Facebook antwortet mit Werbung und Spam

Seit der Entscheidung der Regulierungsbehörde haben sich die Fronten zwischen Facebook und den Kritikern verhärtet. In einem Gastbeitrag in der Times of India verteidigt Facebooks CEO Mark Zuckerberg die Initiative. Er weist darauf hin, dass die Hälfte aller Free-Basics-Nutzer innerhalb von 30 Tagen zum vollen, bezahlten Internetzugang upgraden. Das Projekt sei demnach "eine Brücke zur digitalen Gleichheit" und selbst ein eingeschränktes Internet sei immer noch besser als gar keines. Zuckerberg vergleicht das Projekt mit Bibliotheken, die ja auch nicht jedes Buch enthalten, aber trotzdem Wissen vermitteln. Gleichzeitig sei es "falsch zu behaupten", Free Basics führe zu einem walled garden und verstoße gegen die Netzneutralität.

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Um die Bevölkerung auf seine Seite zu ziehen, hat Facebook zuletzt großflächige Plakatwerbung in Indiens Städten angebracht und mehrseitige Advertorials mit statistisch fragwürdigen Aussagen in den Tageszeitungen geschaltet. Ein Aufruf an die indischen Nutzer der Facebook-App sorgte zudem dafür, dass ohne deren ausdrückliche Zustimmung eine Nachricht an Trai versendet wurde, um sich für Free Basics auszusprechen. Wie die Behörde bekanntgab, hat sie 1,9 Millionen Antworten über diese Kampagne bekommen - aber kaum eine, die auf die eigentlichen Fragen eingeht: nämlich ob die Telekommunikationsanbieter Angebote wie Free Basics erlauben sollen.

In einem offenen Brief reagierten mehrere Datenschutz- und Bürgerrechtsorganisationen mittlerweile auf Facebooks Bemühungen. Sie sagen, das Unternehmen versuche, die Öffentlichkeit gegen das Prinzip der Netzneutralität zu instrumentalisieren. Andere Stimmen sind gemäßigter. In einem Gastbeitrag auf dem IT-Portal Techcrunch schreibt der Unternehmer Hassan Baig, die Kritik an Free Basics sei häufig überzogen und bloß aus Prinzip gegen Facebook gerichtet. Das Projekt habe zwar durchaus einige Probleme, die sich aber beheben lassen, wenn man es erst einmal weiterdenkt, schreibt Baig. Und zumindest diese Diskussion habe Free Basics in Indien angeregt.

Der Deckmantel der Gemeinnützigkeit

Das sieht auch der Autor Cory Doctorow ähnlich. Wenn er die Bewegung in Indien nun mit den erfolgreichen westlichen Protesten gegen Sopa vergleicht, dann aus gutem Grund. Wie im Fall von Sopa geht es in der Debatte um Free Basics um mehr als um ein einzelnes Gesetz oder ein Projekt. Entwicklungs- und Schwellenländer zählen zu den wichtigsten Zukunftsmärkten für Unternehmen wie Facebook und Google. Deshalb investieren sie viel Geld in Startups, in mobiles Internet über Drohnen und Ballons oder eben in Initiativen wie Free Basics. Ob das Projekt in Indien scheitert oder erfolgreich ist, könnte auch die rund 35 anderen Länder beeinflussen, in denen Facebook zurzeit aktiv ist.

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Wie im Fall von Sopa sind es die Auswirkungen von Free Basics, vor denen die Aktivisten und Kritiker warnen. Selbst wer Facebooks Ansicht vertritt, dass ein eingeschränktes Internet immer noch besser als keines sei, sollte nicht die längerfristigen Konsequenzen vergessen. Nämlich, dass die großen Internetkonzerne unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit eine neue Infrastruktur etablieren könnten, die eines Tages zum Standard wird. Was mit Free Basics beginnt, könnte der erste Schritt zum Facebook-Internet sein, einer Plattform mit ausgewählten Diensten und Websites, die allesamt Teil des größeren Facebook-Universums ist. Dass einige Menschen Umfragen zufolge schon jetzt das Internet mit Facebook gleichsetzen, zeigt, dass dieses Szenario nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist.

Im Wettbewerb um "die nächste Milliarde", wie die kommenden Internetnutzer in Schwellenländern häufig genannt werden, kann Indien deshalb eine entscheidende Rolle spielen. Im besten Fall gelingt es den Bürgern, Facebook und andere IT-Unternehmen an einen Tisch zu bringen und darüber zu diskutieren, wie man den Menschen ein Internet bieten kann, das eben nicht nur kostenlos, sondern frei und offen ist.

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 Facebook: "Armes Internet für arme Menschen"
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