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Twitter-Ultimatum: Vogel, friss oder stirb!

Twitter hat Details zu dem von Elon Musk gestellten Ultimatum genannt. Offenbar wollen viele Mitarbeiter nicht unterzeichnen.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Friedhelm Greis
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Twitter-Zentrale in San Francisco (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Twitter-Zentrale in San Francisco Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Der Kurznachrichtendienst Twitter will künftig keine Mitarbeiter mehr beschäftigen, die nicht aktiv die Forderungen des neuen Eigentümers Elon Musk akzeptieren. Das geht nach Angaben des US-Portals The Verge(öffnet im neuen Fenster) aus einer erläuternden E-Mail hervor, die das Unternehmen am 17. November 2022 an seine Mitarbeiter verschickt hat.

Wenn jemand das entsprechende Formular nicht mit "Ja" beantworte, werde Twitter das als Kündigung betrachten. Die Antwortfrist endet um 17 Uhr Ostküstenzeit (23 MEZ). "Dies ist kein Phishing-Versuch" , heiße es zu Beginn der FAQ.

Musk hatte den Mitarbeitern am Mittwoch in einer Mail das Ultimatum gestellt . Twitter müsse künftig "extreme hardcore" sein. "Das bedeutet lange Arbeitszeiten mit hoher Intensität. Nur außergewöhnliche Leistungen reichen aus" , schrieb Musk.

Zwei Monate Lohn, ein Monat Abfindung

Für bereits beurlaubte Mitarbeiter könne es eine Ausnahme geben, heißt es nun in den FAQ. Aber für alle anderen sei ihre Entscheidung endgültig und sie könnten keinen Aufschub bekommen. Sei für einen Mitarbeiter schon Elternzeit geplant, werde diese Zeit unter Beachtung der gültigen Gesetze auf das Trennungsdatum gekürzt.

Die meisten US-Beschäftigten, die nicht auf "Ja" klicken, erhalten dem Bericht zufolge zwei Monate Lohnfortzahlung mit Sozialleistungen sowie einen Monat Abfindung, wenn sie eine geplante Trennungsvereinbarung unterzeichnen. Dem Dokument zufolge soll die Vereinbarung "in den kommenden Wochen" verbreitet werden. Beschäftigte, die den Bedingungen der Vereinbarung nicht zustimmten, verlören die einmonatige Zusatzvergütung.

Die Mitarbeiter, die bei Twitter bleiben wollen, müssen den FAQ zufolge alles tun, um "auf höchstem Niveau" zu arbeiten. In einem Abschnitt über die Arbeitsweise von Twitter heißt es, dass die Mitarbeiter in einem Büro anwesend sein müssen, wobei Ausnahmen von Fall zu Fall geprüft würden. Es könne erforderlich sein, außerhalb der Bürozeiten zu arbeiten, auch an Wochenenden.

Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, sagte The Verge: "Ich habe das Gefühl, dass Musk die Mitarbeiter zwingt, diese Entscheidung in blindem Vertrauen zu treffen, aber er hat nichts getan, um unser Vertrauen zu gewinnen. Wenn wir bleiben, gibt es keine Garantie, dass unsere Arbeitsplätze sicher sind oder dass unsere Teams weiter bestehen, wenn alle gehen."

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Musk hat in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, dass er ebenso wie in seinen anderen Unternehmen auch bei Twitter keinen Widerspruch dulden wird. Ein Entwickler, der ihm auf Twitter widersprochen hatte , wurde umgehend gefeuert.

Musk will "bald" einen Nachfolger finden

In einer Anhörung zu einem Gerichtsverfahren erklärte Musk am Mittwoch jedoch, nicht dauerhaft Twitter als CEO leiten zu wollen. "Ich gehe davon aus, dass ich meine Zeit bei Twitter reduziere und bald jemand anderen finde, der Twitter leitet" , sagte er. Dabei geht er dem Wall Street Journal (Paywall) zufolge(öffnet im neuen Fenster) davon aus, dass die "fundamentale organisatorische Umstrukturierung" bald abgeschlossen sein werde.

Ein Mitglied des Tesla-Verwaltungsrates sagte in der derselben Anhörung, dass Musk bereits einen möglichen Nachfolger für sich an der Spitze von Tesla ins Spiel gebracht habe. In der Vergangenheit gab es schon häufiger Spekulationen, dass Musk die Führung bei Tesla abgeben könnte. Jedoch hat er dies bislang noch nicht umgesetzt. In einem Interview mit der New York Times sagte er im August 2018 ironisch: "Wenn Sie jemanden kennen, der den Job besser machen kann, lassen Sie es mich wissen. Die können den Job haben. Ist da jemand, der den Job besser machen kann? Die können die Zügel gleich übernehmen."

Nachtrag vom 18. November 2022, 8:05 Uhr

Medienberichten zufolge (öffnet im neuen Fenster) haben viele Mitarbeiter sich geweigert, das Ultimatum zu unterzeichnen. Hunderte der noch von der ersten Entlassungswelle verschonten Mitarbeiter ließen demnach die für Donnerstagabend gesetzte Frist verstreichen. Das Unternehmen schloss daraufhin die Büros vorläufig bis zum kommenden Montag für seine Mitarbeiter.

Es gebe Befürchtungen, dass der komplette Dienst bei Problemen zusammenbrechen könnte. Viele Entwickler, die für das Beheben von Softwarefehlern oder das Verhindern von Serverausfällen zuständig seien, hätten ebenfalls gekündigt.

Nachdem Musk festgestellt habe, dass mehr Mitarbeiter als erwartet seine Forderungen nicht erfüllen wollten, sei er zu Zugeständnissen bereit gewesen, berichtete der Guardian. So solle die Anwesenheitspflicht in den Büros nicht für Mitarbeiter gelten, deren Vorgesetzten ihnen bescheinigten, "exzellente" Arbeit zu leisten.


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