Facebook-Anhörung: Wie Facebook seine Kritiker bekämpfte

Den Facebook-Chefs Mark Zuckerberg und Sheryl Sandberg scheint die Kontrolle über ihr Unternehmen zu entgleiten. Recherchen der New York Times zeigen, wie sie Skandale unterschätzten und mit aggressivem Lobbying reagierten.

Artikel von veröffentlicht am
Facebook-COO Sheryl Sandberg wird in kein gutes Licht gerückt.
Facebook-COO Sheryl Sandberg wird in kein gutes Licht gerückt. (Bild: Joshua Roberts/Reuters)

Es war ein PR-Desaster für Google: Während die Chefs von Facebook und Twitter Anfang September dem US-Kongress Rede und Antwort standen, glänzte die Spitze des Suchmaschinenkonzerns demonstrativ durch Abwesenheit. Mit am meisten dürfte sich Facebook-COO Sheryl Sandberg über den Google-Fauxpas gefreut haben. Denn laut einer Recherche der New York Times soll Facebook darauf gedrängt haben, die Konkurrenz ebenfalls einzuladen. Nun beherrschte Google die Schlagzeilen und nicht das eigentliche Thema: die mögliche Einmischung Russlands in die Präsidentenwahl 2016 über die sozialen Netzwerke in den USA.

Inhalt:
  1. Facebook-Anhörung: Wie Facebook seine Kritiker bekämpfte
  2. Neuer Ärger durch Cambrigde Analytica

Für den Bericht sprach das Blatt mit 50 Personen, darunter frühere und aktuelle Facebook-Mitarbeiter, Lobbyisten und Abgeordnete sowie Regierungs- und Kongressmitarbeiter. Der Artikel zeichnet das Bild eines Unternehmens, in dem Firmenchef Mark Zuckerberg und Sandberg zunehmend den Überblick über das Netzwerk mit seinen mehr als zwei Milliarden Nutzern verloren haben. Besonders deutlich sei das bei den Krisen der vergangenen Jahre geworden: Von der Unterwanderung Facebooks durch russische Trollfabriken über die tödlichen Gewaltaufrufe in Myanmar bis hin zum Skandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica. Mit ihrem Fokus auf Wachstum hätten beide Warnzeichen ignoriert und anschließend zu vertuschen versucht.

Facebook-Chefs als Datenkraken

"Während Zuckerberg sich im vergangenen Jahr auf eine öffentliche Entschuldigungstour begab, hat Sandberg eine aggressive Lobbykampagne durchgeführt, um Facebooks Kritiker zu bekämpfen, die öffentliche Empörung auf Konkurrenzunternehmen zu verlagern und nachteilige Regulierungen abzuwehren", schreibt das Blatt. Facebook habe eine republikanische Oppositionsforschungsfirma eingesetzt, um Datenschutzaktivisten zu diskreditieren, indem sie mit dem liberalen Finanzier und Mäzen George Soros in Verbindung gebracht wurden.

Sandberg habe ihre Kontakte zudem genutzt, um eine jüdische Bürgerrechtsgruppe zu dem Statement zu bewegen, dass die Darstellung der beiden jüdischen Facebook-Chefs als Datenkraken antisemitisch sei. Ein Mitarbeiter des Open-Market-Instituts, das sich gegen Firmenmonopole einsetzt, kritisierte auf Twitter die "konspirativen Angriffe" Sandbergs gegen den kleinen Verband mit gerade einmal zehn Mitarbeitern.

Stellenmarkt
  1. IT Generalist (m/w/d)
    Hays AG, Göppingen
  2. IT Systemadministrator (m/w/d)
    htp GmbH, Hannover
Detailsuche

Sehr viel Energie verwandte Facebook ebenfalls darauf, eine Regulierung oder gar Zerschlagung des Unternehmens durch den US-Kongress zu verhindern. Dazu nutzten die Firmenlobbyisten ihre guten Kontakte in beide Parteien. Um Entgegenkommen zu zeigen, habe Facebook beispielsweise eine Gesetzesinitiative unterstützt, die Internetfirmen verantwortlich für Anzeigen im Zusammenhang mit Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung macht. Facebook sei dazu sogar aus der Allianz mit anderen IT-Konzernen ausgeschert, um die Beziehungen zu den Abgeordneten wieder zu verbessern, berichtete das Blatt unter Berufung auf mehrere eingeweihte Personen. Sandberg persönlich soll es gelungen sein, dass die demokratische Senatorin von Minnesota, Amy Klobuchar, ihre Facebook-Kritik vorübergehend einstellte.

Erkenntnisse verschleiert

Der frühere Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos soll bereits im Frühjahr 2016 auf Aktivitäten russischer Agenten auf Facebook aufmerksam geworden sein. Anschließend habe er auf eigene Faust ein Team gebildet, um tiefer in das Netzwerk einzusteigen. Doch erst im Dezember 2016 habe die Firmenspitze davon erfahren. Kurz nachdem Zuckerberg die mögliche Beeinflussung der Wahl durch Fake-News auf Facebook brüsk zurückgewiesen hatte.

Doch selbst nachdem das Ausmaß der russischen Beeinflussung immer klarer geworden sei, habe Facebook versucht, die Erkenntnisse weiter zu verheimlichen, um republikanische Politiker und die eigenen Nutzer nicht zu verprellen. Einer Konfrontation sei das Unternehmen auch aus dem Weg gegangen, als der damalige Präsidentschaftskandidatenbewerber Donald Trump forderte, sämtlichen Muslimen die Einreise in die USA zu untersagen. Trotz der zunehmenden Gefahr durch Hassreden in dem sozialen Netzwerk sei das Posting nicht gelöscht worden. "Man solle den Bären nicht reizen", warnte Cheflobbyist Joel Kaplan.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Neuer Ärger durch Cambrigde Analytica 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Internet im Van
Mein perfekt funktionierendes Wald-Office

In meinem Büro auf Rädern gibt es sechs Internetverbindungen. Sieben, wenn Starlink dazukommt. Habe ich damit das beste Internet Australiens?
Eine Anleitung von Geoffrey Huntley

Internet im Van: Mein perfekt funktionierendes Wald-Office
Artikel
  1. Linux-Smartphone: Pinephone Pro bekommt ein Hexa-Core-SoC
    Linux-Smartphone
    Pinephone Pro bekommt ein Hexa-Core-SoC

    Das Pinephone Pro soll deutlich mehr Leistung bieten als das erste Linux-Smartphone der Pine64-Community. Möglich macht das ein Rockchip-SoC.

  2. Aus für Confluence Server - diese Alternativen gibt es 
     
    Aus für Confluence Server - diese Alternativen gibt es 

    Im Februar wurde der Verkauf von Confluence Server eingestellt, bald endet auch der Support. Was betroffene Kunden tun können und welche Alternativen zur Verfügung stehen.
    Sponsored Post von KontextWork

  3. Internationale Raumstation: Russisches Filmteam zurück auf der Erde
    Internationale Raumstation
    Russisches Filmteam zurück auf der Erde

    Auf der Internationalen Raumstation ISS wurde zum ersten Mal ein abendfüllender Film gedreht. Das Filmteam ist nun sicher auf der Erde gelandet.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Cyber Week: Bis zu 360€ auf Gaming-Monitore & bis zu 22% auf Be Quiet • LG-TVs & Monitore zu Bestpreisen (u. a. Ultragear 34" Curved FHD 144Hz 359€) • Bosch-Werkzeug günstiger • Dell-Monitore günstiger • Mehrwertsteuer-Aktion bei MM: 19% auf viele Produkte [Werbung]
    •  /