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Eyeborg: Wie klingt ein Sonnenuntergang?

Er hört Warhol-Pop, Picasso-Jazz und in jedem Supermarkt die Filmmusik zu seinem Leben: Der Cyborg Neil Harbisson hört Farben, die er nicht sehen kann. Nachts träumt er Klänge, auch ohne seinen Eyeborg.

Artikel veröffentlicht am ,
Der Cyborg Neil Harbisson hört Farben.
Der Cyborg Neil Harbisson hört Farben. (Bild: Michael Wieczoreck/Golem.de)

Wenn Neil Harbisson vom Meer träumt, hört er den Strand in einem satten G leuchten, die Wellen glitzern in C. Dann geht die Sonne in herrlichen Tönen von G bis Fis bis F unter. Harbisson sieht Farben nicht, er hört sie, selbst im Schlaf. Harbisson leidet unter Achromatopsie, so lautet die klinische Bezeichnung für Farbenblindheit, er sieht nur Schwarz, Weiß und Grautöne. Deshalb hat er ein Gerät entwickelt, das die Farben für ihn in Synthesizer-Klänge übersetzt - und seitdem er seinen Eyeborg fest an seinem Schädelknochen hat anbringen lassen, gilt er als erster offiziell anerkannter Cyborg. "Mein Gehirn ist inzwischen mit dem Eyeborg verschmolzen", sagt Harbisson.

Inhalt:
  1. Eyeborg: Wie klingt ein Sonnenuntergang?
  2. 'Einen Picasso hören und einen Mozart sehen'

Der Eyeborg sieht aus wie eine Träne, die an einem dünnen Bügel vor Harbissons Stirn baumelt. In der Mitte ist ein Sensor zu sehen. Das andere Ende des Bügels ist am Schädelknochen an der Rückseite seines Kopfs angebracht. Der Sensor registriert die Farben, die Harbisson um sich herum nicht sehen kann. Sie werden vom Eyeborg in Töne verwandelt, die über den Schädelknochen übertragen werden. Sonochromatismus oder Sonochromatopsie heißt das.

Die Klänge umfassen fast eine Oktave, sieht er Violett ertönt ein D, hat er ein rotes Hemd vor Augen hört Harbisson ein F. Die Töne werden stufenlos wiedergegeben, so kann er gemischte Farbtöne unterscheiden. Das Eyeborg klingt auch anders je nach Farbsättigung. Sind es viele Farbtupfer, registriert das Eyeborg die Farbe, die sich daraus ergibt, wie beim Herauszoomen aus einem Digitalfoto.

Konzerte im Supermarkt

Mit dem Eyeborg hat sich Harbissons Umwelt weit mehr verändert, als er es erwartet hat. Jede Stadt, durch die er wandert, hat einen anderen Klang. Supermärkte verwandeln sich in Nachtclubs, Gemälde werden zu Sonaten, Symphonien. "Ich kann einen Picasso oder einen Andy Warhol hören", sagt Harbisson. Inzwischen bereitet er sein Essen so zu, dass daraus kleine Musikstücke entstehen. Seine Freundin Moon Ribas trägt auf der Re:publica 2013 ein Kleid mit verschiedenen Farbstreifen. Sieht er sie von oben nach unten an, ertönt das Lied Moon River.

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Musikalisch sei er schon als Kind gewesen, sagt Harbisson. Er lernte Klavierspielen, die schwarzen und weißen Tasten konnte er ja trotz seiner Farbenblindheit gut erkennen. Harbisson wollte aber Farben wahrnehmen, wollte wissen, ob eine französische, belgische oder italienische Fahne weht oder ob er gerade den Heißwasser- oder den Kaltwasserhahn aufdreht. So kam dem Hacker die Idee für den Eyeborg.

Er habe mehr als fünf Monate gebraucht, um einzelne Töne den jeweiligen Farben zuzuordnen, sagt er. Da sein erster Eyeborg noch mit Kopfhörern funktionierte und er dadurch zwar die Farbklänge, aber sonst nur wenig hörte, verlor Harbisson zudem einen seiner wichtigsten Sinne. "Anfangs war es reine Kakophonie." Er bekam Kopfschmerzen. Doch irgendwann begann er, sogar Töne in seinen Träumen zu hören: "Ich träume in Schwarzweiß, aber ich höre dabei Farben." Auf einem Schwarzweißfoto eines Strands samt Himmel steuert sein Gehirn automatisch den richtigen Klang bei. "Mein Gehirn erzeugt inzwischen die Klänge, nicht die Software", sagt er.

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'Einen Picasso hören und einen Mozart sehen' 
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oBsRVr666 15. Mai 2013

... and Felatio von einem (männlichen) Alien denken musste?

Anonymer Nutzer 14. Mai 2013

es hat eine Auflösung von 1Pixel, was soll da möglich sein?

tibrob 13. Mai 2013

+1 YMMD :)

RhinigtasSalvex 11. Mai 2013

Aber apropos so ein ding kaufen^^ Er hat das ja selbst gemacht oder jedenfalls teilweise...

Hotohori 10. Mai 2013

Ich bezweifle, dass man solche Apps damit wirklich vergleichen kann. Für mich macht das...


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