Fahrer verhindern Unfälle: Googles autonome Autos sind doch nicht so sicher

Google hat bei den bisherige Berichten über seine autonomen Autos wichtige Aspekte verschwiegen. Es hätte mehr als zehn Unfälle gegeben, wenn die Fahrer nicht eingegriffen hätten, heißt es nun.

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Googles autonome Autos sind ohne Testfahrer noch lange nicht sicher.
Googles autonome Autos sind ohne Testfahrer noch lange nicht sicher. (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)

Die bisherigen Behauptungen Googles über die Sicherheit seiner autonomen Autos müssen in einem neuen Licht gesehen werden. Wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Statistik hervorgeht, mussten bei den Testfahrten auf kalifornischen Straßen die menschlichen Fahrer seit Herbst 2014 knapp 70-mal eingreifen, um gefährliche Situationen zu entschärfen. In 13 Fällen seien dabei Unfälle verhindert worden. Google hatte im vergangenen Mai öffentlichkeitswirksam darauf hingewiesen, dass seine autonomen Autos in ihrer sechsjährigen Testphase noch keinen Unfall verursacht hätten.

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Offenbar lag dies aber nicht an der ausgereiften Technik, sondern an der Tatsache, dass die Testfahrer im letzten Moment noch eingreifen konnten. In 10 der 13 Fälle wäre das Google-Auto aufgrund einer eigenen Fehleinschätzung mit einem anderen Verkehrsobjekt kollidiert, hieß es in einem Bericht an die kalifornische Straßenverkehrsbehörde (DMV) weiter. Wobei in zwei Fällen nur Leitkegel touchiert worden wären. In drei Fällen hätte das Fehlverhalten anderer Fahrer zu der Kollision geführt. Allerdings scheint die Technik etwas zuverlässiger geworden zu sein. Während von Oktober bis Dezember 2014 acht Unfälle verhindert wurden, waren es von Januar bis November 2015 nur noch fünf.

Häufig Probleme mit Sensoren und Software

Aus der Statistik geht zudem hervor, dass die Autosteuerung in 272 Fällen selbst Probleme festgestellt und die Kontrolle an den Menschen am Steuer abgegeben habe. Die häufigsten Ursachen für die insgesamt 341 Fälle waren demnach Probleme bei der Wahrnehmung der Sensorerfassung (119 Fälle), Softwareprobleme (80), unerwünschtes Fahrzeugmanöver (55) und Unstimmigkeiten mit der Hardware (39). Schlechtes Wetter oder Baustellen überforderten hingegen nur in 13 beziehungsweise 3 Fällen die Technik.

Wenig überraschend ist hingegen, dass mehr als 300 der 341 Probleme auf normalen Straßen auftraten. Innerstädtischer Verkehr ist noch immer die größte Herausforderung für autonome Autos. Nur in einem Fall registrierte die Statistik ein Problem auf einer Interstate, auf Freeways gab es vier Mal Probleme, auf Highways in 32 Fällen. Die Statistik gibt aber nicht an, wie viele der fast 700.000 autonom gefahrenen Kilometer auf die unterschiedlichen Straßentypen entfallen.

Mehr als zwei Sekunden Reaktionszeit

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Die kalifornische Verkehrsbehörde interessiert sich zudem noch dafür, wie lange die Testfahrer für das Eingreifen am Steuer brauchen. Im Durchschnitt habe die Reaktionszeit bei 0,84 Sekunden gelegen, schreibt Google. In einzelnen Fällen ließen sich die Fahrer mehr als zwei Sekunden Zeit, bis sie reagierten. Diese Zeitspanne ist wichtig, wenn es um die rechtliche Bewertung der neuen Technik geht. Während beim sogenannten teilautomatisierten Fahren der Fahrer jederzeit in der Lage sein muss, die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen, gilt das für hochautomatisierte oder pilotierte Autos nicht mehr.

Laut Definition erhält der Fahrer dann eine ausreichende Zeitreserve, bevor er eingreifen muss. Das heißt: In einem Zeitraum von etwa zehn Sekunden muss das Fahrzeug in der Lage sein, brenzlige Verkehrssituationen oder den Ausfall von Steuerungs- und Sensorsystemen alleine zu beherrschen. Im Notfall fährt der Wagen automatisch auf den Standstreifen.

Verbraucherschützer wollen Videos sehen

Die US-Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog kritisierte den Suchmaschinenkonzern angesichts der Zahlen. "Wie kann Google ein Auto ohne Lenkrad, Bremsen oder Fahrer propagieren, wenn die eigenen Versuche zeigen, dass in 15 Monaten die Robotertechnik versagte und in 272 Fällen die Kontrolle an den Fahrer übergeben werden musste und Testfahrer in 69 Fällen selbst eingreifen mussten?", fragte die Organisation. Sie forderte Google auf, Videos und weitere Daten zu den Beinahe-Unfällen zu veröffentlichen.

Sechs weitere Firmen müssen der DMV noch die Daten über ihre Tests mit autonomen Autos liefern. Das sind Volkswagen Group of America, Daimler, Delphi, Tesla, Bosch und Nissan. Die DMV wird voraussichtlich alle Berichte auf ihrer Website veröffentlichen.

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