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Fair Labor Association: Signifikante Probleme bei Apple-Zulieferer Foxconn

Die unabhängige Untersuchung von drei Fabriken des chinesischen Apple-Zulieferers Foxconn durch die Fair Labor Association hat "signifikante" Probleme aufgezeigt. Apple und Foxconn wollen die Arbeitsbedingungen nun nach Vorgaben der FLA verbessern.
/ Jens Ihlenfeld
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iPad-Fertigung bei Foxconn in China (Bild: ABC Nightline)
iPad-Fertigung bei Foxconn in China Bild: ABC Nightline

Rund 35.500 anonyme Interviews mit Arbeitern des Apple-Zulieferers Foxconn hat die Fair Labor Association (FLA) im Zuge ihrer Untersuchung von drei Foxconn-Fabriken geführt und ihre Mitarbeiter haben selbst rund 3.000 Stunden in den chinesischen Werken in Guanlan, Longhua und Chengdu verbracht. Nach wiederholter Kritik an den Arbeitsbedingungen, mehreren Unfällen mit tödlichem Ausgang und Selbstmorden von chinesischen Arbeitern hatte sich Apple der FLA angeschlossen und die Organisation mit der Überprüfung seines größten Auftragsherstellers Foxconn beauftragt.

Nun legte die FLA auf Basis einer rund einmonatigen Untersuchung einen Bericht vor und zeigt darin signifikante Probleme auf. Demnach gibt es Probleme mit exzessiven Überstunden und deren Bezahlung, Gesundheits- und Sicherheitsrisiken für Arbeiter und kritische Kommunikationsprobleme, die bei Arbeitern zu dem Gefühl geführt haben, unter unsicheren Bedingungen zu arbeiten.

Mehr als 60 Stunden pro Woche

Laut FLA wurde in allen drei untersuchten Werken in den vergangenen zwölf Monaten länger gearbeitet, als dies die FLA-Statuten vorsehen, aber auch länger als in China rechtlich zulässig. Die maximale Arbeitszeit sollte nach Ansicht der FLA bei 60 Stunden pro Woche einschließlich Überstunden liegen. Zulässig sind in China Arbeitszeiten von 40 Stunden pro Woche zuzüglich 36 Überstunden pro Monat.

In Zeiten mit besonders hoher Auftragslage aber hätten die Arbeiter in den drei untersuchten Fabriken im Durchschnitt länger als 60 Stunden pro Woche und Arbeiter gearbeitet. Dabei gab es Zeiten, in denen die Arbeiter an mehr als sieben Tagen hintereinander ohne die vorgeschriebene Auszeit von 24 Stunden arbeiten mussten.

Das gilt aber nicht dauerhaft und nicht für alle Mitarbeiter: Nach ihrer Einschätzung der Arbeitszeiten gefragt, gaben 48 Prozent der Arbeiter an, ihre Arbeitszeiten seien angemessen, 33,8 Prozent würden gern mehr arbeiten, um mehr Geld zu verdienen, und 17,7 Prozent haben das Gefühl, sie arbeiten zu viel.

Arbeitszeit soll verkürzt werden

Foxconn hat sich gegenüber der FLA verpflichtet, seine Werke bis 2013 mit den in China geltenden gesetzlichen Obergrenzen und den FLA-Standards in Einklang zu bringen. Die Arbeitszeit soll auf 49 Stunden pro Woche gesenkt werden, einschließlich Überstunden. Die Zahl der Überstunden soll so von monatlich 80 auf 36 gesenkt werden.

Zudem will Foxconn die Bezahlung verändern, so dass Arbeiter, die künftig weniger Überstunden machen, keine Gehaltseinbußen erleiden. Um die Produktionskapazitäten dabei zu erhalten, will Foxconn die Zahl seiner Mitarbeiter signifikant erhöhen und dafür zusätzliche Unterkünfte und Kantinen bauen.

Unbezahlte Überstunden bei Foxconn

Ein weiteres von der FLA angemahntes Problem betrifft die Bezahlung von Überstunden, denn rund 14 Prozent der Arbeiter wurden für ungeplante Überstunden nicht ausreichend bezahlt. Der Grund: Ungeplante Überstunden werden bislang nur in Blöcken von 30 Minuten bezahlt. Wer nur 29 Minuten länger arbeitete, bekam nichts für die zusätzliche Arbeitszeit, wer 58 Minuten länger arbeitete als geplant, bekam nur 30 Minuten bezahlt.

Foxconn gelobt, seine Mitarbeiter künftig fair für geleistete Überstunden zu entlohnen, auch für arbeitsrelevante Meetings außerhalb der Arbeitszeit. Statt in Blöcken von 30 Minuten soll künftig in Blöcken von 15 Minuten abgerechnet werden. Apple und Foxconn haben darüber hinaus versprochen, die Foxconn-Mitarbeiter auch rückwirkend für ihre unbezahlten Überstunden zu entlohnen.

Das Geld reicht nicht aus

64 Prozent der von der FLA befragten Foxconn-Mitarbeiter beklagten sich darüber, dass ihre Löhne ihre Grundbedürfnisse nicht erfüllen. Daher will die FLA nun Studien zu den Lebenshaltungskosten in Shenzhen und Chengdu durchführen, um Foxconn zu helfen festzustellen, ob die Löhne zur Befriedigung der Grundbedürfnisse ausreichen.

Gesundheits- und Sicherheitsrisiken

Die FLA stellte auch ernsthafte Probleme in den Bereichen Gesundheit und Sicherheit sowie bei der Integration und Kommunikation von Arbeitern, bei der Behandlung von Praktikanten und der korrekten Abrechnung von Sozialabgaben fest. Viele der befragten Arbeiter haben Angst um ihre Gesundheit und Sicherheit, 43 Prozent berichten, schon Unfälle beobachtet zu haben oder selbst darin verwickelt gewesen zu sein. Die Unfälle reichen von Handverletzungen bis hin zu Fahrzeugunfällen.

Foxconn will die Arbeiter bei Fragen von Gesundheit und Sicherheit künftig stärker einbeziehen. Ab sofort müssen Aufseher und Arbeiter sämtliche Unfälle melden, die zu Verletzungen führen. Zudem wurden viele kleine Probleme wie zugestellte Ausgänge, fehlende Schutzkleidung und fehlende Zulassungen, sofort korrigiert.

In Chengdu habe Foxconn die Prozesse, Maßnahmen und Dokumentation zur Verringerung von Risiken ein Jahr nach einer großen Explosion verbessert.

Echte Gewerkschaften

Die Gewerkschaft bei Foxconn wird bisher durch Manager des Unternehmens dominiert, sie stellt nach Ansicht der FLA keine Vertretung der Arbeiter dar. Künftig will Foxconn entsprechend der lokalen Gesetze die Wahl von Arbeitervertretern ohne Einflussnahme des Managements sicherstellen.

Werden die von Foxconn jetzt versprochenen Maßnahmen umgesetzt, bedeute dies eine signifikante Verbesserung der Lebensbedingungen von mehr als 1,2 Millionen Foxconn-Mitarbeitern, so FLA-Chef Auret van Heerden. Ihre Ergebnisse hat die FLA unter fairlabor.org(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht.


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