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Sind die Beschäftigten in Deutschland zu häufig krank?

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts(öffnet im neuen Fenster) waren die Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2024 durchschnittlich 14,8 Tage krankgemeldet.

Eine Auswertung von Daten des Dachverbands der Betriebskrankenkassen durch den Bayerischen Rundfunk zeigt(öffnet im neuen Fenster) , welche Branchen besonders viele Ausfalltage haben und woran die Beschäftigten leiden.

Die genannten Berufsgruppen entsprechen den 14 Berufssegmenten der Arbeitsagentur. Menschen in Reinigungsberufen fielen 2024 im Schnitt 31,4 Tage aus. Die geringsten Ausfälle gab es mit jeweils 16,1 Tagen in Berufen der Unternehmensführung und -organisation sowie in IT und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen.

In dem zuletzt genannten Berufssegment waren die Beschäftigten 2,6 Tage wegen Muskel- und Skelett-System-, 2,9 Tage wegen psychischer Störungen und 4 Tage aufgrund Erkrankungen der Atemwege krankgeschrieben. 6,7 Tage betrafen andere Krankheiten.

Atemwegs- und psychische Erkrankungen sowie Muskel-Skelett-Probleme sind laut DAK die häufigsten Krankheitsursachen in genannter Reihenfolge. Nach Angaben der DAK waren die Versicherten dieser Krankenkasse im vergangenen Jahr im Schnitt 19,5 Tage krankgeschrieben.

2024 lag die durchschnittliche Zahl der Fehltage bei 19,7. Die DAK-Daten wie auch die der Betriebskrankenkassen beziehen sich auf Kalendertage, die des Statistischen Bundesamts auf Werktage. Daher die Unterschiede.

In Deutschland muss man sich spätestens am 4. Tag von einem Arzt krankschreiben lassen. Der Arbeitgeber kann diese Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung aber auch schon ab dem ersten Tag verlangen. Die reine Benachrichtigung an den Arbeitgeber muss am ersten Tag erfolgen. Bei den Berechnungen der Krankheitstage wird nicht erfasst, wenn Beschäftigte einen oder zwei Tage ohne Krankschreibung fehlen.

Im Falle einer Krankheit besteht in Deutschland ein Anspruch auf Lohnfortzahlung in voller Höhe durch den Arbeitgeber. In der Regel gilt das für maximal sechs Wochen pro Jahr. Danach zahlen die Krankenkassen Krankengeld.

In vielen anderen Ländern gibt es unterschiedliche Formen der Krankschreibung. Sie unterscheiden sich deutlich von der deutschen Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und der Dauer der Lohnfortzahlung. Ein internationaler Vergleich ist daher wenig sinnvoll.

Lässt sich der Krankenstand senken?

Krank sein kostet die Arbeitgeber sehr viel Geld: Im Jahr 2024 waren es nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft(öffnet im neuen Fenster) 82 Milliarden Euro. Diese Kosten will Merz senken.

Nach Ansicht des Bundeskanzlers lädt insbesondere die telefonische Krankschreibung zu Missbrauch ein. Merz fordert deren Abschaffung. Die telefonische Krankschreibung wurde während der Coronapandemie im Jahr 2021 eingeführt.

Krankschreibungen per Telefon sind jedoch nicht ursächlich für den Anstieg der Arbeitsunfähigkeitsfälle, denn deren Bedeutung ist mit einem Anteil zwischen 0,8 Prozent und 1,2 Prozent in den Jahren 2021 bis 2023 an allen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sehr gering. Zu dieser Erkenntnis kommt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in einer Analyse.

Mit Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts lässt sich der deutliche Anstieg des Krankenstands um 3,6 Arbeitstage im Vergleich zu 2021 daher nicht mit der telefonischen Krankschreibung erklären. Diese Zunahme dürfte nach Einschätzung des Bundesamts unter anderem auf die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung Anfang 2022 zurückzuführen sein.

Seither werden alle Krankschreibungen lückenlos erfasst. Das war vorher nicht der Fall.

Krankentage sinken und steigen. 2023 waren es 15,1 Tage, 2007 8,1 Tage und 1991 12,7 Tage. Laut Statistikamt liegt das insbesondere an der Konjunktur: In Schwächephasen gehen die Krankmeldungen zurück, aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. Diesem Trend folgend, dürften sie in diesem Jahr abermals sinken. Von ganz allein.

Merz muss nicht eingreifen. Es wäre ein Bärendienst vom Bundeskanzler.


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