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Fahrwerksschäden: Repariert Tesla Fehler gegen Schweigeverpflichtung?

Nachdem einige defekte Radaufhängungen bei Tesla-Autos aufgetreten sind, führen ein Blogger und der Elektroautohersteller eine Schlammschlacht. Ein böser Vorwurf lautet, Tesla habe kostenlose Reparaturen durchgeführt, um die Fahrer zum Schweigen zu verpflichten. Die Behörden wollen prüfen.
/ Andreas Donath
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Defekte und stark korrodierte Fahrwerksbauteile des fraglichen Model S (Bild: gpcordaro/Teslamotorclub)
Defekte und stark korrodierte Fahrwerksbauteile des fraglichen Model S Bild: gpcordaro/Teslamotorclub

Viele Kontroversen hat im Forum Tesla Motors Club der Bericht(öffnet im neuen Fenster) eines Tesla-S-Besitzers des Modelljahrgangs 2013 ausgelöst, der damit etwa 113.000 km fuhr. Bei geringer Geschwindigkeit habe auf einmal das Fahrwerk bei einer Bergabfahrt auf schlechter Straße bei maximal erhöhter Luftfederung versagt. Das Traggelenk des linken, oberen Querlenkers vorn sei stark korrodiert gewesen, sei ausgeschlagen und habe eine Strebe beschädigt. Tesla habe zwar ausgetauscht, aber nicht aus Kulanz(öffnet im neuen Fenster) , sondern nur gegen 50 Prozent Kostenbeteiligung(öffnet im neuen Fenster) : Das Fahrzeug befand sich nicht mehr in der Garantie. Traggelenke werden oft mit Dichtungen bzw. einer Gummimanschette gegen Nässe und Salz geschützt, damit Feuchtigkeit und Schmutz nicht eindringen können. Ob diese beschädigt oder falsch montiert waren, dürfte in diesem und anderen Fällen die wichtige Frage sein.

Die Reparaturkosten haben sich laut Bericht insgesamt auf 3.100 US-Dollar belaufen. Tesla wollte davon die Hälfte übernehmen, nachdem sich das Unternehmen zunächst verweigerte. Der Kunde sollte dafür aber eine Kulanz-Vereinbarung(öffnet im neuen Fenster) unterschreiben, um die Angelegenheit vertraulich zu bereinigen. Das Schreiben(öffnet im neuen Fenster) ist, ebenso wie Fotos der defekten Teile(öffnet im neuen Fenster) , online einzusehen. Der Kunde informierte die US-Straßenverkehrsbehörde NHTSA dennoch über den Vorfall.

Tesla nannte die Vorwürfe in einem Blogposting(öffnet im neuen Fenster) grotesk. Einigen Kunden habe man die Reparaturkosten freiwillig ersetzt und das Papier solle eventuelle Klagen verhindern, doch habe das Unternehmen nie versucht, zu verhindern, dass die Behörden informiert werden.

US-Behörden prüfen Hinweise

Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster) prüft die NHTSA Hinweise über Probleme bei der Radaufhängung von Tesla-Fahrzeugen. Auch der Betroffene berichtet davon(öffnet im neuen Fenster) . Eine Untersuchung sei aber bisher nicht eingeleitet worden. Die Behörde fordert weitere Informationen von den Fahrern und vom Hersteller an.

Tesla betonte in einer Stellungnahme(öffnet im neuen Fenster) , dass es beim Model S und den Model X keine Sicherheitsprobleme gebe. Es handele sich um starkem Rostbefall. Der Besitzer lebe an einer unbefestigten Straße, die er befahren muss, um zu seinem Haus zu kommen. Es seien zwei Abschleppfahrzeuge notwendig gewesen, das Auto auf die Straße zurück und zu Teslas Servicestation zu bringen. Es sei von oben bis unten verschlammt gewesen, so Tesla.

Tesla ging auch auf die Vorwürfe des Autoren des Dailykanban-Blogs, Edward Niedermeyer, ein, der die Sache publik machte(öffnet im neuen Fenster) und nicht identisch mit dem geschädigten Autofahrer ist. Der Blogger und Journalist hatte schon früher Autobauer scharf kritisiert und angegriffen(öffnet im neuen Fenster) . Tesla unterstellt ihm dabei monetäre Interessen. Das wollte Niedermeyer nicht hinnehmen und schlug zurück(öffnet im neuen Fenster) : Teslas Antwort sei falsch; er habe die lose Artikelserie "Tesla Deathwatch" weder gestartet noch beendet. Das sei auch im Blog Thetruthaboutcars zu erkennen(öffnet im neuen Fenster) . Auch monetäre Interessen an Teslas Aktienkurs verfolge er nicht.

Eventuell weitere Fahrzeuge betroffen

Im Portal Safercar.gov(öffnet im neuen Fenster) der US-Verkehrsbehörde gibt es noch einige andere Beschwerden, bei denen die Radaufhängung des Tesla S nach Meinung der Beschwerdeführer versagt habe.

Tesla selbst hatte im März 2015 ein sogenanntes Technical Service Bulletin (TSB) veröffentlichen lassen, was ebenfalls Probleme mit der Radaufhängung(öffnet im neuen Fenster) (PDF) vermuten lässt. Es sei jedoch nicht sicherheitsrelevant, sonst hätte ein Rückruf gestartet werden müssen. Betroffen waren Model S, die vor Mitte November 2013 gebaut wurden, wobei nach Angaben des Betroffenen ein wichtiger Unterschied zu erkennen ist(öffnet im neuen Fenster) : Beim oben geschilderten Fall aus dem Forum handelt es sich um ein defektes oberes Führungsgelenk des oberen Querlenkers, während es bei dem TSB um ein Problem mit einer Unterlegscheibe bei den unteren Querlenker-Bolzen geht. Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Bauteile.


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