Fahrbericht Opel Frontera: Der Preis hat seinen Preis
Mit der Elektromobilität bricht zwar ein neues Zeitalter an, doch die Hersteller hängen an ihren alten Marken und Modellnamen. Volkswagen belebt Scout in den USA wieder , Ford legt Mustang und Capri neu auf, Renault erweckt R4 und R5 zu neuem Leben.
Doch nur wenigen gelingt es, die alte Form des Namensgebers ins Heute zu übersetzen. Bei Opel ist es der Frontera. Der kam Anfang der 1990er Jahre als Geländewagen auf den Markt, jetzt ist er ein Kompakt-SUV.
Natürlich hat sich der Antrieb verändert, alle drei Varianten sind elektrifiziert. Es gibt einen Mild-Hybrid mit 48-Volt-System, einen Plug-in-Hybrid sowie ein E-Auto mit 44-kWh-Batterie. Möglich macht das die Smart-Car-Plattform aus dem Stellantis-Konzern. In Sachen Größe und Preis ordnet Opel den Frontera zwischen Mokka und Grandland ein. Mit 4,39 m Länge und 1,80 m Breite zählt der Wagen noch zur Kompaktklasse. Doch mit seiner Höhe von 1,64 m erreicht er SUV-Niveau.
Alltagsheld mit viel Raum
Ein Radstand von 2,67 m und die Höhe schaffen Platz im Innenraum. Gleich beim ersten Hineinsetzen spürt man, dass die Sitze höher als gewöhnlich positioniert sind. Bis zum Dach bleibt auf allen fünf Plätzen viel Luft.
Der Kofferraum bietet 460 Liter Stauraum. Wer keinen Wert auf eine ebene Ladekante legt, kann die Bodenplatte tieferlegen. Mit umgeklappter Rückbank (60:40 geteilt), entstehen bis zu 1.600 Liter Volumen für Gepäck. Auch das ist dem hohen Dach zu verdanken. Mit geöffneter Kofferraumklappe entsteht ein Ausschnitt zum Einladen von 73 mal 99 cm.
Laut Opel passt hier ein stehender Geschirrspüler rein. Wer mehr Menschen als Gepäck transportiert, entscheidet sich für die Variante mit sieben Sitzen. Statt des Kofferraums gibt es eine dritte Sitzreihe mit zwei Sitzen. Allerdings wird diese Option nur beim Plug-in-Hybrid angeboten. Um es gleich vorwegzunehmen: Platz ist der große Vorteil des Frontera. Es ist ein geräumiges Familienauto für kürzere Strecken. In der Präsentation positioniert Opel den Wagen als Alltagsheld.
Keine Verbrauchsangaben
Unter der Fronthaube gibt es keinen Stauraum. Hier blickt man auf E-Motor und Leistungselektronik. Der Synchronmotor mit der Typenbezeichnung M2 stammt von einem Stellantis-Joint-Venture aus China. Der Elektromotor leistet 83 kW und 125 Nm Drehmoment. Damit beschleunigt der Frontera in 12,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 140 km/h.
Energie liefert eine 44-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Batterie für bis zu 305 km nach dem Prüfzyklus WLTP. Die Verbrauchsangabe in der Broschüre liegt bei 18,2 kWh/100 km. Leider zeigt keiner der beiden 10-Zoll-Bildschirme den Verbrauch an. Lediglich die Prozentwerte (State of Charge) sowie die Restreichweite in Kilometer sind zu sehen. Dieser Verzicht ist nicht nachzuvollziehen, denn Kostengründe kann es dafür keine geben.
Somit bleibt mir nur eine grobe Überschlagsrechnung meiner zwei Touren auf der Ferieninsel Mallorca. Bei der Tour durch die Tramuntana-Berge liegt mein Verbrauch bei rund 15,5 kWh pro 100 km. Hier spielen die geringe Geschwindigkeit aufgrund der Serpentinen sowie die Rekuperation eine entscheidende Rolle. Bei der Tour in den Norden der Insel über die Autobahn mit maximal 120 km/h dürfte der Verbrauch bei 17 kWh liegen.
