Facelift für Elektrolimousine BMW i7: Die Neue Klasse kann auch Luxus
Der Münchner Autohersteller BMW stattet eine weitere Modellserie mit dem Bedien- und Antriebskonzept der sogenannten Neuen Klasse aus. Für die 7er-Oberklasselimousine stehe damit "die umfangreichste Modellüberarbeitung" ihrer Geschichte an, teilte das Unternehmen am 22. April 2026 mit(öffnet im neuen Fenster). Allerdings erhält der vollelektrische i7 im Gegensatz zum iX3 und i3 weiterhin kein 800-Volt-System für die Batterie.
Übernommen von der Neuen Klasse werden hingegen das Anzeige- und Bedienkonzept mit der Panoramaleiste sowie die neue Generation von Rundzellen. Dadurch steigt die Akkukapazität von derzeit 101,7 Kilowattstunden (kWh) auf 112,5 kWh. Die WLTP-Reichweite nimmt damit in der reichweitenstärksten Version, dem i7 50 xDrive, auf 728 km zu. Das entspricht einem Zuwachs von rund 120 km.
Maximale Ladeleistung von 250 kW
Nicht nur die größere Akkukapazität auf gleichem Raum, auch effizientere Wechselrichter auf Siliziumkarbid-Basis tragen zur höheren Reichweite bei. Durch reibungsoptimierte Radlager und Reifen mit A+-Label sei die Effizienz ebenfalls gesteigert worden.
Die maximale Ladeleistung steigt beim neuen i7 von bislang 195 kW auf bis zu 250 kW. Das ist deutlich weniger als die 400 kW, die beim iX3 oder i3 erreicht werden können. Denn der i7 nutzt weiterhin ein 400-Volt-System. Für die 250 kW wird daher eine hohe Stromstärke von 630 Ampere benötigt. Der i7 braucht künftig 28 Minuten, um den Akku von 10 auf 80 zu laden. Der iX3 schafft das in 21 Minuten. An einem Wechselstromlader kann der i7 serienmäßig mit 22 kW laden.
Einstiegspreis bei rund 120.000 Euro
Nicht nur das 800-Volt-System, auch der neue Fahrdynamikcontroller Heart of Joy bleibt dem 7er noch vorenthalten. Zum Start der Modellpflege bietet BMW drei vollelektrische Leistungsvarianten an, die noch den Allradantrieb der fünften Generation nutzen. Der i7 50 xDrive zum Basispreis von 121.400 Euro liefert 335 kW (455 PS) und beschleunigt in 5,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 210 km/h. Der bisherige i7 eDrive 50 mit Heckantrieb zum Einstiegspreis von 115.900 Euro ist nicht mehr verfügbar.
Der i7 60 xDrive zum Basispreis von 140.100 Euro verfügt über eine Motorleistung von 400 kW (544 PS) und schafft den Sprint auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Die Reichweite beträgt bis zu 727 km. Der Antrieb wird bei 240 km/h abgeregelt.
Die leistungsstärkste Version ist der i7 M70 xDrive, der 182.400 Euro kostet und 500 kW (690 PS) liefert. Mit Launch-Control beschleunigt diese Version aus dem Stand in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Die Reichweite fällt mit 686 km deutlich niedriger aus. Die Preise für die beiden letztgenannten Modelle sind trotz der größeren Reichweite gleich geblieben.
Wie zum Start der Neuen Klasse angekündigt, bringt BMW die neue Panoramaleiste und das Bedienkonzept ohne den iDrive-Controller in weitere Modelle. Das Konzept hat uns bei Probefahrten mit dem iX3 gut gefallen. Ein Novum beim i7 ist der serienmäßige Beifahrerbildschirm.
Beifahrer hat Zugriff auf Streaming und Spiele
Anders als bei der Konkurrenz von Mercedes-Benz verschmelzen die beiden Displays nicht unter einer gemeinsamen Oberfläche. Mit einer Diagonale von 14,6 Zoll ist der Beifahrerbildschirm zudem kleiner als der Zentralbildschirm mit 17,9 Zoll. Vor allem für den chinesischen Markt ist der zusätzliche Bildschirm praktisch unverzichtbar, wobei der i7 auch einen großen, ausfahrbaren Monitor für die Fondpassagiere als Extra im Angebot hat.
Laut BMW erhält der Beifahrer den vollen Zugriff auf das Angebot von BMW-Entertainment, das unter anderem Video-Streaming, TV-Sender, Gaming und Musik umfasse. Für Videokonferenzen werde die Innenraumkamera verwendet. Die Kamera erkenne zudem, wenn der Fahrer durch den Blick auf den Bildschirm abgelenkt werde. Dann dunkele das Beifahrerdisplay automatisch ab. Bleibt der Beifahrersitz frei, schaltet der Bildschirm in einem reduzierten Modus und "fügt sich optisch fließend in die individuellen Anzeigen ein".
