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Fallout 4 im Technik-Test: Endzeit-Evolution entdeckt

Nur noch Current-Gen und PC statt alter Konsolen: Fallout 4 sieht deutlich besser aus als sein Vorgänger und ist hübscher als Skyrim. Beleuchtung und Figuren wirken glaubwürdiger, die nicht gekennzeichneten Nvidia -Effekte sind aber ärgerlich.
/ Marc Sauter
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Fallout 4 basiert auf der Creation-Engine. (Bild: Marc Sauter/Golem.de)
Fallout 4 basiert auf der Creation-Engine. Bild: Marc Sauter/Golem.de

Der Blick in den virtuellen Spiegel bestätigt unseren ersten Eindruck: Bethesda Softworks ist es bei Fallout 4 erstmals gelungen, Gesichter zu programmieren, die nicht aufgedunsen und künstlich aussehen. Der Charakter-Editor des neuen Rollenspiels lässt Spieler nicht nur Versatzstücke wie Nase oder Ohren zusammenfügen, sondern weitgehend realistische Gesichter entwerfen. Einzig die statischen und grob modellierten Haare erinnern uns häufig an die Grafik der letzten Konsolengeneration – an Fallout 3, an Skyrim.

Fallout 4 hingegen erscheint exklusiv für die Playstation 4, die Xbox One und Windows-PCs. Folgerichtig musste Bethesda keine Rücksicht mehr auf eine geringere Rechenleistung oder sehr wenig Haupt- sowie Videospeicher nehmen. Bleiben wir bei den Gesichtern: Deren Hauttextur ist viel hochauflösender als bei bisherigen Spielen mit der Gamebryo- oder Creation-Engine, wie die Entwickler die modifizierte Technik nennen. Endlich haben längst etablierte Render-Methoden wie Volumenstreuung (Subsurface Scattering) Einzug in die Engine gehalten: Die menschliche Haut ist transluzent, verschluckt also einen Teil des Lichts und reflektiert einen anderen erst nach ein paar Schichten.

Fallout 4 – Fazit
Fallout 4 – Fazit (03:06)

Generell war Beleuchtung für Bethesda ein Thema: Ein Deferred- ersetzt den Forward-Renderer, was mehr Lichtquellen und glaubwürdigere Schatten ermöglicht. Zudem hat das Studio sogenanntes Physically Based Shading (PBR) implementiert, wodurch Oberflächen wie Holz und Metall realistischer aussehen sollen. Wir hätten uns eine generell höhere Texturauflösung gewünscht, damit die Materialeigenschaften besser zur Geltung kommen.

Viel zu oft zeigt Fallout 4 matschige Pixeltapeten und trotz PBR-Ansatz erscheinen die Oberflächen etwas künstlich – eventuell ist das aber gewollt. Die verbesserte Beleuchtung zeigt sich vor allem in Außengebieten, da Bethesda erstmals eine Umgebungslichtverdeckung (Screen Space Ambient Occlusion) verwendet, die etwa Grasbüschel verschattet und so plastischer macht.

Etwas kurios wirken allerdings Spiegelungen in Pfützen, die alle gleich aussehen und bei Tag wie bei Nacht die gleiche Reflexion zeigen – nie aber das, was sich eigentlich darin spiegeln sollte. Dafür gelingt es Bethesda, schöne Lichtstimmungen einzufangen, die durch Sonnenstrahlen (God Rays) gerade in der Dämmerung hübsch anzuschauen sind. Diese und die volumetrische Beleuchtung wurden gemeinsam mit Nvidia integriert und nutzen Tessellation unter Direct3D 11. Die Grafikschnittstelle ist Mindestvoraussetzung für das Rollenspiel, mit einer alten DX10-Karte startet der Titel nicht.

