Abo
  • Services:

Fehlende Fachkräfte: Flüchtlinge sind eine Chance für die IT-Branche

43.000 Stellen in der IT-Branche sind unbesetzt. Asylbewerber könnten helfen, den Fachkräftemangel zu lindern - doch bis dahin sind noch große Hürden zu überwinden. Nur langsam erkennt die Regierung, wo nachgebessert werden muss.

Artikel von Julia Ley veröffentlicht am
Ein syrischer Flüchtling in einer Unterkunft in Berlin
Ein syrischer Flüchtling in einer Unterkunft in Berlin (Bild: Adam Berry/Getty Images)

Kaum ein Sektor in Deutschland ist so dynamisch wie die Internet- und Telekommunikationsbranche (ITK), kaum einer wird künftig so großen Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes haben. Schon 2013 war die Branche für rund ein Drittel des deutschen Wirtschaftswachstums (PDF) verantwortlich. Mit fast einer Million Beschäftigten ist sie außerdem der zweitgrößte Arbeitgeber der deutschen Industrie, Tendenz steigend. In den vergangenen fünf Jahren wurden hier 125.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Doch eben dieses schnelle Wachstum ist auch ihr Problem, denn den Unternehmen fehlt der Nachwuchs: 43.000 Stellen sind in Deutschland derzeit unbesetzt.

Führende Vertreter der digitalen Wirtschaft sehen deshalb eine Chance in den 800.000 Flüchtlingen, die bis Ende des Jahres nach Deutschland kommen werden. So sagte zum Beispiel Thorsten Dirks, Präsident des Branchen-Verbandes Bitkom, Ende September: "Viele der Flüchtlinge sind jung, gut ausgebildet und motiviert. [...] Sie wollen ihre Chance nutzen - und wir sollten diese Chance auch nutzen." Nur einen Tag später schrieb das auch der Beirat Junge Digitale Wirtschaft beim Bundeswirtschaftsministerium in einer Pressemitteilung: "Flüchtlinge können [...] eine große Chance sein, um die dringend benötigten Fachkräfte im IT-Bereich und auch neue Gründer von digitalen Startups in unserem Land hervorzubringen."

So weit die Theorie. Doch im Moment ist es für Unternehmen noch alles andere als einfach, diese Chance wahrzunehmen. Wer mit Personalverantwortlichen spricht, hört eine ganze Reihe an Klagen: Bisher sei völlig unklar, mit welchen Qualifikationen die Schutzsuchenden kommen, fehlende Dokumente machten es außerdem extrem schwierig, ausländische Abschlüsse einzuschätzen, auch die staatlichen Anerkennungsstellen seien auf die Situation schlecht vorbereitet. Und vor allem: Es fehle an Sprachkursen, Weiter- und Umbildungsmaßnahmen.

Einwanderer gründen häufiger Unternehmen

Ein Blick ins Ausland zeigt, dass es sich durchaus lohnen könnte, hier mehr zu tun. Denn oft scheinen Migranten besonders gewillt zu sein, Risiken auf sich zu nehmen. In Großbritannien wurde jedes siebte Unternehmen von einem Ausländer gegründet, Einwanderer machen sich dort fast zweimal so häufig selbstständig wie Einheimische. In Amerika sind Einwandererkinder zudem auch noch besonders erfolgreich. 40 Prozent der 500 umsatzstärksten amerikanischen Unternehmen wurden von Migranten oder deren Kindern gegründet (PDF). Bei einem Viertel aller jüngeren High-Tech-Unternehmen ist laut Forbes mindestens einer der Gründer ein Kind von Einwanderern.

Stellenmarkt
  1. Bosch Gruppe, Berlin
  2. OKI EUROPE LIMITED, Branch Office Düsseldorf, Düsseldorf

Die Hoffnungen, die in die Zuwanderer gesetzt werden, sind auch hierzulande groß. Im besten Fall, sagt Stephan Pfisterer, der beim Branchenverband Bitkom den Bereich Bildungspolitik und Arbeitsmarkt leitet, könnte die Zuwanderung zu einer Win-win-Situation führen, von der beide Seiten profitieren. "Man sollte daher alles tun, um diese Potenziale zu erschließen." Allerdings will er in den Flüchtlingen nicht "pauschal" eine Chance für den Fachkräftemangel sehen, dafür wisse man bisher noch zu wenig über die Qualifikationen der Ankommenden. "Selbst wenn am Ende nur 1.000 Menschen darunter sind, die eine IT-Stelle annehmen können, dann wäre das schon ein Erfolg", sagt Pfisterer.

