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Fahrbericht Leapmotor C10: Der SUV, vor dem sich die Konkurrenz fürchten sollte

Der Leapmotor C10 bietet reichlich Platz, einen hübschen Innenraum und viel Technik. Eine Schwäche kann das Elektroauto gut verstecken.
/ Tobias Költzsch
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Der Leapmotor C10 während der Fahrt (Bild: Martin Wolf/Golem)
Der Leapmotor C10 während der Fahrt Bild: Martin Wolf/Golem

Der chinesische Hersteller Leapmotor ist für Golem kein Neuling: Mit dem T03 hat er einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Hochwertige Verarbeitung traf auf einen überraschend großen Funktionsumfang und Extras, die wir für unter 19.000 Euro nicht erwartet hätten. Das zweite Modell C10(öffnet im neuen Fenster) ist ein großer SUV, bei dem Leapmotor einem ähnlichen Konzept folgt.

Gemein haben der T03 und der C10 die überraschende Fülle an Extras, eine sehr gute Verarbeitung und ein Infotainment-System mit überraschenden Funktionen. Der C10 bietet darüber hinaus aber zahlreiche Funktionen, die der T03 nicht hat – und die angesichts eines Preises ab 37.600 Euro überraschen, vor allem im Vergleich zur teureren Konkurrenz. Ganz perfekt ist der C10 aber nicht.

Der chinesische Autohersteller Leapmotor gilt in China noch als Start-up und rangiert in den Verkaufsstatistiken unterhalb der großen Hersteller wie etwa BYD. In Deutschland gehört das Unternehmen dank seines Joint Ventures mit Stellantis wohl zu den chinesischen Herstellern mit der besten Ausgangslage: Denn man kann auf das Verkaufs- und Wartungsnetzwerk etablierter Stellantis-Autohäuser zugreifen – eine Taktik, die sich BYD aktuell noch erarbeiten muss.

Zwei Elektrovarianten mit gleichem Motor und gleichem Akku

Zum Test steht uns die höherpreisige Variante C10 Design zur Verfügung. Diese unterscheidet sich bei der grundlegenden Technik nicht vom Modell Style, sondern kommt mit zusätzlichen Extras wie Vordersitzen mit Heizung und Kühlung, Ambientebeleuchtung im Innenraum und getönten Heckscheiben.

Leapmotor C10 Probe gefahren
Leapmotor C10 Probe gefahren (04:35)

Vom Design her ist der Leapmotor C10 wie bereits das kleine Modell T03 unauffällig – und das ist positiv gemeint. Der Wagen wirkt auf uns vom Aussehen her wie ein etwa zehn Jahre alter SUV; auch das ist angesichts einiger moderner Designs durchaus ein Kompliment. Der C10 ist relativ rund, ohne dabei erkennbare Konturen einzubüßen. Die Front ist hoch und ebenfalls sehr rund.

Etwas langweilig finden wir den C10 von der Seite – hier hätte eine erkennbare Linie dem wohlgefälligen runden Einerlei etwas Abwechslung verschaffen können. Das Heck hat eine durchgehende Rücklichtleiste (bei der Design-Variante) und schmale Blinker sowie Bremslichter. Unter der Leiste ist der Firmenname in einzeln applizierten Lettern angebracht; das ist aufwendig, ist für unseren Geschmack aber etwas zu lang. Viel besser gefällt uns das Logo auf der Motorhaube.

Gute Verarbeitung innen und außen

Die Karosserie des C10 ist hochwertig verarbeitet, die Spaltmaße sind gleichmäßig und gut. Das Auto hat in den Türen versenkte Griffe, die nicht automatisch ausfahren – angesichts des Preises (und der restlichen Ausstattung) finden wir das völlig in Ordnung. Die Heckklappe ist bei der Design-Variante motorisiert, den Auslöseknopf hat Leapmotor im rechten Bereich der Klappe eingebaut. Dort ist er gut zu erreichen, fällt aber nicht sonderlich auf – das ist gut gemacht.