Digitaler Innenspiegel als sinnvolles Extra
Ein weiteres Novum für den Fahrer ist der optionale digitale Innenspiegel. Ein sinnvolles Extra, denn bei der Verwendung des großen Panoramabildschirms (Probefahrt) verdunkeln Sonnenblenden an den Seitenscheiben, im Dach und am Heckfenster den Fond. Eine auf der Heckablage integrierte Kamera ermöglicht in diesem Fall eine Sicht auf den rückwärtigen Verkehr.
Für eine Chaffeurlimousine wie den i7 ist die Ausstattung des rechten Rücksitzes eine wichtiges Verkaufsargument. Daher hat BMW auch dem ausklappbaren Monitor ein Upgrade verpasst. "Zum einen ist nun der gesamte 31,3 Zoll Touchscreen mit 8K-Auflösung samt all seiner Funktionen per Touch-Bedienung steuerbar", heißt es. Darüber hinaus könne künftig auf die BMW-Streamingplattform zugegriffen werden. Über die neu integrierte Kamera ließen sich nun auch Videogespräche führen.
Wie in der bisherigen Version bietet der i7 mit einem Radstand von 3,21 m reichlich Beinfreiheit auf den Rücksitzen. Die aufpreispflichtige Executive Lounge umfasst "eine integrierte Beinablage für den Platz hinter dem Beifahrersitz sowie eine optional gesteppte und beheizbare Armauflage mit hochwertigem Glaseinsatz und integrierter Smartphone-Ablage für induktives Laden". Zudem kann der Beifahrersitz vollständig nach vorn gefahren und dessen Lehne maximal nach vorn geneigt werden. Um dem Fahrer den Blick in den rechten Seitenspiegel zu erhalten, sei der Verstellmechanismus optimiert worden.
Nicht mehr so aggressive Front
Von außen wirkt die Limousine mit ihrer Länge von 5,39 m weiterhin sehr wuchtig, um nicht zu sagen protzig. Die breite Niere wirkt jedoch dezenter, weil die Lamellen nicht mehr vertikal, sondern horizontal ausgerichtet sind und unauffälliger wirken. Dadurch erscheint die Front weniger zähnefletschend und aggressiv.
Nur noch schmale Schlitze sind für Tagfahrlicht, Positionslicht und Blinker vorgesehen. Die eigentlichen Scheinwerfer für Fern- und Abblendlicht versetzt BMW in die deutlich breiter gewordenen Lufteinlässe. Insgesamt wirkt die Front dadurch aufgeräumter. Adaptive LED-Scheinwerfer einschließlich Abbiegelicht sowie Matrixfernlicht mit bis zu 600 Metern Reichweite und blendfreiem Fernlichtassistenten sind serienmäßig vorhanden.
Wie bereits bekannt, verzichtet BMW bei seinem Topmodell künftig auf den Staupiloten nach der Automatisierungsstufe 3. BMW begründete den Schritt mit dem eingeschränkten Kundennutzen und mangelnder Nachfrage.
Mehr Level 2+ statt Level 3
Stattdessen setzen die Münchner ebenso wie die Konkurrenz von Mercedes-Benz verstärkt auf Assistenzsysteme nach Level 2, wie sie bereits im iX3 angeboten werden. Dazu zählt neben einem Autobahnassistenten, der freihändiges Fahren ermöglicht, ein Cityassistent für städtische Strecken. Dieser soll eine navigationsgeführte Fahrerassistenz von Adresse zu Adresse bieten. Das enthält laut BMW assistierte Abbiegevorgänge und Vorfahrtssituationen, Bremsen und Wiederanfahren an Ampeln auch ohne Vorderfahrzeug, Kreisverkehr-Durchfahrten sowie Spurwechsel im urbanen Raum. Für das autonome Fahren kooperiert BMW mit dem chinesischen Anbieter Momenta.
Serienmäßig verfügt der i7 über den Driving Assistant Plus(öffnet im neuen Fenster), eine Kombination von Abstandsregeltempomat, Verkehrszeichenerkennung und Lenkassistent.
Radarüberwachte Automatiktüren
Die Automatisierung des Fahrzeugs startet beim i7 jedoch schon vor dem Losfahren. Die gegen Aufpreis verfügbaren Automatiktüren hat BMW nach eigenen Angaben verbessert. "An jeder Fahrzeugtür befindet sich an der Innenseite der Türgriffe ein ergonomisch günstig platzierter elektrischer Taster zum Öffnen und Schließen der Türen. Eine Berührung der neu gestalteten, flächenbündig in die Karosserie integrierten Griffe genügt – auch mit Handschuhen oder bei vereisten Türgriffen öffnet und schließt die Tür zuverlässig", heißt es.
