Facebook: Du uns auch, Mark

Interessiert es Facebook-Nutzer noch, dass Mark Zuckerberg ihre Daten verkaufen wollte - und dass Netflix, Airbnb, Tinder diese bevorzugt bekamen? Das sollte es.

Ein IMHO von Dirk Peitz/Zeit Online veröffentlicht am
Mark Zuckerberg im April 2018 bei einer Anhörung im US-Abgeordnetenhaus
Mark Zuckerberg im April 2018 bei einer Anhörung im US-Abgeordnetenhaus (Bild: REUTERS/Leah Millis)

Intern verschickte E-Mails möchte man als Unternehmenschef vermutlich nicht veröffentlicht sehen. Vor allem, wenn sie einen Inhalt wie diesen haben. Er habe übers Wochenende viel über das Geschäftsmodell nachgedacht, schrieb Mark Zuckerberg, der Gründer und Chef von Facebook, im Oktober 2012 an einige Kollegen. Und schilderte ihnen eine Idee für ein Tauschgeschäft: Dafür, dass Unternehmen Userdaten einsehen dürften, könne man doch von denen eine Gebühr erheben, zehn Cent zum Beispiel pro Nutzer und Jahr.

Stellenmarkt
  1. IT-Anwendungsbetreuer (m/w/d) Schwerpunkt ERP
    FUCHS & Söhne Service, Berching, Hainichen
  2. Embedded-Entwickler (m/w/d) Bildverarbeitung
    STEMMER IMAGING AG, Puchheim bei München
Detailsuche

Die Firmen müssten gar kein Geld direkt an Facebook zahlen, sondern für den Gegenwert Werbung auf der Social-Media-Plattform schalten oder andersherum Facebook auf deren Onlineplattformen Werbeplätze freiräumen. "Die Gebühr von zehn Cent pro User und Jahr könnte sogar zu niedrig sein", schrieb Zuckerberg. "Spotify zum Beispiel müsste bei der Höhe nur für drei Millionen Dollar pro Jahr bei uns Anzeigen schalten, um mit uns quitt zu sein, Pinterest auch ungefähr."

Gemäß dieser E-Mail wollte Mark Zuckerberg faktisch die persönlichen Daten von Facebook-Nutzern verkaufen. Öffentlich hat Zuckerberg stets abgestritten, dass Facebook so etwas je tun werde oder getan habe. Ob das Tauschgeschäft Daten gegen Werbung eine Idee blieb oder Realität wurde, ist bislang völlig ungeklärt. Facebook selbst wiederholt nun als erste Reaktion den alten Schwur: "Wir haben niemals die Daten von Menschen verkauft." Mark Zuckerberg hat es aber, zeigt sich nun, mindestens intern vorgeschlagen.

Sollten die Social-Media-Plattform und ihr Gründer nach all den größeren und kleineren Datenskandalen, die die Firma in den vergangenen Monaten durchgeschüttelt haben, noch irgendeinen Rest an Glaubwürdigkeit übrig haben bei ihren mehr als zwei Milliarden Nutzern weltweit: Der müsste damit jetzt eigentlich endgültig verbraucht sein. Oder es ist den Leuten längst alles egal.

Eine Einladung ins Unterhaus

Golem Karrierewelt
  1. Jira für Systemadministratoren: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    08./09.09.2022, virtuell
  2. ITIL 4® Foundation: virtueller Zwei-Tage-Workshop
    29./30.08.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Die E-Mail ist Teil einer rund 250 Seiten starken Dokumentensammlung mit Facebook-Interna, die der konservative britische Unterhausabgeordnete Damian Collins am Mittwoch öffentlich gemacht hat (PDF). Die Unterlagen stammen ursprünglich offenbar aus den USA, wo sie bei einem Zivilprozess als Beweismittel unter Verschluss waren, den ein App-Entwickler gegen Facebook angestrengt hat. Die Social-Media-Plattform nennt die Klage "gegenstandslos" und sagt, die Dokumente erzählten "nur einen Teil der Story". Die Echtheit der Unterlagen jedoch zweifelt Facebook nicht an.

Collins ist Vorsitzender des Unterhausausschusses für Kultur, Medien und Sport und würde Zuckerberg gern bei sich im Ausschuss anhören: Der untersucht den Datenskandal, in den die mittlerweile insolvente britische Digitalagentur Cambridge Analytica verwickelt war, die unter anderem im US-Präsidentschaftswahlkampf für die Kampagne von Donald Trump gearbeitet und dafür aus Sicht von Facebook widerrechtlich erworbene Nutzerdaten der Plattform verwendet hat.

Bislang hat sich Zuckerberg dafür nicht nach London bemüht. Man kann die Dokumentenveröffentlichung von Collins also als rabiate Erinnerung an seine Facebook-Event-Einladung verstehen.