Der Kofferraum fasst 435 Liter, unter der Bodenabdeckung befindet sich ein weiteres, großes Staufach. Klappen wir die Rücksitze um (60:40-Teilung), passen 1.410 Liter in den Kofferraum. Der C10 hat zudem einen Frunk: Dessen Größe gibt Leapmotor nicht an, er ist aber ziemlich groß und bietet bequem Platz für ein Typ-2-Ladekabel oder sogar einen mittelgroßen Rucksack.

Öffnen wir die Fahrertür, fällt uns sofort deren solide Verarbeitung auf: Die Türen des C10 schließen mit einem satten Geräusch und scheppern nicht. Eine Kuriosität ist uns auf der Autobahn aufgefallen: Fahren wir schneller, fängt die Motorhaube wegen des Fahrtwindes an zu vibrieren. Hören oder spüren tun wir das nicht, wir sehen es aber – vor allem, wenn die Sonne darauf scheint.

Karte statt Schlüssel

Um in den C10 einzusteigen, müssen wir eine Schlüsselkarte benutzen. Diese halten wir – etwas ungewöhnlich – an den Außenspiegel der Fahrertür, um das Fahrzeug aufzuschließen. Die Karte brauchen wir auch, um den Wagen zu starten: Hierfür müssen wir sie kurz auf die drahtlose Ladestation in der Mitte des Armaturenbrettes legen.

Der Innenraum ist schlicht und gut verarbeitet. Wie beim T03 verzichtet Leapmotor weitgehend auf Bedienknöpfe, der überwiegende Teil der Einstellungen wird über das zentrale, 14,6 Zoll große Display vorgenommen, unter anderem auch die Spiegeleinstellungen. Eine Ausnahme stellt wie beim T03 das Rollo des riesigen Panoramadachs dar, das bis zu den Rücksitzen reicht.

Dieses lässt sich über eine Wippe am Himmel des C10 öffnen und schließen – ein Detail, auf das viele Hersteller bei wesentlich teureren Fahrzeugen mittlerweile verzichten. Neben der Rollowippe befindet sich noch ein zweiter Knopf, über den wir den Beifahrersitz nach vorne und hinten bewegen können. Wenn jemand hinten mitfährt und mehr Platz braucht, ist das eine praktische Funktion.

Leapmotor verwendet wie beim T03 keine besonderen Materialien, die Kunststoffoberflächen sind aber im Sichtbereich unterschäumt und fassen sich daher weich an. Dadurch fühlen sie sich wesentlich hochwertiger an, als es die Materialien eigentlich sind. Auch die Türinnenseiten haben weiche Oberflächen – Hartplastik gibt es beim C10 erst unterhalb der Knie, wo man es nicht direkt sieht. Aber auch diese Oberflächen sind nicht einfach nur Schwarz, sondern im gleichen Fliederton wie der Rest der Innenraumoberflächen.

Viel Platz auch für Passagiere im Fond

Das Platzangebot im Fahrzeug ist sowohl vorne als auch hinten sehr gut – hier kommt dem C10 seine Größe von 4739 x 1.900 x 1.680 mm zugute. Wir finden schnell eine bequeme Fahrposition, auch die Passagiere im Fond haben genug Bein- und Kopffreiheit. Auf der Rückseite der Vordersitze sind Taschen angebracht. Hinten gibt es zudem Lüftungsdüsen und zwei USB-Anschlüsse. Die Armlehne in der Mitte lässt sich hochklappen, dann passen drei Personen auf die Rückbank.

Zwischen Fahrer- und Beifahrersitz hat der C10 eine breite Mittelkonsole mit Staufach, zwei Becherhaltern und einem drahtlosen Ladepad für Smartphones. Dieses kann über einen Shortcut im Display auch deaktiviert werden. Lüftungsdüsen sind beim C10 nicht zu erkennen; diese befinden sich hinter einem Schlitz, der von der Fahrer- bis zur Beifahrerseite geht. Darüber befindet sich ein LED-Streifen, der für eine indirekte Ambientebeleuchtung sorgt. Die Farbe können wir einstellen, ebenso die Helligkeit – im Dunkeln sieht das gut aus.

