Fachanwalt: Gegen Lobbyarbeit der Telekom ist "nicht anzukommen"

Die mittelständischen Kabelnetzbetreiber hätten beim Gesetzgeber keine Chancen, ihre Interessen gegen die Deutsche Telekom durchzusetzen. Das sagte Henrik Bremer, Senior-Partner bei Rechtsanwaltsgesellschaft Wirtschaftsrat Recht(öffnet im neuen Fenster) , auf dem 28. Breitbandkongress des FRK (Fachverband Rundfunk- und Breitbandkommunikation)(öffnet im neuen Fenster) am 10. September 2025 in Leipzig.
"Die Telekom ist sehr viel dichter an der Politik, als Sie das jemals sein können" , erklärte der Fachanwalt. "Unterschätzen Sie nicht das Lobbying der Telekom, das funktioniert wirklich gut." Dagegen sei "nicht anzukommen" .
Bremer berichtete aus seiner langjährigen Erfahrung in der Telco-Branche, dass man die Macht der Telekom bei einem Verfahren vor der Bundesnetzagentur mit dem führenden Immobilienkonzern Saga(öffnet im neuen Fenster) aus Hamburg deutlich zu spüren bekommen habe. "Während dieser Phase wurde die TKG-Novelle auf Weg gebracht und darin befand sich auf einmal ein Absatz, eine Regelung, die nur auf diesen Gerichtsfall zugeschnitten war. Das müssen Sie erst mal hinkriegen" , sagte Bremer.
Diese Unternehmensklausel im Gesetz "erwischte genau den Fall" von Bremer, bei dem man zuvor sicher war, gewinnen zu können. Man müsse immer davon ausgehen, dass die Politik "das aufnimmt"
Topmanager:"Mindestens zwei Telekom-Lobbyisten auf dem Schoß"
Bremer nahm inhaltlich zu dem Fall nicht weiter Stellung. Es dürfte sich aber um eine Schlichtung vor der Bundesnetzagentur im Jahr 2021(öffnet im neuen Fenster) gehandelt haben. Seine Kanzlei vertritt häufig städtische Netzbetreiber, aber auch die Wohnungswirtschaft.
Probleme mit der Lobbyarbeit der Telekom bringen auch andere zum Ausdruck: Ein Topmanager eines großen mittelständischen Kabelnetzbetreibers sagte Golem Anfang Juni 2025: "Bei jeden Bundestagsabgeordneten sitzen mindestens zwei Telekom-Lobbyisten auf dem Schoß." Er wollte mit dieser Feststellung zur Allmacht der großen Konzerne im Staat aber nicht namentlich genannt werden.