Wahrscheinlich kehren die Boykotteure bald zurück

Zu diesen Prinzipien gehört für Facebook auch, auf seiner Plattform jedem eine Stimme zu geben. Selbst wenn sich der Konzern dadurch für die Rechte von Menschen stark macht, denen er eigentlich nicht zustimmt. So steht es auf der Website des sozialen Netzwerks. So lange nicht bewiesen ist, dass Zuckerberg damit nur ein Lippenbekenntnis für die Freiheit der Rede ablegt, ist in einem demokratischen Diskurs davon auszugehen, dass der Facebook-Chef sich und sein Netzwerk wirklich für eine Bastion des demokratischen Grundrechts der Meinungsfreiheit hält.

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Vielleicht hat der Boykott Zuckerberg deshalb bislang nicht dazu bewegt, schärfer gegen Hassrede und politische Desinformation vorzugehen. Facebook hat zwar zugesichert, Falschmeldungen in den drei Tagen vor den US-Präsidentschaftswahlen am 3. November zu löschen, wenn diese Menschen davon abhalten könnten, zu den Urnen zu gehen. Das Netzwerk hat zudem die Konten mehrerer Hundert Anhänger der sogenannten Boogaloo-Bewegung gelöscht. Diese ruft in den USA zum Bürgerkrieg auf.

Außerdem hat Facebook einen Passus in seine Community-Richtlinien aufgenommen, nach dem niemand in dem Netzwerk wegen seiner ethnischen Zugehörigkeit, Nationalität, Religion, sexuellen Orientierung, seiner Kaste, seines Geschlechts oder seiner Geschlechtsidentität oder wegen einer ernsthaften Erkrankung oder Behinderung diffamiert werden darf. In einem Rechtsstaat sind diese Maßnahmen jedoch keine Errungenschaften, sondern eine Selbstverständlichkeit.

Weiter wird sich Zuckerberg trotz des Boykotts wohl nicht bewegen. Am Dienstag verlief ein Treffen mit ihm für die Organisatoren des Boykotts äußerst frustrierend. "Das Meeting, aus dem wir gerade kommen, war eine Enttäuschung", erklärte der Präsident der Bürgerrechtsbewegung Color of Change, Rashad Robinson, direkt im Anschluss. Ähnlich äußerte sich der Geschäftsführer der ADL, Jonathan Greenblatt.

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Finanziell muss sich Facebook auch nicht bewegen. Das Netzwerk hat mehr als acht Millionen Werbekunden. Mit ihren Anzeigen setzte es 2019 über 70 Milliarden US-Dollar um. Die 100 größten Kunden trugen dazu nach Angaben von Facebook nicht mal 20 Prozent bei. Den weit überwiegenden Teil seines Umsatzes erwirtschaftete das Netzwerk mit kleinen und mittelgroßen Unternehmen, die sich dem Boykott bislang nicht angeschlossen haben.

Bei ihrem Marketing können sie auf Facebook gar nicht verzichten. In Deutschland erreichen sie in dem Netzwerk rechnerisch 23 Millionen potenzielle Kunden pro Tag. Facebook kontrolliert damit 95 Prozent des deutschen Online-Reichweitenmarktes.

Auch große Anzeigenkunden haben daher im Grunde keine andere Wahl, als zu dem US-Tech-Konzern zurückzukehren. Die Anleger an der Wall Street haben dies erkannt. Die Aktie des sozialen Netzwerks notiert heute gut drei Prozent höher als vor einem Monat und damit vor dem Beginn des Boykotts.

Auch die Nutzer sind gefordert

Wirklichen Druck auf Zuckerberg und seine Investoren könnten allenfalls die 2,6 Milliarden Nutzer von Facebook ausüben. Das ist immerhin ein Drittel der Weltbevölkerung. Wenn ausreichend Menschen Facebook den Rücken kehren, weil sie keine Lust mehr auf rassistische oder sexistische Kommentare, politische Manipulation und Verschwörungsideologien haben, könnten sie dem Netzwerk ernsthaften Schaden zufügen.

Natürlich blieben Facebook diejenigen Nutzer erhalten, die ihrem Hass dort ungezügelt Ausdruck verleihen können. Selbstverliebte Pöbler wird es immer geben. In deren verbohrten Filterblasen bliebe das Netzwerk die zentrale Kommunikationsdrehscheibe. Wie attraktiv diese Zielgruppe für Werbetreibende dann noch wäre, das bliebe allerdings abzuwarten.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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 Facebook-Boykott: Imagepflege zum Nulltarif
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Westerwald 15. Jul 2020

Das gilt nicht nur für Firmen, die Facebook nur als Werbeplattform benutzen, um Geld zu...

Trollversteher 15. Jul 2020

Bitte? Alleine nach dieser (auch nicht zu 100% vollstaendigen) Liste sind es in den...

Trollversteher 15. Jul 2020

Hier geht es aber doch nicht um persoenliche Streitereien, die zwischen zwei einzelnen...

Hotohori 10. Jul 2020

Ja, die andere Seite der Extreme kann exakt genauso nerven. Weil Extremisten schießen...



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