Dass wir die Luftdüsen nicht manuell einstellen können, stört uns nicht. Der Grund dafür ist, dass wir im Klimamenü über den zentralen Bildschirm nicht nur deren Richtung manuell einstellen, sondern auch Voreinstellungen nutzen können. So lassen sich auf Knopfdruck die Düsen auf Fahrer und Beifahrer stellen, oder auch seitlich vorbei, so dass der Luftstrom nicht ins Gesicht weht.

Automatische Luftdüsen für die Klimaanlage

Noch praktischer finden wir den Automatikmodus, bei dem die Luftdüsen sich ständig bewegen und wie ein Ventilator oder eine Klimaanlage für angenehme Belüftung sorgen. Um die Klimaanlage zu bedienen, müssen wir übrigens nicht ins Klimamenü gehen: Die Grundfunktionen wie Temperatur und Lüftungsstärke lassen sich auch über eine Menüleiste am unteren Ende des Displays einstellen.

Dort finden sich auch weitere Shortcuts wie zu den Sitzeinstellungen, in denen wir die effektive Sitzbelüftung oder die Sitzheizung einstellen können. Außerdem können wir eigene Shortcuts in diese Leiste ziehen, etwa zum Navigationssystem oder zu Spotify. Der Leapmotor C10 hat einen voll funktionstüchtigen Vivaldi-Browser vorinstalliert, bei dem wir uns auch mit unserem Konto einloggen können.

So lässt sich in Ladepausen auch Youtube oder Netflix schauen – und das mit überraschend geringer Latenz zum sehr guten Audiosystem. Sobald wir einen Gang einlegen und losfahren, schaltet sich der Browser aus Sicherheitsgründen aus.

Das Infotainmentsystem ist übersichtlich, wir finden schnell, was wir einstellen wollen. Über einen speziellen App-Store lassen sich auch weitere Anwendungen installieren, viel Auswahl gibt es allerdings nicht. Zum Angebot gehören unter anderem die Streaming-Apps Spotify und Tidal. Diese sind insofern praktisch, als dass der C10 wie auch der kleine T03 weder Carplay noch Android Auto unterstützt.

Auch beim C10 kein Android Auto oder Carplay

Wir können unser Smartphone zwar per Bluetooth mit dem Fahrzeug verbinden und dann sowohl telefonieren als auch Musik hören – die Einbindung in Carplay oder Android Auto ist aber wesentlich komfortabler und ermöglicht zusätzlich die Nutzung verschiedener Navigations- und Ladeplanungs-Apps.

Als Navigationssystem auf dem großen Monitor in der Mitte steht uns entsprechend nur das eigene von Leaptmotor zur Verfügung. Dieses ist nicht schlecht, die Sprachansagen wirken aber manchmal unfreiwillig komisch, da sie stellenweise aus einzelnen Aufnahmefetzen zusammengesetzt werden und entsprechend holpern.

Die Ladeplanung macht zunächst einen guten Eindruck: Wir können unseren Ladestecker eingeben und die gewünschte Ladezeit, die Stopps, werden dann zur Route hinzugefügt. Wir haben aber keine Einstellung für die Auswahl der Ladeanbieter gefunden – das sollte Leapmotor nachtragen. Angesichts des Tarifdschungels ist es für Elektroautofahrer wesentlich günstiger, nur an den Säulen ihres jeweiligen Anbieters zu laden.

Cockpit-Display mit übersichtlichen Informationen

Auf dem Display hinter dem Lenkrad werden alle wichtigen Informationen übersichtlich eingeblendet. Wir können zu dem im rechten Bereich die Anzeige verändern und beispielsweise einen kleinen Ausschnitt des aktuellen Kartenbereichs des Navis einblenden, was wir komfortabel und praktisch finden.

Das Auto liegt für einen hohen SUV gut auf der Straße, schwankt aber wenig überraschend, wenn wir schnelle Lenkbewegungen machen. Aber auch bei hohen Geschwindigkeiten auf der Autobahn bleibt der C10 stabil. Das Fahrzeug ist wesentlich besser gedämmt als der T03, was angesichts des doppelt so hohen Preises auch so sein sollte.

