen-Industrie. Bisher haben sich außer dem Satellitenbetreiber Inmarsat nur relativ wenige kommerzielle Kunden für die neue japanische Rakete entschieden. Das liegt zum Teil an den Verzögerungen in der Entwicklung und der Ungewissheit, wann die H3-Rakete tatsächlich ins Weltall aufbrechen wird.

Zudem ist noch nicht klar, ob die Startkosten tatsächlich unterhalb der 51 Millionen US-Dollar-Marke liegen. Ein weiteres Problem besteht darin, dass diese Rakete keine eindeutigen Vorteile gegenüber der Falcon 9 aufweist, die mit 170 erfolgreichen Starts in Folge seit 2016 eine sehr hohe Zuverlässigkeitsbewertung hat.

Zudem ist die Rakete nicht wiederverwendbar - somit auch nicht zukunftsträchtig. Wobei dieses Argument im Angesicht der Konkurrenz abseits von der Falcon 9 (seien es die Ariane-Raketen Europas oder die amerikanische Atlas-V-Rakete) nicht ausschlaggebend ist. Die neue Generation an Raketen lässt weiterhin auf sich warten. Frank Wunderlich-Pfeiffer hat es in seiner Analyse zusammengefasst.

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