Einstieg bei 28.990 Euro
Aktuell arbeitet fast jeder Autohersteller an einem 25.000-Euro-E-Auto. Mit einem Startpreis von 28.990 Euro für die vollelektrische Version bewegt sich Opel bereits grob in Richtung dieser Preisschwelle. Der Plug-in-Hybrid startet bei 23.900 Euro. Doch in der vollelektrischen Einstiegsvariante fehlt das mittlere Display. Dafür gibt es eine Smartphone-Halterung. Das eigene Handy übernimmt sowohl die Medienwiedergabe als auch Navigation.
Damit können sicher viele Kunden leben, doch eine Ladeplanung ohne aktuellen Ladestand der Batterie erfordert einen aufmerksamen Blick auf die Reichweitenanzeige. Immerhin lassen sich Lautstärke, Weiter/Zurück und die Annahme von Telefonaten über die Tasten am Lenkrad steuern.
Für eine integrierte Routenplanung bietet Opel die e-Routes-App(öffnet im neuen Fenster) an, die auch der Citroen ë-C3 verwendet . Der kostenpflichtige Service soll Ladestationen empfehlen und über den aktuellen Batteriestand informieren.
Einphasiges Laden
Den zweiten 10-Zoll-Bildschirm gibt es erst für 1.000 Euro im Technik-Paket oder in der GS-Variante, die ab 32.490 Euro angeboten wird. Wer es gewohnt ist, ein E-Auto zu fahren, muss beim Umstieg in den Frontera auf einiges verzichten.
Das fängt beim Laden an: Mit Wechselstrom wird lediglich einphasig mit 7,4 kW geladen. Um das an der heimischen Wallbox zu erreichen, muss man sich ein dreiphasiges 22-kW-Typ-2-Ladekabel besorgen. Ansonsten lädt der Frontera mit maximal 3,7 kW in der heimischen Garage. Wer das umgehen möchte, sollte für 400 Euro den dreiphasigen 11-kW-Onboard-Charger bestellen.
26 Minuten bis 80 Prozent
Dafür liest sich der Maximalwert von 100 kW beim Gleichstromladen gut. Dieser Wert wird allerdings nur für kurze Zeit erreicht, denn Opel gibt die Ladezeit von 20 bis 80 Prozent mit 26 Minuten an. Rechnerisch werden in dieser Zeit 26,4 kWh nachgeladen. Somit liegt die durchschnittliche Ladeleistung bei 60 kW.
Theoretisch sind mit dem Frontera längere Strecken mit mehreren Ladestopps an der Autobahn möglich. Die dürften jeweils nach etwas mehr als 200 km anstehen. Daher bringt Opel 2025 eine Long-Range-Variante mit bis zu 400 km Reichweite auf den Markt. Über die Batteriekapazität schweigt der Hersteller noch, sie dürfte jedoch bei 57 kWh liegen.
Hält keinen Abstand
Der Kompakt-SUV bietet einen Fahrassistenten, der Spur und Tempo hält. Allerdings fehlt der Radarsensor und somit auch der Abstandstempomat. Ausreichender Abstand zum Vorausfahrenden muss also selbst gehalten werden. Unterschiedliche Fahrmodi gibt es nicht, lediglich zwei Rekuperationsstufen.
Bei der Einstellung Drive (D) liegt die Verzögerung bei 1,2 m/s 2 und mit Komfort (C) bei 0,8 m/s 2 . Zu einem vollständigen Stopp kommt der Frontera mit der Rekuperation nicht. Eine weitere Kleinigkeit, auf die man verzichten muss, sind die ausklappbaren Haltegriffe im Dach bei den vorderen Sitzen.
Anschlüsse und Design
Kabelloser Smartphone-Betrieb
Dafür gibt es vorn neben zwei USB-C Anschlüssen noch eine kabellose Ladefläche für das Smartphone. Die ist allerdings erst mit dem Tech-Paket oder in der GS-Variante verfügbar, genau wie die Rückfahrkamera. Android Auto und Apple Car Play funktionieren ohne Kabelverbindung. Der Geschwindigkeitswarner lässt sich durch langes Drücken einer Taste unterhalb des Armaturenbretts deaktivieren.