Fahrbahngeräusche sind auf der Autobahn zu hören, ebenso Windgeräusche ab ca. 100 km/h. Wir finden die Geräuschkulisse aber auch angesichts des Preises mehr als annehmbar. Das gilt auch für die Federung: Diese ist eher gemütlich als sportlich und schluckt Schlaglöcher nicht komplett. Insgesamt fährt sich der C10 jedoch sehr angenehm und souverän.

Der SUV kommt auch gut vom Fleck – von null auf 100 km/h schafft er es in 7,5 Sekunden, was angesichts seines Gewichts von fast 2 Tonnen nicht schlecht ist. Die Leistung liegt bei 160 kW (217 PS). Die Höchstgeschwindigkeit ist bei 170 km/h abgeriegelt, man ist mit dem Auto also auch durchaus flott unterwegs. Allerdings ist die Beschleunigung ab 100 km/h nicht mehr berauschend – man merkt dem C10 dann an, dass er angesichts seiner Größe und seines Gewichts nicht besonders stark motorisiert ist.

Vier Fahrmodi und überraschend viele Anpassungen

Der Leapmotor bietet vier Fahrmodi: Eco, Komfort, Sport und Benutzerdefiniert. Die Stärke der Rekuperation ist an den Fahrmodus gekoppelt. Der Sportmodus bietet die stärkste Verlangsamung, wenn wir vom Strompedal gehen, der Eco-Modus die geringste. Gleichzeitig ist die Lenkung im Sportmodus am straffsten und die Beschleunigung am stärksten.

Im Fahrmodus Benutzerdefiniert können wir die verschiedenen Fahreigenschaften so kombinieren, wie wir es gerne hätten – also etwa die Beschleunigung des Sportmodus zusammen mit der Komfort-Lenkung verwenden. Dass es in dieser Preisklasse derartige Einstellungsmöglichkeiten gibt, ist ungewöhnlich. Der C10 ermöglicht es uns auch, im One-Pedal-Modus zu fahren. Dieser verlangsamt uns zügig bis zum Stillstand. Allerdings finden wir die Fahreigenschaften etwas zu zäh: Der Wagen reagiert hier wesentlich träger als in jedem anderen Fahrmodus.

Am meisten Spaß macht der C10 im Sportmodus. Diesen können wir mit einer praktischen Funktion einfach über einen konfigurierbaren Button am Lenkrad auswählen anstatt im Menü. Der Knopf erlaubt es, zwei gewünschte Funktionen aufzurufen, durch einen einzelnen Klick und einen Doppelklick. Streng genommen ist auch der Einzelklick ein Doppelklick: Um Fehlbedienungen zu verhindern, müssen wir dann auch zweimal auf den Knopf drücken, allerdings langsamer als beim Doppelklick.

Praktische belegbare Taste auf dem Lenkrad

Wir haben uns die sehr gute 3D-Kamera auf den einfachen Klick gesetzt und eine Kombination aus zwei Funktionen auf den Doppelklick. Dieser schaltet nicht nur den Fahrmodus auf Sport, sondern deaktiviert auch gleichzeitig die Warnungen bei Tempoüberschreitungen. Das klingt martialischer als es ist: Der C10 bimmelt uns wie viele moderne Autos recht penetrant an, sobald wir auch nur 1 km/h über der erlaubten Geschwindigkeit fahren.

Es gibt zahlreiche weitere Kombinationen, die wir auf den Lenkrad-Button legen können – insgesamt eine wirklich nützliche und praktische Funktion. Das Lenkrad an sich gefällt uns auch gut: Es hat wie die Sitze einen Kunstlederbezug, der sich gut anfühlt, und eine Heizung. Die Buttons sind gut erreichbar, aber für unseren Geschmack etwas zu kryptisch beschriftet. Wir haben uns aber schnell daran gewöhnt.

