Abo
  • Services:

Fehlende Treiber: Intel verhindert Linux-Installation auf Lenovo-Laptops

Auf einigen Lenovo-Laptops lässt sich zur Zeit Linux nicht installieren. Eine mißverständliche Äußerung eines Lenovo-Mitarbeiters führte zu Meldungen, dass dies einem Abkommen mit Microsoft geschuldet sei. Tatsächlich fehlen aber schlicht Treiber für einen neuen Modus von Intel-Festplattencontrollern.

Artikel veröffentlicht am , Hanno Böck
Zur Zeit nichts für Linux-Anwender: Die aktuellen Yoga-Laptops von Lenovo.
Zur Zeit nichts für Linux-Anwender: Die aktuellen Yoga-Laptops von Lenovo. (Bild: Lenovo)

Eine Diskussion auf der Webseite Reddit sorgte für Aufregung in der Linux-Community: Angeblich zwingt Microsoft Lenovo mittels seines "Signatur PC"-Programms, die Installation von alternativen Betriebssystemen zu verhindern. Doch offenbar steckt hinter dem Problem etwas Anderes: Der Intel-Festplattencontroller nutzt einen neuen Modus, der von Linux nicht unterstützt wird. Von Intel gibt es offenbar zur Zeit keinerlei Bemühungen, daran etwas zu ändern.

Stellenmarkt
  1. domainfactory GmbH, Ismaning
  2. über duerenhoff GmbH, Raum Nürnberg

Ein Nutzer im Lenovo-Forum berichtete, dass er auf einem Yoga-Laptop (900-13ISK2) kein Ubuntu installieren konnte. Der Installer zeigte das installierte SSD-Laufwerk nicht an. Daraufhin meldeten sich mehrere andere Nutzer mit ähnlichen Problemen.

RAID- versus AHCI-Modus

Die verwendeten Festplattencontroller von Intel unterstützen mehrere Modi. Bei manchen Laptop-Modellen kann man im BIOS auswählen, ob man diese im RAID- oder im älteren AHCI-Modus betreiben möchte. Linux unterstützt bislang lediglich AHCI. Bei den betroffenen Laptop-Modellen hat sich Lenovo aber offenbar aus unbekannten Gründen dafür entschieden, diese Option nicht anzubieten. Im weiteren Verlauf der Diskussion äußerte sich ein Lenovo-Mitarbeiter, der erklärte, dass dieses System die Signature-Edition von Windows 10 installiert hat und daher aufgrund einer Vereinbarung mit Microsoft geschlossen sei.

Diese Äußerung scheint nun viele Befürchtungen der Linux-Community zu bestätigen: Microsoft versucht, die Installation von alternativen Betriebssystemen zu verhindern. Doch vermutlich handelt es sich nur um eine ungeschickte Äußerung eines Support-Mitarbeiters.

Der CoreOS-Mitarbeiter und ehemalige Kernel-Entwickler Matthew Garrett geht davon aus, dass der Grund für die Abschaltung der Option weit banaler ist: Das Powermanagement des Laufwerks funktioniert nicht korrekt, wenn diese im AHCI-Modus betrieben wird. Um zu verhindern, dass Nutzer damit Probleme bekommen, könnte Lenovo die BIOS-Option deaktiviert haben.

Die Deaktivierung des AHCI-Modus verhindert auch die Installation von älteren Windows-Versionen und sogar von einem originalen Windows 10. Denn selbst die von Microsoft mit Windows ausgelieferten Treiber sind nicht in der Lage, ein Laufwerk im RAID-Modus anzusteuern. Dazu benötigt es spezielle Treiber von Intel, die auf dem Gerät vorinstalliert sind.

Es fehlt ein Treiber für die Intel-Hardware

Eine Installation von alternativen Betriebssystemen wird auf den betroffenen Laptops nicht generell verhindert, nur müssten diese einen Treiber für den RAID-Modus mitbringen. Und genau das ist das eigentliche Problem: Für Linux gibt es bislang keine Treiber. Laut Garrett ist das grundsätzliche Problem, dass Intel offenbar zurzeit wenig Interesse daran zeigt, seine Consumer-Hardware unter Linux zu unterstützen. So stellt Intel bislang keine Informationen dazu bereit, wie der Controller korrekt im RAID-Modus genutzt werden kann, damit ist die Treiberentwicklung schwierig. In einem früheren Blogpost hatte Garrett bereits berichtet, dass das Powermanagement unter Linux auf Systemen mit dem Skylake-Chipsatz nicht korrekt funktioniert und Hardware dadurch möglicherweise beschädigt werden könnte.

Eine Stellungnahme von Lenovo bestätigt diese Darstellung weitgehend. Demnach benötigt die Hardware in den aktuellen Yoga-Laptops einen sehr komplexen und speziellen Treiber, der für Linux nicht verfügbar ist. Neben dem Problem mit dem Controller würden vermutlich weitere Funktionen des Yoga unter Linux nicht funktionieren. Lenovo blockiere aber nicht gezielt die Installation von alternativen Betriebssystemen. Für Linux-Anwender verweist Lenovo auf eine Liste von Laptops, bei denen Lenovo die Nutzung mit Linux explizit unterstützt.

