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Falsche Wartezeiten: Bräustüberl versus Google

Gäste loben bei den Google-Bewertungen die schnelle Bedienung im Bräustüberl Tegernsee - trotzdem gab Google teils lange Wartezeiten an. In dem Fall, der nun vor Gericht verhandelt wird, geht es aber auch um eine grundsätzliche Rechtsfrage.

Artikel veröffentlicht am , / dpa
Die Wirtsleute des Bräustüberl Tegernsee
Die Wirtsleute des Bräustüberl Tegernsee (Bild: Bräustüberl)

Der Wirt des Herzoglichen Bräustüberl am bayerischen Tegernsee verklagt Google. Grund sind Angaben zu angeblichen Wartezeiten auf Google. Auch wenn die Gaststätte gut besucht ist, müssten die Gäste nicht warten, erklärt der Wirt Peter Hubert. Laut Google waren es hingegen oft 15 Minuten, an Wochenenden sogar auch mal 90 Minuten. Dabei lobten Gäste an gleicher Stelle im Internet bei den Bewertungen eine "schnelle Bedienung" und "Top Service".

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Google hatte die Angaben im Juli zwar aus dem Netz genommen. Laut Huberts Anwalt Thomas Glückstein hat das Unternehmen aber keine Unterlassungserklärung abgegeben. Am Mittwoch, dem 28. August 2019, ist nun vor dem Landgericht München I die Verhandlung angesetzt.

Auch wenn Google die Angaben gelöscht habe, sei das Problem nicht gelöst, sagt Glückstein. "Der bloße Umstand, dass eine Rechtsverletzung beendet wird, räumt die sogenannte Wiederholungsgefahr nicht aus", erklärt Glückstein. Die falschen Angaben seien derzeit zwar entfernt, aber Google könne diese jederzeit wieder veröffentlichen.

Laut Hubert hatte ein Google-Mitarbeiter auf einen Algorithmus verwiesen, der weltweit gleich sei. Gäste, die sich vor dem Besuch des Bräustüberls im Internet informierten, könnten die Wartezeitangaben abschrecken. Hubert war verärgert: "Sie erfahren nicht, dass das aufgeschaltet wurde, Sie bekommen nicht gesagt, warum das aufgeschaltet wurde. Sie können nicht sagen, dass Sie das nicht möchten - und wenn es falsch ist, können Sie es nicht korrigieren." Google verwies dagegen auf einen Link, unter dem Unternehmen eine Rückmeldung übermitteln könnten. Die geschätzten Wartezeiten würden auf anonymen Daten von Personen basieren, die in der Vergangenheit das betreffende Restaurant besucht hätten, ähnlich wie bei den Funktionen Stoßzeiten und Besuchsdauer, erklärt Google.

Googles Firewall

Der Streit dauert bereits seit 2017 an, damals hatten Gäste den Wirt auf die irreführenden Angaben bei Google aufmerksam gemacht. Neben den Wartezeiten geht es dabei jedoch auch um eine grundsätzliche Rechtsfrage: Kann eine Klage gegen einen US-Konzern auch bei dessen Tochtergesellschaft in Deutschland zugestellt werden?

Die Zustellung der Klage an Google in Hamburg habe Google nicht akzeptiert und stattdessen auf seinen Sitz in den USA verwiesen, sagt Glückstein. Aber Auslandszustellungen seien aufwendig und teuer. Der normale Verbraucher, der gegen Google vorgehen wolle, könne sich allein schon deshalb eine solche Klage meist nicht leisten, sagt Glückstein. Es sei "wie eine Firewall, mit der Google sich gegen Klagen abschottet". Deshalb gehe es hier um eine grundsätzliche Frage.

Kommt das Gericht zu dem Schluss, dass die Klage nicht wirksam zugestellt wurde, müsste das Bräustüberl dazu die nächste Instanz anrufen. Sieht das Gericht hingegen die Klage als zugestellt an und es erscheint kein Vertreter von Google, würde das Gericht nur aufgrund der Angaben des Bräustüberls entscheiden - wahrscheinlich mit besseren Chancen für die Gaststätte.

Automatisierte Probleme

An kuriosen Fehlern mangelt es Googles Kartendienst nicht: Beispielsweise interpretierte Google ÖPNV-Daten falsch und erfand kurzerhand eine neue U-Bahn-Linie in Berlin. Aus Sandsteinfelsen in der Sächsischen Schweiz machte der Algorithmus Hochhäuser - mitten im Naturschutzgebiet.

Google bindet zudem ungeprüft Daten und Dienste von externen Anbietern ein. Bereits im April konnten wir zeigen, wie einfach und vollautomatisiert wir für Restaurants, Kneipen, das Bundeskanzleramt und unsere Redaktion einen Tisch-Reservierungs-Dienst registrieren konnten, der automatisch in Google integriert wurde. "Freie Tische morgen" und "Tisch reservieren" stand in großen, weißen Lettern auf den Buttons, direkt unter dem Namen der jeweiligen Lokalität.

Nachtrag vom 28. August 2019, 9:15 Uhr

Der Rechtsstreit zwischen dem Bräustüberl und Google ist beigelegt. Die Verhandlung vor dem Landgericht München sei abgesagt, teilte Wirt Peter Hubert am Abend des 27. August 2019 mit. Google habe den Unterlassungsanspruch anerkannt und um Aufhebung des Termins gebeten - und sei damit einem Rechtsstreit aus dem Weg gegangen. "Das Bräustüberl hat gewonnen!", teilte die Gaststätte mit.

Ein Google-Sprecher bestätigte die Absage des Termins. "Wir haben die Funktion Wartezeiten ja bereits im Juli wunschgemäß für das Restaurant am Tegernsee gesperrt. Ebenso haben wir die Forderung anerkannt, die Funktion gesperrt zu lassen." Dem Wirt stehe es aber frei, die Wartezeitenangaben in Zukunft wieder freischalten zu lassen.

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flyhigh79 28. Aug 2019

Da hast du dich von einem faulen Cop abwimmeln lassen. Bestimmt ein AfD-Wähler, dazu...

chefin 28. Aug 2019

Naja...hier gehts um Zivilrecht und nicht Strafrecht. Macht zwar deine Aussage nicht...

crazypsycho 27. Aug 2019

So egal ist das nicht. Macht einen ziemlichen Unterschied ob ich 30min auf den Tisch...

ibsi 27. Aug 2019

Nur als Vergleich. Bei Amazon bewerte ich Marktplacehändler genau so: Wenn es kein...

User_x 27. Aug 2019

Und Werbung als "Positive Lüge" ist auch nicht besser...


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