Der C10 kommt trotz seines moderaten Preises voll ausgestattet, was die Assistenzsysteme betrifft. Der SUV hat einen Lenkassistenten, der wie bei Tesla über ein zweifaches Drücken des Gangwahlhebels nach unten aktiviert wird. Drücken wir den Hebel nur einmal nach unten, wird nur der Abstandstempomat aktiviert.

Der Fahrassistent hält uns auch bei höheren Geschwindigkeiten sicher in der Spur; er lässt sich auch bei Tempo 150 und höher aktivieren. Vor Kurven bremst er oft etwas ab und grundsätzlich ist er eher vorsichtig, was die Geschwindigkeit angeht. Uns ist das lieber als ein Lenkassistent, der mit zu hohem Tempo in die Kurve ballert und dann die Spur nicht halten kann.

Lenkrad erfordert stärkeren Kontakt

Allerdings müssen wir mehr Kontakt zum Lenkrad halten als etwa bei Kias EV6, wo es ausreicht, die Hand locker auf das Lenkrad zu legen. Irgendwie muss Leapmotor ja den relativ niedrigen Preis seines Fahrzeugs erreichen, und an solchen Details merken wir, wo gespart wurde.

Lenkassistent mit Geschwindigkeitsanpassung

Das C10 erkennt nicht nur die innerhalb der EU vorgeschrieben Verkehrsschilder, der Lenkassistent bietet uns auch an, mit einem Druck nach unten auf den Gangwahlhebel das neue Tempolimit einzustellen. Leider wird uns das wie bei Kia und anderen Herstellern erst angeboten, wenn wir am Schild vorbei sind. Dazu kommt, dass der Bremsvorgang eher langsam ist – die Gefahr, in eine Radarfalle zu geraten, war uns zu hoch. Wir haben die Geschwindigkeit manuell vor dem Schild angepasst.

Anders herum funktioniert die halbautomatische Geschwindigkeitsanpassung hingegen gut: Der C10 beschleunigt schnell, wenn wir ein höheres Tempolimit einstellen. In der Stadt hat das Auto übrigens die gleichen Probleme mit Verkehrsschildern wie viele andere Hersteller: Zeitbegrenzungen werden nicht erkannt, was zu hektischen Warnungen bezüglich des Tempos führt.

Der Akku des Leapmotor C10 hat 69,9 kWh – in beiden Varianten. In der Stadt kommen wir auf einen Verbrauch von 13,3 kWh/100 km, was theoretisch für eine Reichweite von 526 km reicht. Im realistischen Ladebereich zwischen 20 und 80 Prozent entspricht das einer Reichweite von 368 km.

Ordentliche Verbrauchswerte

Auf der Autobahn erreichen wir unter realistischen Bedingungen mit einer Mischung aus Tempo 120, Abschnitten über 150 km/h und bei wesentlich langsameren Geschwindigkeiten wegen Baustellen einen Verbrauch von 21,3 kWh/100 km. Das ergibt eine Reichweite von 328 km, im Bereich von 20 bis 80 Prozent sind es 196,9 km.

Fahren wir mehr in Richtung 150 km/h, kommen wir auf über 22 kWh/100 km. Das ergibt eine Reichweite von 317 km und weniger, im Bereich von 20 bis 80 Prozent sind es 190 km und weniger. Je länger wir schnell fahren, desto stärker sinkt die Reichweite.

Das sind für längere Touren ausreichend gute Werte, was die Reichweite betrifft. Allerdings lädt der C10 laut Leapmotor nur mit maximal 84 kW – von 30 auf 80 Prozent gibt der Hersteller eine Schnellladezeit von 30 Minuten an. Das würde längere Strecken doch merklich verlängern, als bei einer Ladeleistung von 100 kW und mehr.

Allerdings stellt Leapmotor unseren Tests nach sein Licht unter den Scheffel: Wir haben den C10 von 30 auf 80 Prozent in 25 Minuten geladen, was die ursprüngliche Ladelänge von Leapmotor eher auf den Bereich von 20 auf 80 Prozent realistisch erscheinen lässt.