Workaround mit Lötkolben

Einem Reddit-Nutzer gelang es, ein manipuliertes BIOS zu installieren und damit den AHCI-Modus zu aktivieren. Doch dafür war es nötig, den Laptop aufzuschrauben und den BIOS-Chip mittels eines Lötkolbens zu entfernen. Damit dürfte diese Lösung für viele Nutzer nicht in Frage kommen. Zudem wäre es auch fraglich, ob es empfehlenswert ist, die Hardware in einem vom Hersteller nicht unterstützen Modus zu betreiben.

Nach der Superfish-Affäre, BIOS-Backdoors und BIOS-Sicherheitslücken, für die es lange Zeit keine Fixes gab, besteht ein begründetes Misstrauen gegenüber Lenovo. Auch verhielten sich die Supportmitarbeiter alles andere als geschickt und drohten zeitweise, Forenbeiträge nur noch manuell freizuschalten. Doch der Zorn der Community sollte sich im aktuellen Fall eher gegen Intel richten. Der Chiphersteller müsste den Kernel-Entwicklern die Dokumentation liefern, um entsprechende Treiber zu erstellen. Alternativ können Linux-Anwender nur darauf hoffen, dass jemand sich die Mühe macht, die Funktionsweise des RAID-Modus mittels Reverse Engineering herauszufinden.

Die Befürchtung, dass Microsoft die Installation von alternativen Betriebssystemen technisch verhindern könnte, gibt es schon lange. Grund dafür sind etwa Technologien wie Secure Boot, die es ermöglichen, nur noch die Installation von signierten Betriebssystemen zuzulassen. Auf X86-Laptops lässt sich Secure Boot jedoch auch mit Linux nutzen. So können Nutzer im Normalfall ihre eigenen Schlüssel im BIOS hinterlegen oder Secure Boot ganz abschalten und einige Linux-Distributionen liefern auch von Microsoft signierte Bootmanager mit. Auf ARM-Geräten erzwingt Microsoft das Booten von signierten Betriebssystemen, was mögliche Konkurrenten aussperrt. Mit dem aktuellen Lenovo-Vorfall hat das alles aber nichts zu tun.



Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 9,99€
  2. über ARD Mediathek kostenlos streamen

WarumLinuxBesse... 02. Okt 2016

Windows sieht auf Grund der großen Linux Konkurrenz, so langsam dem Ende entgegen. Nicht...

cpt.dirk 26. Sep 2016

Gut, sofern wirklich derselbe, aktuelle Treiber im alten System verwendet wird (und nicht...

cpt.dirk 24. Sep 2016

Ok, und womit wird das BIOS "nur" neu geflasht? Mit einem neuen Firmwareblob aus dem...

Anonymer Nutzer 22. Sep 2016

Die Treiber samt Ubuntu fürs Developer XPS gibts auch noch, nur bringen dir...

David64Bit 22. Sep 2016

Die BIOS Sache, Thinkpads deren Scharniere völlig unverblümt nach einem halben Jahr aus...


Folgen Sie uns
       


Oneplus 6 - angesehen

Oneplus hat sein neues Smartphone Oneplus 6 veröffentlicht. Das Gerät hat ein Display mit Einbuchtung, Qualcomms schnellen Snapdragon-845-SoC und eine Dualkamera auf der Rückseite.

Oneplus 6 - angesehen Video aufrufen
EU-Urheberrechtsreform: Wie die Affen auf der Schreibmaschine
EU-Urheberrechtsreform
Wie die Affen auf der Schreibmaschine

Nahezu wöchentlich liegen inzwischen neue Vorschläge zum europäischen Leistungsschutzrecht und zu Uploadfiltern auf dem Tisch. Sie sind dilettantische Versuche, schlechte Konzepte irgendwie in Gesetzesform zu gießen.
Ein IMHO von Friedhelm Greis

  1. Leistungsschutzrecht VG Media darf Google weiterhin bevorzugen
  2. EU-Verhandlungen Regierung fordert deutsche Version des Leistungsschutzrechts
  3. Fake News EU-Kommission fordert Verhaltenskodex für Online-Plattformen

Kryptographie: Der Debian-Bug im OpenSSL-Zufallszahlengenerator
Kryptographie
Der Debian-Bug im OpenSSL-Zufallszahlengenerator

Einer der schwerwiegendsten Fehler in der Geschichte der Kryptographie beschäftigte vor zehn Jahren Nutzer der Debian-Distribution. Wenn man danach sucht, findet man noch heute vereinzelt verwundbare Schlüssel.
Von Hanno Böck


    Noctua NF-A12x25 im Test: Spaltlos lautlos
    Noctua NF-A12x25 im Test
    Spaltlos lautlos

    Der NF-A12x25 ist ein 120-mm-Lüfter von Noctua, der zwischen Impeller und Rahmen gerade mal einen halben Millimeter Abstand hat. Er ist überraschend leise - und das, obwohl er gut kühlt.
    Ein Test von Marc Sauter

    1. NF-A12x25 Noctua veröffentlicht fast spaltlosen 120-mm-Lüfter
    2. Lüfter Noctua kann auch in Schwarz
    3. NH-L9a-AM4 und NH-L12S Noctua bringt Mini-ITX-Kühler für Ryzen

      •  /