Der zweite, für Facebook potenziell noch verheerendere Vorgang, der sich neben der Tauschgeschäftidee von Zuckerberg in den Unterlagen findet, sind Korrespondenzen über und mit Unternehmen wie Netflix, Airbnb und Tinder. Diesen wurde demnach privilegierter Zugang zu Facebook-Nutzerdaten gewährt. Bislang ist unklar, ob Nutzer durch App-Anmeldungen über Facebook oder über Likes von Pages etwa von Netflix womöglich unwissend diesen Datenzugang freigaben - und den für ihren gesamten Freundeskreis noch dazu.

Das Anmeldeprozedere bei der Datingplattform Tinder, das früher nur über Facebook möglich war, konnte einem schon immer merkwürdig vorkommen. Im Gegensatz dazu hat sich der Streamingdienst Netflix stets selbst zugute gehalten, äußerst sensibel mit den Daten der eigenen Abonnenten umzugehen.

Die Apps von Netflix, Airbnb und Tinder gehören zu denen, die sehr viele Menschen sehr oft gebrauchen. Auch diese Unternehmen werden sich nun vor ihren Nutzern rechtfertigen müssen: Wozu wollten sie deren Facebook-Daten und die ihrer Freunde eigentlich haben, und was haben sie mit den Daten gemacht?

Facebook, so sieht es nun aus, zieht auch noch andere Techkonzerne mit in den eigenen Datensumpf, in dem die Firma immer tiefer versinkt. Dass man seine Fehler doch erkannt habe und 2015 die Schnittstelle geschlossen habe, durch die nicht nur die Daten geflossen waren, an die Cambridge Analytica gekommen ist, sondern an der mindestens bis dahin auch Firmen wie eben Netflix und Airbnb auch ordentlich Daten abgezapft haben: Diese Ausrede, die Facebook nun seit den Cambridge-Analytica-Enthüllungen benutzt, wirkt langsam arg abgedroschen. Collins glaubt, belegen zu können, der privilegierte Datenzugang von Netflix, Airbnb und Tinder habe auch nach den Änderungen 2015 noch bestanden.

Womöglich wird Mark Zuckerberg - der in den vergangenen Monaten wiederholt öffentliche Mea-culpa-Runden gedreht hat, vor dem US-Senat ebenso wie vor dem EU-Parlament und vor Journalisten - nun auch Damian Collins' Einladung ins britische Unterhaus folgen. Was er da noch Neues sagen soll, ist eine andere Frage. Vielleicht das hier: "Ich mach meinen Laden dicht."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


mannzi 09. Feb 2019

Etwas lange her aber kurz: Da gibt es smarte Geräte, die viele Daten sammeln und...

SpaceReptile 11. Dez 2018

man könnte meinen das facebook durch diese aussage sagt das sie durchaus daten von...

neocron 11. Dez 2018

"Wenn Golem es ernst meint" ist schon die Ueberschrift dein ernst?

denta 10. Dez 2018

Die eigenen Daten schützen, aber die der Kontakte an Facebook weitergeben lassen? Ohne...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Krieg der Steine
Kopierte Lego-Mini-Figuren dürfen nicht verkauft werden

Lego hat einen Rechtsstreit um Mini-Figuren gegen einen Spielwarenhändler gewonnen, der Figuren aus China verkauft hat.

Krieg der Steine: Kopierte Lego-Mini-Figuren dürfen nicht verkauft werden
Artikel
  1. Smartphones: Xiaomis neues Foldable ist wesentlich günstiger
    Smartphones
    Xiaomis neues Foldable ist wesentlich günstiger

    Das Xiaomi Mix Fold 2 ähnelt dem Samsung Galaxy Fold 4. Es ist ähnlich gut ausgestattet, kostet aber wesentlich weniger Geld.

  2. USA: Tesla stoppt Bestellungen für das Model 3 Long Range
    USA
    Tesla stoppt Bestellungen für das Model 3 Long Range

    In den USA und Kanada übersteigt die Nachfrage nach dem Tesla Model 3 LR das Angebot, so dass Tesla erstmal keine Bestellungen mehr annimmt.

  3. Web Components mit StencilJS: Mehr Klarheit im Frontend
    Web Components mit StencilJS
    Mehr Klarheit im Frontend

    Je mehr UI/UX in Anwendungen vorkommt, desto mehr Unordnung gibt es im Frontend. StencilJS zeigt, wie man verschiedene Frameworks mit Web Components zusammenbringt.
    Eine Anleitung von Martin Reinhardt

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • BenQ Mobiuz EX3410R 499€ • HyperX Cloud Flight heute für 44€ • MindStar (u. a. AMD Ryzen 5 5600X 169€, Intel Core i5-12400F 179€ und GIGABYTE RTX 3070 Ti Master 8G 699€ + 20€ Cashback) • Weekend Sale bei Alternate (u. a. AKRacing Master PRO für 353,99€) [Werbung]
    •  /