Darüber hinaus lassen sich die Türen per App, per Sprachbefehl oder über das Infotainmentsystem öffnen. Bei der Nutzung des digitalen Schlüssels lässt sich festlegen, welche Tür bei der Annäherung an das Fahrzeug geöffnet werden soll.
Das Bewegen der Türen wird künftig durch Radarsensoren überwacht. Diese befinden sich laut BMW in den seitlichen Schwellern sowie an der Fahrzeugfront und im Heck und sollen ein schnelleres Öffnen und Schließen ermöglichen. "Die Radarsensoren erkennen nicht nur Hindernisse im Bereich der Türen, sondern auch sich annähernde Verkehrsteilnehmer und verringern so deutlich ein Kollisionsrisiko", heißt es weiter.
Mit 1.203 neu zugelassenen Exemplaren war der i7 im Jahr 2025 das am wenigsten verkaufte vollelektrische BMW-Modell in Deutschland.
Wie schlägt sich der i7 im Vergleich zum EQS?
Das ist angesichts des hohen Preises nachvollziehbar. Allerdings lag der Elektroanteil an den Neuzulassungen mit 47 Prozent sehr hoch. Wenn schon Luxuslimousine, dann wenigstens elektrisch, mögen sich viele Käufer gedacht haben. Im Jahr 2024 war der i7 xDrive 60 der beliebteste elektrische Dienstwagen unter Spitzenpolitikern von Bund und Ländern.
Mit einer zusätzlichen Reichweite von 120 km liefert BMW ein weiteres Verkaufsargument. Allerdings bietet die Konkurrenz von Mercedes mit dem neuen EQS sogar eine Reichweite von bis zu 926 km an. Mit der Umstellung auf ein 800-Volt-System kann der EQS sogar mit 350 kW laden, so dass sich in zehn Minuten bis zu 320 km Reichweite nachladen lassen. Der BMW i7 50 xDrive und der BMW i7 60 xDrive schaffen in zehn Minuten nur 235 km.
Zudem bringt Mercedes mit dem EQS erstmals ein Serienfahrzeug mit Steer-by-Wire auf den Markt. Das gibt es bei BMW derzeit noch nicht. Allerdings bietet die für bestimmte Modelle verfügbare Option Adaptive Chassis Control Professional unter anderem eine aktive Wankstabilisierung mit einer adaptiven 2-Achs-Luftfederung und einer Integral-Aktivlenkung. Letztere nutzt eine Hinterachslenkung um bis zu 3,5 Grad. Serienmäßig verfügt der i7 über eine Servolenkung mit lenkwinkelabhängiger Übersetzung und der geschwindigkeitsabhängiger Lenkkraftunterstützung.
China als wichtigster Markt
Für eine Luxuslimousine wie den 7er-BMW ist der deutsche Markt praktisch irrelevant. Früheren Zahlen zufolge lag China mit 45 Prozent auf Platz 1 der Verkaufsstatistik, gefolgt von weiteren asiatischen Ländern und dem Nahen Osten (26 Prozent). Ein Fünftel wurde in den USA abgesetzt (20 Prozent). Für Deutschland nannte BMW keinen Prozentwert. Die verbleibenden neun Prozent verteilten sich auf die gesamte EU.
| BMW i7 50 xDrive | BMW i7 60 xDrive | BMW i7 M70 xDrive | |
|---|---|---|---|
| Leistung | 335 kW/455 PS | 400 kW/544 PS | 500 kW/680 PS |
| Beschleunigung (0-100 km/h) | 5,5 s | 4,8 s | 3,8 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 210 km/h | 240 km/h | 250 km/h |
| Akkukapazität | 112,5 kWh | 112,5 kWh | 112,4 kWh |
| max. Ladeleistung DC | 250 kW | 250 kW | 250 kW |
| Reichweite nach WLTP | 591-728 km | 581-727 km | 566-686 km |
| Verbrauch nach WLTP | 21,8-18,1 kWh/100 km | 21,9-18,2 kWh/100 km | 22,9-19,7 kWh/100 km |
| Ladezeit 10-80 % | 28 min | 28 min | 28 min |
| Reichweite nach 10 min DC-Laden | 235 km | 235 km | 215 km |
| Basispreis | 121.400 Euro | 140.100 Euro | 182.400 Euro |
Daher wird sich vor allem in China zeigen müssen, ob die zahlungskräftigen Kunden das Bedienkonzept der Neuen Klasse auch in einer Luxuslimousine akzeptieren. Allerdings ist Konkurrenz bei gut ausgestatteten Limousinen und großer Reichweite dort inzwischen groß. Zudem kosten Fahrzeuge wie der Yangwang U7 von BYD deutlich weniger.
Der neue i7 ist vom 28. Mai 2026 an bestellbar. Die Produktion im Werk Dingolfing und die Markteinführung in Deutschland beginnen im Juli 2026.
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