Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Fahrbericht Togg T10X: Außen Begeisterung, innen Ernüchterung

Die türkische Automarke Togg wirbt zum Deutschlandstart mit Smart Devices. Doch bei der Testfahrt scheitert der T10X an den eigenen Ansprüchen.
/ Dirk Kunde
16 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Ausflug an die niederländische Nordseeküste mit dem Togg T10X (Bild: Dirk Kunde)
Ausflug an die niederländische Nordseeküste mit dem Togg T10X Bild: Dirk Kunde
Inhalt
  1. Fahrbericht Togg T10X: Außen Begeisterung, innen Ernüchterung
  2. Software im Betastadium, komfortabler Innenraum
  3. Sicher, aber nervig
  4. Kleine oder große Batterie?
  5. Fernseher läuft während der Fahrt weiter

Erst beim vierten Versuch am Fastned-Schnelllader macht es klick und der Togg T10X startet den Ladevorgang. Warum die Ladesäule dreimal einen Fehler anzeigt, bleibt unklar – und auch, ob die Batterie im SUV vorgewärmt ist. Die Ladeplanung im Navi zeigt dazu keine Informationen.

Das ist ärgerlich, ich stehe länger als nötig im Regen und verliere Zeit. Nach den Startschwierigkeiten dauert der Ladestopp von 20 bis 80 Prozent länger als die vom Hersteller angegebenen 28 Minuten. Die Ladeleistung beginnt bei 105 kW und sinkt schnell. Die Herstellerangabe liegt bei bis zu 180 kW.

Im zweiwöchigen Testzeitraum lag der höchste Wert bei 123 kW. Weder Fahrzeugbildschirm noch Smartphone-App zeigen die aktuelle Ladeleistung. Auch eine Berechnung der Zeit bis zum gewählten Ladeziel fehlt.

Digital Device auf Rädern

Für ein Unternehmen, das mit einem Höchstmaß an digitaler Kompetenz für sich wirbt, überrascht das Fehlen dieser Angaben. Im Interview mit Golem nannte CEO Gürcan Karakaş die eigene Softwareentwicklung als Differenzierungsmerkmal im Vergleich mit Wettbewerbern.

In der App verbindet man kein E-Auto, sondern ein "Digital Device" . Das Auto soll als Aufenthaltsort neben Büro und Wohnung für Konnektivität bei Unterhaltung und Arbeit sorgen. In der Selbsteinschätzung ist die Fahrzeugsoftware so gut, dass Togg auf Android Auto und Apple Carplay verzichtet.

Schwarze Bildschirme

Ein schwerer Fehler, wie der Ausfall des Infotainmentsystems während einer Autobahnfahrt zeigt. Die drei Bildschirme beginnen zu flackern, bevor sie schwarz werden. Nur das Kombiinstrument des Fahrers ist noch aktiv und zeigt die Fahrinformationen.

Ich kann meine Fahrt fortsetzen, aber mit etlichen Einschränkungen: keine Navigation, keine Ladeplanung. Der Tempowarner lässt sich nicht mehr deaktivieren. Aus den Düsen strömt etwas warme Luft, aber die Klimaeinstellungen lassen sich nicht öffnen. Auch dieser Bildschirm ist schwarz. Bei 2 Grad Außentemperatur wäre eine Sitzheizung angenehm, doch sie ist nicht auswählbar.

Auf eine Medienwiedergabe muss ich ebenfalls verzichten. Beim Rangieren auf einem Rastplatz fällt auf, dass auch die Rückfahrkamera ausgefallen ist. Ich hoffe bei diesem Stopp auf einen Neustart, wenn ich den Wagen verlasse, verschließe und mich entferne. Die Hoffnung wird enttäuscht.

Zwei Jahre alte Videos

Gleiches gilt für den folgenden Ladestopp, bei dem ich einen Systemneustart erwarte. In der Zwischenzeit liefert die Internetsuche nach einem Reset des T10X nur Videos auf Türkisch, die bereits zwei Jahre alt sind.

Es ist nicht genau zu erkennen, dass man den rechten Hebel am Lenkrad nach unten drücken und gleichzeitig den Joystick in der Mittelkonsole für mindestens 20 Sekunden nach oben ziehen muss. Also absolviere ich die verbleibenden 200 km bis zum Ziel mit den aufgezählten Einschränkungen. Die Lösung kommt erst am nächsten Morgen. Nach einer Nacht vor dem Haus hat das System eigenständig neu gestartet.


Relevante Themen