Facebook: Werbekategorien "Alkohol" und "Glücksspiel" auch bei Kindern

Facebook sortiert auch Minderjährige als "interessiert an" Glücksspiel und alkoholischen Getränken in seine Werbekategorien ein. Mit diesen können Unternehmen die Minderjährigen gezielt ansprechen. Dabei handelt es sich nicht um Einzelfälle.

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Kaffee oder doch lieber Alkohol? Facebook vermarktet die Interessen von Minderjährigen.
Kaffee oder doch lieber Alkohol? Facebook vermarktet die Interessen von Minderjährigen. (Bild: Liane Kwoll/Pixabay)

Facebook überwacht die Aktivitäten seiner Nutzer, ermittelt ihre Interessen und sortiert sie in Werbekategorien ein. Das macht das soziale Netzwerk auch mit Minderjährigen, die sie zu Hunderttausenden als "interessiert an" Glücksspiel und Alkohol einsortiert. Dies ergab eine Untersuchung der britischen Zeitung Guardian gemeinsam mit dem Dänischen Rundfunk.

Über Facebooks Werbetools können Unternehmen Facebook-Nutzer mit bestimmten Interessengebieten gezielt ansprechen. Diese ermittelt Facebook aus ihren Aktivitäten. So können Firmen beispielsweise Werbung bei Nutzern schalten, die an alkoholischen Getränken interessiert sind - und so für neue oder etablierte Alkoholika werben. Doch laut der Untersuchung des Guardian und des Dänischen Rundfunks wurden auch 940.000 Kinder und Jugendliche von Facebook als interessiert an alkoholischen Getränken markiert, zudem wurden 740.000 Minderjährige mit dem Interessengebiet Glücksspiel markiert. Sie können also ebenfalls von Unternehmen gezielt mit Glücksspiel- oder Alkoholwerbung angesprochen werden. Firmen, die Videospiele mit In-App-Käufen vertreiben, könnten sich so zum Beispiel an glücksspielinteressierte Jugendliche wenden.

"Wir erlauben keine Werbung, die den Verkauf von Alkohol oder Glücksspiel an Minderjährige auf Facebook fördert, das setzen wir auch durch, wenn wir welche finden. Wir arbeiten auch eng mit den Regulierungsbehörden zusammen, um Vermarktern Leitlinien an die Hand zu geben, die ihnen helfen, ihr Publikum effektiv und verantwortungsbewusst zu erreichen", erklärt Facebook in einer Stellungnahme.

Unklar bleibt, wie oft Facebook solche Werbung mit seinem automatisierten Kontrollsystem findet. Spannender ist ohnehin die Frage, warum Facebook die Kategorie überhaupt für Minderjährige führt, wenn doch die naheliegendste Form der Werbung den Facebook-Richtlinien widerspricht. Ein Facebook-Insider erklärte dem Guardian, dass ein Anti-Glücksspiel-Dienst auf diese Art gezielt Kinder, die eine Spielsucht entwickelt haben, ansprechen könnte. Das scheint jedoch ein eher exotisches Szenario zu sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook wegen der verwendeten Werbekategorien in der Kritik steht. So wurde im Mai 2018 bekannt, dass Facebook Nutzer auch nach ihrem Interesse an Homosexualität, dem Islam oder liberalen Ideen einsortiert - obwohl Sexualität, Religion und politische Einstellung nicht nur nach der Datenschutzgrundverordnung sensible Informationen sind, die besonders schützenswert sind. 2017 stand sogar die offen rassistische Kategorie "Judenhasser" auf Facebooks Werbeplattform zur Auswahl.

Facebook stellt sehr weitreichende Informationen zur Verfügung, die auch von Werbetreibenden immer wieder missbraucht werden. So gab es bereits Fälle, in denen Vermieter ihre Wohnung ausschließlich bei Menschen mit heller Hautfarbe beworben haben.

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