Facebooks Medienblockade: Ein heilsamer Schock für alle Beteiligten

Man kann Facebook noch so unsympathisch finden - die Medienblockade des sozialen Netzwerks in Australien ist richtig und konsequent.

Ein IMHO von veröffentlicht am
Lässt Facebook die australischen Medien verschwinden?
Lässt Facebook die australischen Medien verschwinden? (Bild: AAP Image/Lukas Coch/via Reuters)

Das soziale Netzwerk Facebook will nicht für die Verlinkung von Medieninhalten auf seiner Plattform bezahlen. Auch wenn man sonst wenig Sympathien für dieses Unternehmen hat, ist diese Entscheidung zu begrüßen. Denn der Hyperlink ist nun einmal das Grundelement des World Wide Web und sollte nicht zahlungspflichtig gemacht werden. Wer die großen IT-Konzerne regulieren und deren Einnahmen umverteilen möchte, sollte sich kreativere Konzepte überlegen.

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Anders als Google ist Facebook nicht vor den Plänen der australischen Regierung eingeknickt. Denn für Googles Suchmaschine ist es in der Tat wichtiger, auch die Medien eines Landes in den Ergebnissen anzeigen zu können. Anstatt, wie zwischenzeitlich angedroht, den australischen Markt komplett zu verlassen, hat der US-Konzern sich vorab mit den dortigen Medien geeinigt. Damit kann Google möglicherweise vermeiden, dass der am Mittwoch beschlossene Medienkodex (PDF) überhaupt auf das Unternehmen angewandt wird.

Facebook macht seine Drohung wahr

Doch Facebook hat offenbar kühl kalkuliert und seine Drohung vom vergangenen September wahr gemacht. Ist das nun die Erpressung eines demokratischen Staates, wie es der frühere Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar behauptet, oder ein "Machtmissbrauch", wie es der Trackingforscher Wolfie Christl formuliert?

Es ist in erster Linie die Reaktion auf einen untauglichen Versuch, das Geschäftsmodell von Verlagen zu retten, indem ihnen gesetzlich ein Anteil von Facebooks Werbeeinkünften zugesichert werden soll. Die Dominanz auf dem Werbemarkt durch Google und Facebook ist in der Tat ein Problem. Forderungen, die Konzerne zu zerschlagen, sind völlig berechtigt. Doch der australische Medienkodex macht überhaupt nicht den Versuch, diese Dominanz zu beschränken. Das wäre beispielsweise möglich durch strengere Vorgaben für Nutzertracking und personalisierte Anzeigen. Doch davon wollen auch die Verlage nichts wissen, die von der Linksteuer profitieren möchten.

Wer hat Facebook erst so groß gemacht?

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Der Medienbann auf Facebook könnte daher ein heilsamer Schock sein. Zum einen wird der Medienkonsum der Facebook-Nutzer nicht mehr dadurch bestimmt, welche Inhalte der undurchsichtige und auf Krawall optimierte Algorithmus ihnen in den Newsfeed spült. Die Nutzer wären gezwungen, sich eigene Informationsquellen zu erschließen, die nicht von Facebook vorgefiltert wurden. Das könnte wiederum die Verweildauer auf Facebook reduzieren, wovon die Verlage profitieren könnten.

Als unerwünschter Nebeneffekt der Blockade ist es offenbar vorgekommen, dass staatliche Angebote nicht mehr angezeigt wurden. Es ist nur zu begrüßen, dass diese Abhängigkeit nun in unangenehmer Weise aufgedeckt wurde. Facebook ist schließlich nur deshalb so groß und dominant geworden, weil jede noch so kleine Behörde oder Kommune, jeder noch so kleine Verein oder Verlag das Gefühl hatte, in dem Netzwerk präsent sein zu müssen. Damit werden Facebook Nutzer und Daten zugeführt, von denen das Unternehmen profitiert. Die Frage ist nicht, warum Facebook staatliche Angebote unbeabsichtigt blockiert, sondern warum sie dort überhaupt präsent sein mussten.

Es gibt ein Internet außerhalb von Facebook

Zumindest ist es sinnvoll, dass Facebook nun tatsächlich alle Medien gleichermaßen blockiert, selbst internationale, und nicht einzelne sich einen Vorteil durch die dortige Präsenz verschaffen können. Es wird für bestimmte Angebote sicherlich einen Rückgang des Traffics geben. Das hängt vor allem davon ab, wie präsent die Zielgruppe eines Mediums auf Facebook ist. Das Nachrichtenbedürfnis der Nutzer wird jedoch nicht mit einem Schlag verschwinden, weil der Newsfeed plötzlich leer ist. Vielleicht stellen manche Nutzer sogar fest, dass es ein Internet außerhalb von Facebook gibt.

Kurioserweise könnte sogar Google davon profitieren, wenn die Verlage künftig ihre Inhalte auf News Showcase besonders aufbereiten. Vielleicht hat der Konzern damit am Ende sogar den besseren Deal gemacht. Am wichtigsten wäre jedoch, dass die australische Regierung sich besinnt und sich eine Regulierung überlegt, die die eigentlichen Probleme der großen Plattformen angeht.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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franzropen 25. Feb 2021

Aged like milk

Pantsu 19. Feb 2021

Ich kam etwas später dazu, mit dem Smartsurfer, als alle anderen schon DSL hatten. Nie...

FreiGeistler 19. Feb 2021

Neein. Das Beispiel mit den Litfasssäulen ist immer noch Absurd.

ds4real 19. Feb 2021

Leider stimmt genau das :/. Man muss in einen bestimmten Verlag sein, um vom LSR oder...



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