Facebook: Rechenzentrum nach Ikea-Vorbild
Facebook plant ein weiteres Rechenzentrum in Luleå am schwedischen Polarkreis. Dort will der Social-Media-Konzern erstmals sein neues Rapid Deployment Data Center (RDDC) zum Einsatz bringen. Das Konzept hat Facebook erstmals beim jüngsten Open-Compute-Event im Januar in San Jose vorgestellt: eine äußerst modulare Bauweise, ähnlich wie Ikea sie bei seinen Möbeln einsetzt.
"Wir wollen so viele Teile wie möglich vorfertigen, die dann vor Ort wie bei einer Computer- oder Automontage nur noch zusammengesetzt werden müssen", schreibt Facebooks Rechenzentrendesigner Marco Magarelli(öffnet im neuen Fenster) in seinem Blog. Er meint, dass mit RDDC der Aufbau eines neuen Rechenzentrums doppelt so schnell möglich sein wird wie bislang.
Die neue modulare Rechenzentrumstruktur basiert zunächst auf einem vorgefertigten Stahl-Chassis, das rund 3,7 m (12 Fuß) breit und 12,2 m (40 Fuß) lang ist. Dieses Chassis nimmt alle Teile auf, die später oberhalb der Racks benötigt werden. Hierzu gehören die Kabelkanäle, die Stromversorgung und sogar die Beleuchtung – alles wird bereits vor der Auslieferung in der Fabrik vorinstalliert. "Es ist wie beim Auto, wir erstellen zunächst ein Chassis, an das dann alle anderen Baugruppen montiert werden", sagt Magarelli über das neue Konzept.
Nicht so viel Luft transportieren
Im Gegensatz zu dem bislang gebräuchlichen Containerkonzept, bei dem jeweils fertige Container vorinstalliert werden, um sie dann vor Ort zu größeren Recheneinheiten zu verbinden, ist das Chassis-Konzept eine offene Struktur, die wenig Transportplatz benötigt. "Beim Container wird viel unnütze Luft transportiert, da Server und andere Rack-Baugruppen erst vor Ort installiert werden", sagt Magarelli.
Das Dach-Chassis wird dann auf separate Pfeiler gestellt, die – genauso wie bei den Ikea-Möbeln – erst vor Ort angeschraubt werden. Für eine komplette RZ-Halle kommen bei Facebook 52 solcher Dach-Chassis in einem 4-x-13-Gitter zum Einsatz. Die zweite Konzeptidee bei RDDC betrifft die Statik der Dach- und Wandkonstruktion. Magarelli: "Das Dach muss sehr tragfähig sein, denn es muss die gesamte Verkabelung und die Kühlaggregate aufnehmen und da wir nur wenige tragende Wände haben, müssen auch diese besonders belastbar sein. In der Vergangenheit waren hierzu viele Kran- und Gabelstapler-Arbeiten nötig".
Die dafür entwickelte RDDC-Lösung erinnert noch stärker an Ikea, denn es kommen besonders stabile Flachpaneele zum Einsatz, die sich ganz flach wie ein Ikea-Bücherregal verpacken lassen. Sie sind selbsttragend und haben eine Breite von circa 2,44 m (8 Fuß). Damit können sie auf einem Standard-Lkw ohne Überbreite transportiert werden. Exakt 364 Paneele sind für eine Halle erforderlich. Facebook will alle Standardkomponenten bereits in großen Mengen vorproduzieren, um jeweils kurzfristig neue Rechenzentren erstellen zu können.
So könnten "modulare Rechenzentren fast überall auf der Welt schneller, schlanker und kostengünstiger aufgebaut werden", schwärmt Magarelli über seine Ideen. Wie lange der Aufbau aber genau dauert, kann er noch nicht sagen, denn der Ausbau des Rechenzentrums in Luleå ist die erste Implementation von RDDC – und noch ist der erste Spatenstich nicht getan. Auch das Konzept an sich ist noch nicht völlig ausgereift. "Bei der Transport- und Montageoptimierung sind unsere Ingenieure noch am Experimentieren", sagt Magarelli.
Sein erstes Rechenzentrum in Luleå hatte Facebook im Juni 2013 in Betrieb genommen.