Ein Tablet einklemmen
Mit dem so genannten Flex Strap, einem elastischen Gummiband, kann man ein Tablet sicher zwischen Gangwahlhebel und Getränkehalter einklemmen. Es gibt zwei Getränkehalter und eine schmale Armablage in der Mitte, in die kleinere Dinge wie Sonnenbrille und Geldbeutel passen.
Insgesamt bietet der Frontera 23 Liter Stauraum im Innenbereich. Die Sitze in der GS-Version nennt Opel Intelli-Sitze. Alle Einstellungen erfolgen zwar manuell, aber in der Mitte der Sitzfläche gibt es eine Aussparung. Sie soll bei längeren Fahrten für Druckentlastung für das Steißbein sorgen. Das ist sicher eine gute Idee, doch mir fehlt viel mehr die Unterstützung im unteren Rückenbereich in Form einer Lordosenstütze.
Wer schon länger Opel fährt, wird sich schnell an die Cockpit-Gestaltung und die einfache Menüführung gewöhnen. Wer neuere E-Autos gewohnt ist, auf den dürfte die Ausführung des Armaturenbretts etwas altbacken wirken.
Zweifarbige Lackierung
Außen haben die Designer wie schon beim Grandland auf jegliches Chrom verzichtet. Die Front fällt durch einen schwarzen Vizor auf, in dem mittig der Opel-Blitz in gleicher Farbe sitzt. Das LED-Licht arbeitet mit einem Fernlichtassistenten.
Die Einstiegsvariante rollt auf 16-Zoll-Stahlrädern. Die Testfahrzeuge kamen mit einer zweifarbigen Lackierung, bei der das Dach einen anderen Farbton trägt. Opel nennt den Look Modern German. Mit einer Dachreling trägt der Frontera eine Dachlast von 240 kg.
Bei der Präsentation zeigte Opel als Zubehör ein Dachzelt mit Leiter. Der Hersteller sieht junge, aktive Menschen als ihre Zielgruppe. Neben dem Kauf gibt es auch ein Leasingangebot für den elektrischen Frontera. Für 279 Euro pro Monat ohne Anzahlung erhält man eine jährliche Fahrleistung von 10.000 km über eine Laufzeit von vier Jahren.
Die Wettbewerber
Auffallend ähnlich zum Frontera kommt der Citroën ë-C3 Aircross daher. Das liegt daran, dass er ebenfalls auf der Smart-Car-Plattform basiert und zu einer Stellantis-Marke gehört. Allerdings beginnt die französische Version bei 26.490 Euro.
Die Opel-Ingenieure betonen, dass sie die Lenkung beim Frontera direkter abgestimmt hätten als bei der Plattform üblich. Ein weiterer Wettbewerber in vergleichbarer Größe dürfte der MG ZS EV sein. Er startet allerdings bei 33.990 Euro, dafür ist er etwas besser motorisiert und verfügt über eine höhere Reichweite. Das gilt auch für den neuen Ford Puma Gen-E . Der ist zudem etwas kleiner und startet bei 36.900 Euro. Günstiger ist hingegen der neue Skoda Elroq zum Einstiegspreis von 33.900 Euro . Das Kompakt-SUV verfügt jedoch über eine deutliche bessere Basisausstattung als der Frontera.
Zündung drehen
Gefertigt wird der Frontera im slowakischen Stellantis-Werk in Trnava. Ein wenig aus der Zeit gefallen wirkt der Funkschlüssel für das E-Auto. Damit lässt sich der Frontera aus der Ferne öffnen und verschließen. Zum Starten muss man allerdings einen Metallschlüssel ausklappen, in ein Zündschloss stecken und drehen. Da ist sie, die Erinnerung an den ersten Frontera.
Offenlegung: Die Kosten für die Reise nach Mallorca hat Opel übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.
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