Facebook: Netflix und Spotify bekamen Zugriff auf private Nachrichten

Nicht durch Datenpannen, sondern durch Partnerschaften mit Facebook haben Unternehmen wie Microsoft und Apple laut einem Medienbericht direkten Zugriff auf persönliche Daten der Nutzer gehabt. Netflix und Spotify hätten offenbar private Nachrichten lesen, schreiben und manipulieren können.

Artikel veröffentlicht am ,
Facebook hat offenbar regen Datentausch mit Netflix, Spotify und Co betrieben.
Facebook hat offenbar regen Datentausch mit Netflix, Spotify und Co betrieben. (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Zugriff auf Kalendereinträge, die Liste mit Kontakten und sogar auf persönliche Nachrichten: Facebook soll Kooperationspartnern Zugriff auf Nutzerdaten erlaubt haben, der wesentlich weiter ging als bislang bekannt. Besonders brisant ist, dass Netflix, Spotify und die Royal Bank of Canada sogar private Nachrichten hätten lesen, schreiben und verändern können - ob das tatsächlich geschehen ist, ist allerdings nicht klar.

Stellenmarkt
  1. IT-Application-Consultant/ER- P-Systembetreuer (m/w/d)
    HEINE Optotechnik GmbH & Co. KG, Gilching
  2. Projektmitarbeiter*in (m/w/d) Smart City - Daten- und Dienste Plattform
    Stadt Ulm, Ulm
Detailsuche

Darüber berichtet die New York Times nach aufwendiger Recherche, bei der interne Dokumente von Facebook ausgewertet und Gespräche mit über 60 ehemaligen Angestellten von Facebook und den Partnern sowie mit Regierungsmitarbeitern und Datenschützern geführt wurden.

Im Kern geht es um Partnerschaften mit rund 150 Unternehmen wie Apple, Microsoft, Amazon, Sony und Netflix. Etwa ab dem Jahr 2010 habe es immer mehr Kooperationen gegeben, etwa um die App von Facebook auf bestimmten mobilen Endgeräten zu veröffentlichen oder um Funktionen von Facebook in andere Apps zu integrieren. Die meisten dieser Verträge seien vom Topmanagement abgesegnet worden, teils auch von Mark Zuckerberg oder Sheryl Sandberg, schreibt die New York Times.

Im Fall von Spotify seien die Nachrichten auch bei dem Musikstreamingdienst angezeigt worden. Allerdings sei die API so breit gefasst gewesen, dass die Programmierer vollen Zugriff auf die Nachrichten der Nutzer gehabt hätten, die diese Funktion verwendeten. Technisch wäre es eigentlich nicht nötig gewesen, das Lesen und Schreiben der E-Mails zu erlauben.

Golem Karrierewelt
  1. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    30.05.-03.06.2022, virtuell
  2. Linux-Shellprogrammierung: virtueller Vier-Tage-Workshop
    04.-07.07.2022, Virtuell
Weitere IT-Trainings

Der Artikel der New York Times führt noch weitere Fälle auf, in denen Firmen viele Zugriffsrechte auf den Datenbestand der weltweit über 2,2 Milliarden Mitglieder von Facebook hatten. So habe Amazon die Namen und Kontakte der Nutzer abgreifen können. Die Suchmaschine Bing habe ebenfalls - im Rahmen einer öffentlich durchaus gut bekannten Parnterschaft - sehr weitgehenden Zugriff auf Daten bekommen.

Einige Kooperationen laufen noch

Die Kooperation mit Amazon bestehe noch, sie werde laut dem Onlinehänder aber beendet, heißt es in dem Artikel. Microsoft habe laut Facebook nur Daten erhalten, die von den Nutzern freigegeben worden seien. Das Unternehmen selbst sagt, es habe die Daten gelöscht. Apple sagte der New York Times, dass man sich gar nicht klaren gewesen sei, besonderen Datenzugriff auf Facebook gehabt zu haben, und dass diese Informationen nie die Geräte der Nutzer verlassen hätten.

