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Geschwindigkeitsrekorde werden nicht gebrochen

Im Pilotprojekt in Wageningen fahren die beiden Wepod-Busse maximal 25 km/h, technisch möglich sind bis zu 40 km/h. Auf der GTC Europe fuhren wir in eine Richtung mit 6 km/h, auf der Gegengerade rauschten wir mit geradezu rasanten 12 km/h dahin. Das klingt nicht nur langsam, sondern ist es auch - weitaus langsamer beispielsweise als die in Amsterdam omnipräsenten Fahrräder. Wepod wollte schlicht sichergehen, dass es zu keinem Unfall kommt: Auf dem Vorplatz waren jede Menge Konferenzbesucher, Taxis und Fahrräder unterwegs.

  • Der autonome Mini-Bus Wurbie von Wepod (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Der Wurbie fährt auf einer Teststrecke in den Niederlanden komplett autonom. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Eine der Außenkameras des Wurbie, neben den Öffnungsknöpfen für die große Tür. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Kameras, Sensore, Radar und Lidar sorgen dafür, dass Wurbie Hindernisse in der Umgebung erkennt. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Einer der Ibeo-Laserscanner (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Im Inneren des Wurbie gibt es einen Nothaltknopf. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Bei unserer Testfahrt war ein Wepod-Mitarbeiter an Bord, der in zwei Situationen eingriff. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Im regulären Testbetrieb fährt Wurbie maximal 25 km/h, wir waren mit 6 und 12 km/h unterwegs. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Wurbie hat eigentlich keine echte Vorder- und Rückseite - das niederländische Recht erfordert aber eine Front. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
  • Ein Lidar des Wurbie (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
Im Inneren des Wurbie gibt es einen Nothaltknopf. (Bild: Tobias Költzsch/Golem.de)
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Die autonom gesteuerten Fahrabschnitte meisterte Wurbie souverän. Dank Allradantrieb und lenkbarer Hinterachse hat der Mini-Bus einen äußerst kleinen Wendekreis. Die an der Außenseite des Fahrzeugs angebrachten Sensoren erkennen Hindernisse und würden notfalls zu einem sofortigen Halt führen - bei unserer Testfahrt kam es zu keinem derartigen Zwischenfall.

Nothalteknopf und Kontakt zum Controller

Die Insassen können zudem über einen Nothalt-Button immer einen sofortigen Stopp auslösen - der Bremsweg unterscheidet sich Wepod zufolge nicht von dem eines vergleichbaren normalen Autos. Die Fahrt des Wagens wird zudem immer von einem Kontrollraum aus überwacht, von dem aus auch bestimmte Subroutinen des Wepod-Fahrzeugs ausgelöst werden können - etwa, um die Spur zu wechseln oder zu bremsen. Außerdem können die Passagiere mit dem Controller Kontakt aufnehmen.

Bodenschwellen bremsen den Bus aus

Ein Problem für den Wurbie sind Bodenschwellen, die auch auf unserer Teststrecke vorhanden waren. Diese mussten wir sehr langsam überqueren, da eine zu schnelle Annäherung den Bodensensoren ein Hindernis melden würden - was zu einem sofortigen Halt führen würde. Die Sensoren höher zu hängen ist Wepod zufolge keine Option, da dann tatsächliche Hindernisse übersehen werden könnten.

Das Sensorenproblem sowie die GPS-Probleme zeigen, dass die Strecke für einen Wepod-Bus gut gewählt werden sollte - bei der Teststrecke, die wir abgefahren sind, musste Wepod mit der vorhandenen Straße vorliebnehmen, da keine Alternativen zur Verfügung standen. Das erklärt auch, dass der Fahrer zwischendrin manuell steuern musste; in Wageningen funktioniert das wohl besser. Dass bei autonomen Strecken immer unvorhersehbare Probleme auftreten können, zeigt der jüngste Unfall des Schweizer Postautos, das vom Hersteller Navya stammt. Dieses rammte in einer Kurve die offenstehende Klappe eines Autos, die von den Sensoren nicht erkannt wurde.

Nahverkehr könnte durch kleine, autonome Fahrzeuge verändert werden

Dennoch könnten derartige autonom fahrende Kleinbusse den urbanen Nahverkehr in Zukunft verändern. Miteinander vernetzte und untereinander kommunizierende Fahrzeuge können eine Alternative zum privaten Autoverkehr sein, besonders, wenn die Strecken nach persönlichen Anforderungen angepasst werden können. Das ist aktuell mit den Wepod-Bussen noch nicht möglich, das Projekt steht aber auch erst am Anfang.

Eine Flotte an elektrisch betriebenen, autonom fahrenden Bussen könnte Innenstädte von Autolärm und Abgasen ein Stück weit befreien und den Nahverkehr entscheidend verändern. Anstatt von großen Bussen mit festgelegten Strecken könnten kleinere Fahrzeuge wie die Wepod-Busse individuellere Strecken abfahren.

Angesichts des knubbeligen Äußeren und den manchmal etwas unbeholfen wirkenden Fahrmanövern ist es leicht, über die Wepod-Busse zu schmunzeln. Nicht vergessen werden sollte dabei aber, was für ein immenser Rechenaufwand hinter einer autonomen Fahrt steckt, auch, wenn diese nur 6 km/h schnell ist. In Sekundenbruchteilen werden Unmengen an Sensorendaten erfasst und analysiert; das dabei besonders in einem realen Szenario auf der Straße nicht immer alles glattgeht, ist zu diesem Zeitpunkt der Entwicklung noch nicht zu verhindern. Ein kontrolliertes Szenario, wie es die Strecke in Wageningen ist, lässt sich aber zumindest soweit kontrollieren, dass sich ein Test durchführen lässt.

Entwicklung benötigt Tests in realen Szenarien

Umso bemerkenswerter ist es, dass Wepod in Wageningen ein Test auf öffentlichen Straßen ermöglicht wurde. Dass bei diesen Tests etwas schiefgehen kann, zeigt das Beispiel aus der Schweiz; auch auf unserer Testfahrt sind uns einige der Schwierigkeiten begegnet. Anders lässt sich eine derartige neue Technologie aber schwer weiterentwickeln - und angesichts immer voller werdender Innenstädte und den daraus entstehenden Umweltproblemen sind autonome Nahverkehrsmittel wie der Wurbie eine Option, über die es sich nachzudenken lohnt.

 Fahrt im autonomen Bus: Im Rausch der Langsamkeit
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TechnikSchaaf 08. Okt 2016

Klar ist dass erst eine Erprobungsphase. Aber die Probleme zeigen genau, dass man da...


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