Die Gameworks-Effekte sind versteckt

Die God Rays sind nicht als Nvidia-Gameworks-Effekt gekennzeichnet, aber offensichtlich im Grafikmenü deaktivierbar. Faktisch sind sie aber nur in Kombination mit der volumetrischen Beleuchtung per Ini-Datei abzuschalten. Tipp für AMD-Nutzer: die God Rays eingeschaltet lassen, im Catalyst-Treiber aber die Tessellation-Unterteilung auf Faktor 4x oder 8x statt 64x begrenzen. Nvidia-Spieler können nur die generelle God-Ray-Qualität verringern oder die volumetrische Beleuchtung komplett deaktivieren.

Der entsprechende Eintrag, der in der 'Fallout4Pref.ini' unter 'Documents\My Games\Fallout4' auf 0 gesetzt werden muss, lautet 'bVolumetricLightingEnable'. Den Fallout-4-Benchmarks von Computerbase(öffnet im neuen Fenster) zufolge steigert der vollständige Verzicht auf die volumetrische Beleuchtung die Leistung um rund 40 Prozent. Wird einzig die Qualität der God Rays von "ultra" auf "niedrig" reduziert, erhöht sich die Bildrate um etwa 30 Prozent. Die beiden Gameworks-Effekte benötigen auf Geforce- und Radeon-Grafikkarten ähnlich viel Leistung, AMD-Nutzer werden also nicht benachteiligt.

Die Umstellung auf den Deferred Renderer führt allerdings dazu, dass in Fallout 4 keine Multisampling-Kantenglättung (MSAA) mehr angeboten wird. Stattdessen müssen sich Spieler zwischen dem Postprocessing-Effekt FXAA und einer temporalen Shader-Kantenglättung (Temporal Anti-Anliasing) entscheiden. Letztere beruhigt das Bild stärker in Bewegung, da Informationen vorheriger Frames einberechnet werden, zeichnet die Darstellung aber auch mehr weich. An die Bildruhe und Schärfe von MSAA mit zusätzlicher Transparenzkantenglättung wie in Fallout 3 kommt TAA nicht heran.

Ärgerlich ist das vor allem, weil Fallout 4 deutlich mehr Vegetation rendert und die Umgebung detaillierter darstellt, weshalb viele Inhalte ohne Treiber-Downsampling noch etwas flimmern. Verglichen mit Fallout 3 oder Skyrim lädt das neue Rollenspiel laut Ini-Datei wie gehabt 25 Kacheln rund um die Spielfigur, diese scheinen aber größer zu sein. Der alte Trick, in der Ini-Datei die uGridsToLoad für mehr Kacheln zu erhöhen, klappt auch in Fallout 4. Das Rollenspiel ist der erste 64-Bit-Titel auf Basis der Creation-Engine, bei erhöhter Kachelanzahl stürzt es bei zu viel belegtem Arbeitsspeicher nicht ab wie noch das mit einem LAA-Flag gepatchte Skyrim.

In der Praxis dürften nur der verbaute RAM und der Videospeicher der limitierende Faktor sein. Fallout 4 belegt jedoch selbst in Ultra-HD kaum mehr als 2 GByte Grafikspeicher, was für Nutzer älterer Karten eine wichtige Information ist. Auch die Darstellungsgeschwindigkeit fällt passabel aus: Den Benchmarks der PCGH(öffnet im neuen Fenster) zufolge reicht eine günstige Geforce GTX 750 Ti für 30 fps in 1080p-Auflösung und maximale Details. Diese Karte liegt auf dem Niveau älterer Modelle wie der Geforce GTX 560 Ti oder der Radeon HD 7850 mit 2 GByte Videospeicher. Für 60 Bilder die Sekunde muss es eine Geforce GTX 780 (Ti) oder eine Radeon R9 290(X) sein, für eine passable Darstellung in 4K eine aktuelle High-End-Karte wie die Fury X oder eine GTX 980 Ti.

Ein 64-Bit-Windows ist Pflicht, das Gleiche gilt für einen Prozessor mit vier CPU-Kernen oder zwei mit HT und 8 GByte Arbeitsspeicher. Da Fallout 4 beim Wechsel in Gebäude lädt, empfehlen wir zugunsten kurzer Ladezeiten die Installation des Rollenspiels auf einer SSD statt auf einer Festplatte.


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