Fahrradtour: Als Google Maps mich mehrfach fast umgebracht hätte

Statt auf dem Radweg lande ich auf Kopfsteinpflaster, tief im losen Sand oder auf den Rieselfeldern. Auf Abwegen mit Google Maps.

Ein Erfahrungsbericht von veröffentlicht am
Es geht los, noch ahne ich nichts von den Mühen der Niederungen.
Es geht los, noch ahne ich nichts von den Mühen der Niederungen. (Bild: Achim Sawall/Golem.de)

90 Kilometer, viereinhalb Stunden auf gut ausgebauten Fahrradwegen: Die Vorfreude ist groß auf meinen Ausflug aus dem südlichen Speckgürtel Berlins auf einen Campingplatz nach Lübbenau. Es soll eine schöne Tour werden, doch Google Maps hat diesmal anderes im Sinn.

Inhalt:
  1. Fahrradtour: Als Google Maps mich mehrfach fast umgebracht hätte
  2. Eigentlich wird Google Maps immer besser

Bei Fahrten mit dem Rad in den Berliner Süden oder nach Ludwigsfelde ist Google Maps seit einiger Zeit meine erste Wahl. Andere Apps wie Komoot und Bikemap habe ich deshalb noch nicht ausprobiert. Diese Apps oder auch Naviki sind zudem nur eingeschränkt gratis nutzbar.

Googles weibliche Stimme aus der Hosentasche oder von der Halterung am Lenker leitet mich fast immer freundlich und zuverlässig auf schönen Wegen wie durch den Mauerpark in Teltow, in Kleingärtenkolonien oder entlang des Teltowkanals. Fahre ich weiter nach Brandenburg hinein, sind die Waldwege gut befahrbar und zeitsparend. Für Radfahrer ungeeignete Strecken werden mir fast nicht vorgeschlagen. Schon allein durch meinen fast völlig fehlenden Orientierungssinn höre ich darum auf die Stimme oder schaue auf das Display meines Smartphones. Kartenlesen hasse ich seit den 80ern.

Die Strecke in den Spreewald ist für mich körperlich herausfordernd. Es ist 29 Grad warm. Mein E-Bike Flyer Upstreet5 7.03 habe ich bewusst nur für rund 30 Minuten aufgeladen, denn ich will mich anstrengen, etwas abnehmen und das Herz trainieren. Dafür ist die Strecke mit der relativ starken Steigung gut geeignet.

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Ich habe Urlaub und schlafe aus. Die Tour beginnt erst um 13:30 Uhr, um 19 Uhr will ich ankommen und zwischendrin eine Stunde Pause machen. Am besten in einem Dorfkrug. Doch es kommt anders. Ich bin erst um 21 Uhr auf dem Spreewald Natur Camping Im Schlosspark und fühle mich so fertig, dass ich im Dunkeln nur noch das Innenzelt aufbauen kann und dann zehn Stunden durchpenne.

Google Maps: Hör auf die Stimme

Die ersten zwei Stunden läuft alles wunderbar. Dann fange ich an, mit der Stimme in meinem alten Huawei Mate 20 zu schimpfen. In dem Song Stimme von EFF hieß es doch aber: "Hör auf die Stimme. Sie macht dich stark. Sie will, dass du's schaffst. Also hör, was sie dir sagt." Aber immer über Kopfsteinpflaster? Klar, das ist als technisches und regionaltypisches Kulturdenkmal schützenswert und besteht hier aus handbehauenen Granitfindlingen, die zum Glück nicht überasphaltiert wurden. Mit dem Rad darauf fahren kann ich aber nur sehr langsam und die Kiefer schlagen aufeinander. Der Hintern schmerzt.

Dann komme ich von Teltow-Fläming langsam in den Spreewald. Nun zeigt mir Google Maps immer wieder Waldwege, aber keine guten. Es sind Trampelpfade mit Teilstücken, in denen ich mit den Reifen im Sand versinke und selbst mit voller Unterstützung des Akkus nicht mehr fahren kann, sondern schieben muss. "Hätte ich den schweren Stromspeicher doch abgemacht und zu Hause gelassen", denke ich. Leer ist er ohnehin ganz schnell.

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Weit und breit niemand zu sehen

Als ich einen kleinen Abzweig tief im Wald verpasse, wird die Route auch noch einmal 25 Minuten länger. Endlich raus aus dem Wald, will mich das Google-Navi immer wieder dahin zurückführen. Je mehr ich halblaut fluche, desto schlimmer wird die Route. Andere Menschen sehe ich schon lange nicht mehr. Dann höre nicht mehr auf die Stimme und bleibe auf befestigten Wegen. Erst um 21 Uhr erreiche ich mein Ziel. Pause inklusive.

Drei Tage später auf dem Rückweg nehme ich von Lübbenau bis nach Königs Wusterhausen die Bahn, denn der Hintern schmerzt noch immer etwas. Ab KW bleiben noch ein paar Stunden zu radeln, um meinen Zielen wenigstens ein bisschen treu zu bleiben. "Schmerzen vergehen, Aufgeben währt für immer", denke ich mir. Das hatte ich gerade auf Youtube gelernt.

Es wird schon langsam dunkel, da beginnt die Stimmung zwischen der Google-Maps-Frau und mir wieder zu kippen.

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Eigentlich wird Google Maps immer besser 
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