EZB-Analysten: Einbruch bei KI-Aktien auch ohne Blase zu erwarten
Aktien, die in irgendeiner Weise mit dem KI-Boom zusammenhängen, erleben seit Monaten einen Höhenflug. Die aktuelle Entwicklung wird dabei oft mit historischen Überbewertungen wie der Dotcom-Blase oder dem Eisenbahn-Boom in den USA verglichen.
Optimisten halten entgegen, die heutige Situation sei anders, die KI-Unternehmen, welche den Boom trügen, generierten schließlich Umsätze. Die Rallye gehe also weiter.
Eine Analystengruppe der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster) zu einem verblüffenden Ergebnis: Es sei vollkommen egal, ob die aktuellen Bewertungen rational seien oder nicht, ein Einbruch der Aktienwerte sei in jedem Fall zu erwarten. Während ein Kurseinbruch im Falle einer Blase intuitiv wäre, ist die Begründung hier etwas komplexer.
Die Finanzexperten argumentieren aus gesamtwirtschaftlicher Sicht: Mit der erfolgreichen Adaption einer Technologie, in diesem Fall KI, verlagere sich das Risiko von wenigen Unternehmen auf die gesamte Wirtschaft. Gehe dann etwas schief, komme es zu breiten Verlusten, die sich nicht auffangen ließen. Entsprechend erhöhten Investoren ihren Risikoaufschlag.
Historisch folgt auf Boom ein Einbruch
Konkret bedeutet das: Investoren geben sich nicht mehr mit den aktuell teils immens hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen (Price-to-Earnigs Ratio) zufrieden.
Den Schluss, dass unabhängig von der Korrektheit der Unternehmensbewertungen ein Einbruch zu erwarten sei, belegten historische Boom-Bust-Zyklen, erklären die Analysten. Einzig ein überproportionales Gewinnwachstum könne einen Kurseinbruch verhindern. Dies scheinen die Experten aber für unwahrscheinlich zu halten, da dieses Szenario nicht weiter diskutiert wird.
Sie halten jedoch auch fest, dass trotz erwarteter Kurskorrektur auf lange Sicht ein Wertzuwachs der Aktien möglich sei. Eine Prognose, wann mit einem Einbruch zu rechnen sei, machen sie nicht. Dies sei stets nur rückblickend möglich, Investoren sollten sich aber darauf vorbereiten.
Einbruch würde auch Europa treffen
Ein Einbruch der Aktien mit KI-Bezug, der sogenannten Magnificient Seven (g+) – Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla – träfe besonders die USA stark. Aber auch in Europa wären die Auswirkungen spürbar. So besitzen Privatanleger den Angaben zufolge etwa 440 Milliarden Euro allein in ETFs, die Anteile der Magnificient Seven halten.
Die Fonds wiederum seien selber ein Problem, da sie bei anhaltend sinkenden Kursen zum Verkauf unter Druck geratener Anteile gezwungen seien. Das wiederum könne den Abwärtstrend verstärken.
Nach Privatinvestoren haben Versicherungen und Pensionsfonds am stärksten über Fonds in die Magnificient Seven investiert. Die Analysten kommen auf rund 280 und 200 Milliarden Euro, die hier gefährdet seien.
Bei direkten Investitionen sind Investmentfonds mit fast 900 Milliarden Euro führend. Privatanleger kommen auf nur rund 150 Milliarden Euro.
Für Aktien europäischer Unternehmen erwarten die Analysten keinen allzu großen Einbruch. Hier dominierten klassische Industrien und auch im IT- und Telekommunikationssekt seien die Bewertungen relativ moderat. Als größere Gefahr wird gesehen, dass die Politik, anders als zu Zeiten der Dotcom-Blase, nach Jahren der Krise Marktinstabilitäten nicht ausreichend auffangen könne.
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