Kaum einer weiß, was sich hinter den Qualifikationen verbirgt

Die große Herausforderung wird nun sein herauszufinden, welche Qualifikationen die Flüchtlinge haben. Bisher gibt es dazu kaum Daten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat bis Ende August dieses Jahres etwa 105.000 Flüchtlinge nach ihrem Ausbildungstand befragt. Da die Angaben freiwillig sind, sind die Daten nicht repräsentativ. Aussagekräftig sind sie dennoch, weil die Zahl der Befragten so hoch ist. Von ihnen gaben 13 Prozent an, eine Hochschule besucht zu haben. 17,5 Prozent waren auf einem Gymnasium, weitere 54 Prozent haben eine Mittel- oder Grundschule besucht. Nur etwa acht Prozent haben gar keine Schule besucht. Allerdings gibt es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen. Gerade Syrer scheinen besonders gut gebildet zu sein: Jeder vierte hat eine Hochschule besucht, noch einmal so viele waren zumindest auf dem Gymnasium.

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Dennoch geben auch diese Zahlen nur eine generelle Orientierung über den Bildungsstand. Sie sagen nichts drüber aus, wie viele Flüchtlinge mit IT-Qualifikationen kommen. Im vergangenen Jahr wurden Teilnehmer des EU-geförderten XENOS-Programmes, das Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive in den Arbeitsmarkt integrieren will, zu ihrer Ausbildung und ihren Arbeitswünschen in Deutschland befragt. Auch diese Studie ist nur sehr bedingt aussagekräftig, da sie nur Flüchtlinge befragt, die bis 2012 nach Deutschland eingereist sind. Von den Befragten gaben nur 1,8 Prozent an, in einem IT-Kernberuf arbeiten zu wollen. Anka Wittenberg, Leiterin Vielfalt und Inklusion bei der SAP, sagt, es sei unklar, was diese Zahl bedeutet: "Es ist möglich, dass einige der Flüchtlinge noch nicht wissen, welche Wachstumsmöglichkeiten der IT-Bereich in Deutschland bietet."

Doch selbst wenn mehr Flüchtlinge IT-Qualifikationen mitbringen sollten als bisher angenommen, hören die Schwierigkeiten dort nicht auf. Oft ist es für Unternehmen fast unmöglich einzuschätzen, was genau sich hinter einem ausländischen Abschluss verbirgt. Zwar gibt es die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) des Bundes mit ihren Vertretungen in den Bundesländern, die die Vergleichbarkeit ausländischer Zeugnisse bewertet, doch auf die jetzige Situation sei man kaum vorbereitet, sagt Stephan Pfisterer von Bitkom. "Das bestehende System wurde für wenige Tausend Fälle im Jahr aufgebaut."

Ende September haben sich Bund und Länder darauf geeinigt, die Anerkennungsstellen besser auszustatten: Pro Bundesland soll eine weitere Stelle geschaffen werden. Viel zu wenig, um den vielen Flüchtlingen gerecht zu werden, sagt Pfisterer. "Da muss man sicherlich noch stärker investieren." Hinzu komme, dass die Anerkennung von Flüchtlingen die Behörden vor ganz neue Probleme stelle. Bisher habe man es vor allem mit Anträgen von gut Qualifizierten zu tun gehabt, die ihre Papiere schon aus dem Ausland eingereicht hätten: "Jetzt kommen viele Flüchtlinge mit Smartphone, Wasserflasche und wenigen Kleidungsstücken. Aktenordner haben sie in der Regel nicht dabei, manchmal gibt es die Institution, die den Abschluss verliehen hat, gar nicht mehr." Er fordert deshalb mehr Wege, um Qualifikationen auch in der Praxis testen zu lassen.

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Doch nicht alle Unternehmen der Branche wollen warten, bis die Politik sich auf einen Weg einigt. Einige denken deshalb jetzt schon über eigene Lösungen nach. Die Telekom bietet über die Online-Plattform workeer.de Praktikumsplätze für Flüchtlinge an. Einziges Problem: Für fast jeden Platz werden mindestens "gute" Deutschkenntnisse verlangt. Auch der Softwarehersteller SAP hat angekündigt, in den kommenden Monaten 100 Praktikumsplätze für Flüchtlinge schaffen zu wollen. Die interne Nachfrage sei groß, erzählt Anka Wittenberg: "Ich habe das Programm in einem Rundschreiben angekündigt. Schon nach 24 Stunden hatte ich 75 Angebote von Teams, die Praktikanten aufnehmen und integrieren wollen." Mittlerweile seien schon über 100 Angebote eingetroffen.

Zusammen mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim will das Unternehmen außerdem zehn Plätze im dualen Studium für das Fach Internationale Wirtschaftsinformatik anbieten. Man sei darauf vorbereitet, dass der Aufwand steigen werde, um die Qualifikationen einzuschätzen, sagt Anka Wittenberg. "Da oft Nachweise fehlen, werden wir das Interview direkt mit der Fachabteilung führen. Diese kann dann bereits im Gespräch oder mit Übungen die Qualifikation validieren."

Dass es in der Branche generell große Bereitschaft gebe, selbst aktiv zu werden, glaubt auch Pfisterer vom Bitkom. Doch gerade für kleinere Unternehmen sei es schwierig, Programme firmen- oder standortübergreifend aufzusetzen, viele Qualifikationen seien dafür zu spezifisch. Größeres Potenzial gebe es in einem anderen Bereich: bei den Sprachqualifikationen. Denn auch wenn ein Großteil des Fachvokabulars aus dem Englischen kommt, ist Deutsch für die Arbeit im Team und beim Kundenkontakt noch immer unerlässlich.

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 Fehlende Fachkräfte: Flüchtlinge sind eine Chance für die IT-BrancheBundesagentur für Arbeit will nun auch Sprachkurse für Flüchtlinge anbieten 
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CraWler 04. Nov 2015

Hab mich mit ABI für Ausbildung Fachinformatiker beworben, mit Erfahrung in Linux/Unix...

EWCH 04. Nov 2015

Deutschland ist fuer Fachkraefte zweite Wahl. Extrem hohe Steuern, Abgaben, Gebuehren...

NaruHina 04. Nov 2015

Neulich im Supermarkt ich stehr an der Kasse, habe keinen Einkaufswagen sondern nur...

tunnelblick 04. Nov 2015

zumindest mein gehörapparat ist auf american english konditioniert, daher ist manche...

Trollversteher 04. Nov 2015

Nein, sind es nicht. Natürlich mussten die Flüchtlinge nicht nochmal eine Abiturprüfung...



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