Tatsächlich sei es eher unwahrscheinlich, dass der Fachkräftemangel allein durch die Flüchtlinge zu beheben ist, sagt auch Paul Ebsen von der Bundesagentur für Arbeit. "Zumindest nicht sofort, aber vielleicht übermorgen." Warum das so ist, wird klar, wenn man sich die offenen Stellen genauer anschaut. Bitkom hat Ende September eine Studie dazu veröffentlicht: 64 Prozent, also fast zwei Drittel der Positionen, liegen im Bereich Software-Entwicklung, 15 Prozent im Bereich IT-Sicherheit. "Hier braucht es Leute mit Masterabschlüssen und vielleicht sogar mit ein paar Jahren Arbeitserfahrung", erläutert Pfisterer.

Kaum einer weiß, was sich hinter den Qualifikationen verbirgt 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 34,99€ (erscheint am 14.02.)
  2. 32,99€ (erscheint am 25.01.)
  3. 36,99€
  4. 4,99€

CraWler 04. Nov 2015

Hab mich mit ABI für Ausbildung Fachinformatiker beworben, mit Erfahrung in Linux/Unix...

EWCH 04. Nov 2015

Deutschland ist fuer Fachkraefte zweite Wahl. Extrem hohe Steuern, Abgaben, Gebuehren...

NaruHina 04. Nov 2015

Neulich im Supermarkt ich stehr an der Kasse, habe keinen Einkaufswagen sondern nur...

tunnelblick 04. Nov 2015

zumindest mein gehörapparat ist auf american english konditioniert, daher ist manche...

Trollversteher 04. Nov 2015

Nein, sind es nicht. Natürlich mussten die Flüchtlinge nicht nochmal eine Abiturprüfung...


Folgen Sie uns
       


Mit dem C64 ins Internet - Tutorial

Wir zeigen, wie man den C64 ins Netz bringt.

Mit dem C64 ins Internet - Tutorial Video aufrufen
Elektroauto: Eine Branche vor der Zerreißprobe
Elektroauto
Eine Branche vor der Zerreißprobe

2019 wird ein spannendes Jahr für die Elektromobilität. Politik und Autoindustrie stehen in diesem Jahr vor Entwicklungen, die über die Zukunft bestimmen. Doch noch ist die Richtung unklar.
Eine Analyse von Dirk Kunde

  1. Monowheel Z-One One Die Elektro-Vespa auf einem Rad
  2. 2nd Life Ausgemusterte Bus-Akkus speichern jetzt Solarenergie
  3. Weniger Aufwand Elektroautos sollen in Deutschland 114.000 Jobs kosten

Geforce RTX 2060 im Test: Gute Karte zum gutem Preis mit Speicher-Aber
Geforce RTX 2060 im Test
Gute Karte zum gutem Preis mit Speicher-Aber

Mit der Geforce RTX 2060 hat Nvidia die bisher günstigste Grafikkarte mit Turing-Architektur veröffentlicht. Für 370 Euro erhalten Spieler genug Leistung für 1080p oder 1440p und sogar für Raytracing, bei vollen Schatten- oder Textur-Details wird es aber in seltenen Fällen ruckelig.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Grafikkarte Geforce GTX 1660 Ti soll 1.536 Shader haben
  2. Geforce RTX 2060 Founder's Edition kostet 370 Euro
  3. Turing-Architektur Nvidia stellt schnelle Geforce RTX für Notebooks vor

Padrone angesehen: Eine Mausalternative, die funktioniert
Padrone angesehen
Eine Mausalternative, die funktioniert

CES 2019 Ein Ring soll die Computermaus ersetzen: Am Zeigefinger getragen macht Padrone jede Oberfläche zum Touchpad. Der Prototyp fühlt sich bei der Bedienung überraschend gut an.
Von Tobias Költzsch

  1. Videostreaming Plex will Filme und Serien kostenlos und im Abo anbieten
  2. People Mover Rollende Kisten ohne Fahrer
  3. Solar Cow angesehen Elektrische Kuh gibt Strom statt Milch

    •  /