FBI und BKA: Mit gefälschtem Messenger gegen das organisierte Verbrechen

Das FBI hat über 18 Monate eine vermeintlich sichere Plattform für Kriminelle betrieben. Nun wurden etliche verhaftet - auch in Deutschland.

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Die Polizei hat etliche Gebäude durchsucht und Verdächtige festgenommen.
Die Polizei hat etliche Gebäude durchsucht und Verdächtige festgenommen. (Bild: planet_fox/Pixabay)

Über 18 Monate hinweg hat das FBI eine vermeintlich sichere Kommunikationsplattform betrieben, die sich an Kriminelle richtete. Doch ein internationaler Zusammenschluss von Ermittlungsbehörden konnte alle Nachrichten, die über die Plattform gesendet wurden, mitlesen. Nun holten die Ermittler zum Schlag aus und verhafteten 800 Kriminelle, davon mehr als 70 in Deutschland.

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Ziel der Operation sei es gewesen, das international organisierte Verbrechen, den Drogenhandel und die Geldwäsche ins Visier zu nehmen - unabhängig vom Ort, an dem sie operieren, schreibt Europol. Dazu habe das FBI im Jahr 2019 Anom entwickelt, eine vermeintlich sichere Kommunikationsplattform mit verschlüsselten Endgeräten, einem Zwangspasswort und Remote-Wipe, also dem Löschen der Daten auf dem jeweiligen Gerät aus der Ferne.

Insgesamt habe man 12.000 solcher Geräte an über 300 kriminelle Syndikate in mehr als 100 Ländern ausgeliefert, heißt es in einer Pressemitteilung von Europol. Darunter die italienische Mafia, Motorradgangs sowie internationale Drogenhandel-Organisationen. Insgesamt seien 27 Millionen Nachrichten abgehört worden.

700 Hausdurchsuchungen und mehr als 800 Festnahmen

Eine internationale Koalition aus Ermittlungsbehörden, an der auch deutsche und österreichische Polizeibehörden beteiligt waren, wertete gemeinsam mit dem FBI sowie Unterstützung von Europol und der US Drug Enforcement Administration (DEA) die Nachrichten über 18 Monate aus, während die Kriminellen die Plattform weiter verwendeten. In den vergangen Tagen sei dann eine großangelegte Strafverfolgungsaktion durchgeführt worden, teilte Europol mit. Insgesamt wurden mehr als 700 Hausdurchsuchungen mit mehr als 800 Festnahmen in 16 Ländern durchgeführt.

Dabei wurden über 8 Tonnen Kokain, 22 Tonnen Cannabis, 2 Tonnen synthetische Drogen (Amphetamin und Methamphetamin), 6 Tonnen synthetische Drogenausgangsstoffe, 250 Schusswaffen, 55 Luxusfahrzeuge und über 48 Millionen US-Dollar in verschiedenen Währungen und Kryptowährungen beschlagnahmt. In den kommenden Wochen sei mit weiteren Verfahren zu rechnen, kündigte Europol an und wertete die Greenlight/Trojan Shield genannte Operation als Erfolg, welche aufgrund "der Qualität der gesammelten Informationen" tiefe Einblicke in die Organisierte Kriminalität in Europa ermögliche.

Nach Encrochat- und Sky-ECC-Hack wechselten Kriminelle zu Anom

Im vergangen Jahr hatten Polizeibehörden aus Frankreich und den Niederlanden in Kooperation mit Europol und Eurojust den verschlüsselten Messenger Encrochat gehackt. Europol begründete den Hack "mit einem sehr hohen Anteil an Nutzern, die vermutlich an kriminellen Aktivitäten beteiligt waren". Im März wurde zudem der Dienst Sky ECC gehackt. Auch dieser soll nach Polizeiangaben vornehmlich von Kriminellen genutzt worden sein. Viele der Nutzer seien in Folge der Hacks auf die vermeintlich sichere Plattform Anom gewechselt und hätten hier überwacht werden können, teilte Europol mit.

Internet of Crimes: Warum wir alle Angst vor Hackern haben sollten (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Sowohl der Hack durch die Polizeibehörden als auch die Auswertung der Daten - auch durch das Bundeskriminalamt (BKA) - sind umstritten. "Die Beteiligung von Nutzern mit kriminellem Hintergrund darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es immer auch Personen gibt, die den Dienst in legaler Absicht nutzen", betonte Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar. Dies sei beim Zugriff auf individuelle Datensätze, aber auch bereits bei der Infiltration eines solchen Dienstes durch den Einsatz entsprechender Software unbedingt zu beachten.

Auch Festnahmen in Deutschland

In Deutschland seien am Montag 150 Objekte durchsucht und mehr als 70 Personen festgenommen worden, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) mit. Die Betroffenen stünden im Verdacht, "unter Nutzung von verschlüsselten Kommunikationsnetzwerken und Endgeräten schwerste Straftaten im Bereich der Organisierten Kriminalität begangen zu haben." Darunter insbesondere der Handel mit Drogen und Waffen.

Der Schwerpunkt der Maßnahmen habe mit über 60 Festnahmen in Hessen gelegen, so das BKA. Dabei konnten allein in Hessen "mehr als 120 kg Marihuana, 25 kg Haschisch und über 6.000 Cannabis-Pflanzen, 3 kg Heroin, ca. 1 kg Kokain und 100 kg Streckmittel, über 30 kg Amphetamin und 15 Kanister Amphetaminbase sowie über 20 Waffen und mehrere Schusswaffen sichergestellt werden." Zudem seien über 30 hochwertige Fahrzeuge und Bargeld in Höhe von 250.000 Euro beschlagnahmt worden. Auch hätten über 70 IT-Geräte sichergestellt werden können, die nun digital-forensisch ausgewertet würden.

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    Von Hanno Böck

xUser 10:45 / Themenstart

Hier wird aber nicht mehr überwacht, sondern aufgrund der Beweise direkt ein Verfahren...

Incognito 09. Jun 2021 / Themenstart

Das ist schlichtweg falsch. Ein Gericht kann nicht nur, sondern muss die Seriösität der...

StaTiC2206 09. Jun 2021 / Themenstart

hätten sie mal besser eigenen IT-Leute beschäftigt. Aber warum sollte es Kriminellen auch...

Norcoen 09. Jun 2021 / Themenstart

Probiers aus, dank Corona Hygieneregeln aktuell ein leichtes: AK-47 bestellen, mit Monero...

Niaxa 09. Jun 2021 / Themenstart

Dir muss schon klar sein, dass ich bei so einer Aktion irgendwann gezwungen bin...

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