Facebook hat sich inzwischen mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. Diese erweckt den Eindruck, als wolle das Unternehmen die Angelegenheit herunterspielen. Die meisten Partnerschaften seien öffentlich bekannt gewesen, und es seien nur Daten weitergegeben worden, wenn die Nutzer dem ausdrücklich zugestimmt hätten.

Kleinere Fehler räumt Facebook ein - etwa, dass bestimmte APIs nicht entfernt worden seien, obwohl sie nicht mehr benötigt wurden. Derzeit sei man damit beschäftigt, alle derartigen Schnittstellen und die Partnerschaften zu überprüfen.

Nachtrag vom 19. Dezember 2018, 14:55 Uhr

Netflix hat sich mittlerweile zu den Vorgängen bei Facebook geäußert: "Im Laufe der Jahre haben wir verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, Netflix sozialer zu gestalten. Ein Beispiel dafür war eine Funktion, die wir 2014 starteten. Sie ermöglichte Mitgliedern, Facebook-Freunden Serien und Filme über den Messenger oder Netflix zu empfehlen. Da das Feature nicht gut ankam, haben wir es 2015 wieder abgeschaltet."

In einer Erklärung, die Golem.de vorliegt, schreibt das Unternehmen außerdem: "Zu keinem Zeitpunkt haben wir auf private Nachrichten von Personen auf Facebook zugegriffen oder um die Möglichkeit dazu gebeten."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


demon driver 20. Dez 2018

Der Ansatz ist ja auch im Grundsatz natürlich völlig richtig. Staatlich kontrollierte...

Trollversteher 20. Dez 2018

Dafür gibt es wohl tatsächlich eine relativ einfache Lösung, dazu hat neulich erst einer...

Trollversteher 20. Dez 2018

Geht denn aus den AGBs eindeutig hervor, dass die angeblich "End to End" verschlüsselten...

Yash 20. Dez 2018

Hammer Beitrag um schallend Lachend in den Urlaub zu starten :D



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Nahverkehr für 9 Euro
Das 2,5-Milliarden-Euro-Ticket

Für 9 Euro durch ganz Deutschland - was für die ÖPNV-Reisenden wie ein guter Deal klingt, hat für die Verkehrsunternehmen ein paar Haken.
Ein Bericht von Martin Wolf

Nahverkehr für 9 Euro: Das 2,5-Milliarden-Euro-Ticket
Artikel
  1. Neue Verordnung: Europol wird zur Big-Data-Polizei
    Neue Verordnung
    Europol wird zur Big-Data-Polizei

    Nach dem heutigen Beschluss der EU-Innenminister gilt in den nächsten Tagen das neue Europol-Gesetz. Die Polizeiagentur erhält damit neue Aufgabenbereiche und Befugnisse.
    Eine Analyse von Matthias Monroy

  2. Macht mich einfach wahnsinnig: Kelber beklagt digitale Inkompetenz von VW
    "Macht mich einfach wahnsinnig"
    Kelber beklagt digitale Inkompetenz von VW

    Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hat vor einem Jahr ein Elektroauto bei VW bestellt. Und seitdem nichts mehr davon gehört.

  3. Activision Blizzard: Erste Arbeitnehmervertretung in großem US-Spielestudio
    Activision Blizzard
    Erste Arbeitnehmervertretung in großem US-Spielestudio

    Nach monatenlangem Kampf - spürbar durch Bugs in Call of Duty - hat die QA-Abteilung von Raven Software eine Arbeitnehmervertertung gewählt.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Xbox Series X bestellbar • Samsung SSD 1TB 79€ • LG OLED TV 77" 56% günstiger: 1.099€ • Alternate (u. a. Cooler Master Curved Gaming-Monitor 34" UWQHD 144 Hz 459€) • Sony-Fernseher bis zu 47% günstiger • Cyber Week: Alle Deals freigeschaltet • Samsung schenkt 19% MwSt.[Werbung]
    •  /