Stabilste Ladekurve, die wir kennen

Für nur maximal 84 kW ist das eine überraschend gute Ladezeit – und wir wissen auch, wie Leapmotor diese erreicht: Zum einen lädt der C10 bei uns mit über 88 kW, und zum anderen hält er durchweg eine Ladeleistung von über 84 kW. Wir haben solch eine Ladekurve bei einem Elektroauto bisher tatsächlich noch nicht gesehen: Der C10 schießt nach dem Einstecken auf über 84 kW und hält diese Leistung dann durchgängig.

Bei den meisten Elektroautos wird die maximale Ladeleistung in der Regel nur kurze Zeit erreicht. Durch die über 84 kW Dauerleistung lässt sich der C10 für uns – überraschend – doch ziemlich gut auf der Langstrecke verwenden; natürlich sind mehr Ladepausen notwendig als bei einem Auto mit größerem Akku, aber sie sind nicht so lang wie befürchtet. Der C10 lädt nicht schnell, aber so schnell es seine Hardware erlaubt.

Auch beim internen AC-Ladegerät liefert Leapmotor solide Hardware: Möglich sind 11 kW in drei Phasen. Das heißt, dass das Auto an einer Ladesäule in der Stadt mit 11 kW auch tatsächlich so viel bekommen kann.

Leapmotor C10: Verfügbarkeit und Fazit

Der Leapmotor C10 kostet in der von uns getesteten Design-Variante 39.100 Euro. Die Standardversion ist von den technischen Grundlagen identisch und bietet nur einige Komfortfunktionen weniger – etwa die beheiz- und belüftbaren Sitze, das Ambiente-Beleuchtungssystem, die durchgehende Rückleuchte, die getönten Scheiben hinten oder auch die elektrische Heckklappe.

Der C10 ist zudem zum gleichen Preis als Version mit Range Extender erhältlich, also mit einem kleinen Verbrennermotor, der die Akkus lädt. Die Reichweite soll dann bei 974 km nach WLTP liegen.

Fazit

Der Leapmotor C10 ist ein sehr gut verarbeiteter, geräumiger Kompakt-SUV zu einem guten Preis. Vergleichbare Fahrzeuge der Konkurrenz sind wesentlich teurer: Der ID.4 etwa kostet in der Grundversion Pure mit 52-kWh-Akku ab 42.635 Euro, der Skoda Enyaq mit 60 kWh ab 44.400 Euro. Auch Teslas Model Y ist teurer. Kias EV3 ist mit 35.990 Euro zwar günstiger, hat aber einen kleineren Akku und ist kürzer.

Und für unter 40.000 Euro bietet der C10 eine überraschend komfortable Ausstattung: Das Fahrzeug hat unter anderem ein Glasdach mit Rollo, Sitzheizung und -belüftung, ein beheizbares Lenkrad, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein 14,6-Zoll-Display in der Mitte des Armaturenbretts und einen sehr gut funktionierenden Fahrassistenten.

Die Innenraummaterialien sind zwar nicht besonders hochwertig, was Leapmotor jedoch mit Kunststoffmaterialien im Cockpit hinbekommt, kann sich sehen lassen. Der Wagen hat ein stimmiges Design und wir haben uns schnell wohlgefühlt. Die Oberflächen in Sichtweite sind gepolstert, zudem ist sowohl vorne als auch hinten viel Platz.

Perfekt ist der C10 aber nicht, und das liegt vor allem an der Software. Die Ladeplanung erlaubt keine Anbieterwahl, was wir unpraktisch finden. Zudem ist das Auto wie der kleine Leapmotor T03 nicht mit Android Auto oder Carplay kompatibel – nicht mal per Kabel. Hier sollte der Hersteller nachbessern.

Ein weiterer Kritikpunkt wurde in unserem Test hingegen relativiert: die Ladeleistung. Da Leapmotor im Hauptladebereich zwischen 20 und 80 Prozent durchgängig und stabil zwischen 84 und 88 kW in die Batterie jagt, ist die Ladezeit kürzer als wir dachten – und damit durchaus alltagstauglich. Zudem können wir uns den C10 auch dank des relativ großen Akkus eher auf der Langstrecke vorstellen als etwa Opels Frontera Electric.


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