Facebook: Transparenztools für Wahlwerbung funktionieren nicht mehr

Facebook brüstet sich damit, mehr Transparenz über politische Kampagnen herstellen zu wollen. Doch das Unternehmen blockiert nun Plugins von Nachrichtenorganisationen und NGOs, die gezielte Werbeanzeigen analysieren.

Artikel veröffentlicht am , Anna Biselli
Facebook-Chef Mark Zuckerberg verspricht gern Transparenz - aber nur unter seiner Kontrolle.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg verspricht gern Transparenz - aber nur unter seiner Kontrolle. (Bild: JOSH EDELSON/AFP/Getty Images)

"Warum wird mir das angezeigt?" - Wer auf diesen Button bei Werbeanzeigen auf Facebook klickt, erfährt, warum gerade er eine Anzeige zu sehen bekommt. Mehrere NGOs haben Plugins entwickelt, die im Hintergrund für Nutzer diesen Button aktivieren, um mehr über gezielte, vor allem politische Werbeanzeigen bei Facebook zu erfahren. Doch der Konzern unterbindet diese Tools nun.

Betroffen ist unter anderem das investigative US-Nachrichtenportal Propublica, das ein Browser-Plugin entwickelte, um Informationen über politische Werbekampagnen und ihre Zielgruppen zu sammeln. Die Ergebnisse stellt Propublica in einer frei zugänglichen Datenbank zur Verfügung, in der bisher Informationen über mehr als 120.000 politische Anzeigen einsehbar sind.

Facebook war in die Kritik geraten, als bekanntwurde, dass das Unternehmen Cambridge Analytica Nutzerdaten analysierte, um gezielte Wahlwerbung für den US-Präsidenten Donald Trump zu schalten. Dabei sammelte eine App nicht nur Daten derer, die sie installiert hatten, sondern auch die ihrer Facebook-Freunde. Der daraus entsprungene Skandal um Datenschutzverletzungen beschäftigte sogar das EU-Parlament. Es fürchtete unter anderem eine Manipulation der kommenden Europawahlen.

Auch Plugins von Mozilla und Who targets me betroffen

Ähnliche Transparenz-Plugins wie das von Propublica boten Mozilla und Who targets me an, auch sie funktionieren nicht mehr. Laut dem Guardian begründet Facebook diese Änderungen damit, dass man gegen Drittanbieter-Plugins vorgehe, die unautorisiert auf Facebook-Daten zugreifen. Bei den betroffenen Plugins hatten Nutzer jedoch explizit in die Datensammlung eingewilligt.

Stattdessen will Facebook mit einem eigenen Anzeigen-Archiv Transparenz über politische Kampagnen schaffen. Derzeit ist diese Funktion aber nur in den USA, Großbritannien und Brasilien verfügbar. Propublica kritisiert, dass diese Archive nicht alle Daten und alle politischen Anzeigen umfassen würden.

Laut einer Pressemitteilung will Facebook die Anzeigen-Archive bis Ende März auch in Europa freischalten. Dann bleiben noch zwei Monate, bis Ende Mai die Europawahlen stattfinden.

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