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Fast 8.000 Fälle: FBI kann jedes zweite Gerät nicht mehr knacken

FBI-Chef Christopher Wray mahnt, dass starke Verschlüsselung auf elektronischen Geräten mittlerweile eine "dringende Angelegenheit für die öffentliche Sicherheit" darstelle. Hintertüren will er nicht, erhofft sich von der Industrie aber eine "verantwortungsvolle Lösung".

Artikel veröffentlicht am , Stefan Krempl
Die Entsperrung von Smartphones stellt für Ermittler oft eine unüberwindbare Hürde dar.
Die Entsperrung von Smartphones stellt für Ermittler oft eine unüberwindbare Hürde dar. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Das Going-Dark-Problem, wonach Strafverfolger aufgrund zunehmender Verschlüsselung im Internetzeitalter "blind" werden, beschäftigt Ermittlungsbehörden laut FBI-Direktor Christopher Wray mehr und mehr. Im Geschäftsjahr 2017, das im September endete, hätten sich die in den USA tätigen Fahnder keinen Zugang zum Inhalt von 7.775 Geräten verschaffen können, beklagte der im August ins Amt gekommene Behördenleiter am Dienstag auf der International Conference on Cyber Security (ICCS) in New York. Dabei hätten die Polizisten prinzipiell die rechtliche Befugnis gehabt, die entsprechenden Smartphones zu inspizieren. Auch an den technischen Werkzeugen etwa für Handydurchsuchungen mangele es den Beamten nicht.

Keine Details zu Geräten und Betriebssystemen

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Details zur Art der Geräte und der darauf laufenden Betriebssysteme nannte Wray nicht. Er fügte nur an, dass es sich bei der Zahl "um mehr als die Hälfte aller Geräte" gehandelt habe, auf die das FBI zugreifen wollte. Insgesamt dürfte die Behörde also ein Augenmerk auf über 15.000 Mobiltelefone, Tablets oder Laptops gerichtet haben. Das Onlinemagazin ZDnet hat nach eigenen Angaben schon im Oktober eine Informationsfreiheitsanfrage an das FBI gestellt, um genauere Zahlen zu bekommen, wartet aber noch immer auf eine aussagekräftige Antwort.

Bei jedem der rund 7.800 Ausfälle aus Ermittlersicht ging es laut Wray um ganz spezifische Opfer, Verdächtige und Bedrohungen. Untersuchungen rund um das gesamte Spektrum der Behörde seien behindert worden, etwa in den Bereichen Menschenhandel, Terrorismus, organisierte Kriminalität und Cybercrime. Kryptographische Systeme, bei denen auch der Hersteller keinen Zugriff auf die Daten hat, entwickelten sich so zu einer "dringenden Angelegenheit für die öffentliche Sicherheit". Der Jurist unterstrich, dass ihm und seinen Leuten nicht an Massenüberwachung gelegen sei, sondern nur an Fällen mit konkretem Verdacht. Schwierigkeiten beim Abhören verschlüsselter Messenger-Kommunikation seien noch gar nicht eingerechnet.

"Verantwortungsvolle Lösung" angemahnt

Im Austausch mit anderen "führenden Strafverfolgungsorganisationen und mit seinen ausländischen Pendants in den meisten Ländern" komme das Thema "typischerweise in den ersten 30 Minuten hoch", berichtete Wray. Das FBI unterstütze generell Maßnahmen für die Informationssicherheit einschließlich starker Verschlüsselung, meinte er. Entsprechende Programme müssten aber "durchdacht entwickelt werden, damit sie nicht die rechtmäßigen Instrumente untergraben, die wir brauchen, um das Land sicher zu halten". Er wolle keine Hintertür im Sinne eines geheimen, unsicheren Datenzugriffs. Die Regierung müsse zusammen mit dem Technologiesektor aber rasch eine "verantwortungsvolle Lösung" finden, bei der Rechtmäßigkeit und Innovationen zusammenspielten. Die Privatwirtschaft dürfe nicht länger denken, dass der gegenwärtige Zustand akzeptabel sei.

Zuvor hatte der Stellvertreter von US-Justizminister Jeff Sessions, Rod Rosenstein, schon die Parole ausgegeben: "Verantwortungsvolle Verschlüsselung ist möglich." Konzerne wie Apple, Google, Facebook oder Twitter müssen ihm zufolge einen Zugang zur gewünschten Kommunikation im Klartext mit einem Richterbeschluss ermöglichen. Als Vorbild könne etwa das "zentrale Management von Sicherheitsschlüsseln und von Updates für Betriebssysteme" dienen. Der händeringend gesuchte Stein der Weisen, bei dem auch der Datenschutz nicht für alle Nutzer völlig ausgehebelt wird, scheint aber auch mit solchen Ansätzen noch nicht gefunden zu sein.

Experten der Harvard-Universität hatten vor zwei Jahren in einer Analyse erklärt, dass das Going-Dark-Problem stark übertrieben werde. Allein vernetzte Sensoren und das Internet der Dinge brächten eine Flut an Bilder-, Video- und Audiodaten mit sich, die sich häufig in Echtzeit überwachen ließen.



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