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Exynos 2200 im Test: Die RDNA2-Grafik schneidet schwach ab

Bei der Performance überzeugt die von AMD lizenzierte Grafik des Exynos 2200 nicht: Europäer erhalten das klar langsamere Galaxy S22 .
/ Marc Sauter
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Exynos 2200 im Test (Bild: Samsung)
Exynos 2200 im Test Bild: Samsung

Seit der Ankündigung, dass Samsung mit AMD für die Grafikeinheit eines Smartphone-SoCs zusammenarbeiten wird, sind knapp drei Jahre vergangen und mittlerweile ist das Resultat im Handel: Der Exynos 2200 steckt in drei Modellen, zumindest hier in Europa. Es findet sich im Galaxy S22, im Galaxy S22+ und im Galaxy S22 Ultra. In Nordamerika hingegen wird ein Snapdragon 8 Gen1 verbaut, der aber von Qualcomm stammt.

Die Erwartungen an die auf der lizenzierten RDNA2-Technik der Radeon RX 6000 basierende Exynos-Grafik waren hoch. Die als Xclipse 920 bezeichnete GPU ist - zumindest was ihre absolute Leistung anbelangt - unseren Benchmarks zufolge signifikant langsamer als die Adreno 730 im Snapdragon 8 Gen1. Diese hat allerdings von Qualcomm drastische Verbesserungen verglichen mit ihrer Vorgängerin erhalten.

Wie genau die Implementierung der Xclipse 920 aussieht, hat Samsung nicht verraten - weder wie viele Compute Units rechnen noch wie hoch der Takt der GPU ausfällt. Unbestätigten Meldungen zufolge werden die gewünschten Frequenzen aufgrund der Hitzeentwicklung des SoCs nicht erreicht, weshalb sie deutlich niedriger ausfallen sollen als einst geplant. Die Performance der Grafikeinheit und das Throttling-Verhalten legen tatsächlich nahe, dass dem so sein könnte.

Abstand zum Vorgänger eher gering

Für Ernüchterung sorgte Samsung bereits bei der Präsentation der Galaxy S22, dort war von einem GPU-Leistungsplus von durchschnittlich 17 Prozent die Rede. Wie unsere Benchmarks zeigen, schneidet die Xclipse 920 des Exynos 2200 je nach Test zwischen +14 Prozent und +21 Prozent besser ab als die Mali-G78-MP14 des Exynos 2100. Die Adreno 730 hingegen liegt mit +36 Prozent bis +57 Prozent meilenweit vorne, egal wo.

Spezifikationen des Exynos 2200 *TOPS von CPU+GPU+DSP+NPU
Snapdragon 8 Gen1 Exynos 2200 Exynos 2100
Fertigung Samsung 4 nm EUV Samsung 4 nm EUV Samsung 5LPE
CPU (1+3+4) X2 @ 3,0 GHz / A710 @ 2,5 GHz / A510 @ 1,8 GHz X2 @ 2,8 GHz / A710 @ 2,5 GHz / A510 @ 1,7 GHz X1 @ 2,9 GHz / A78 @ 2,8 GHz / A55 @ 2,2 GHz
Grafik Adreno 730 Xclipse 920 Mali-G78-MP14
AI-Perf (?) 52 TOPS 26 TOPS
SLC 4 MByte (?) 6 MByte
Speicher LPDDR5-6400 @ 64 Bit LPDDR5-6400 @ 64 Bit LPDDR5-6400 @ 64 Bit
ISP (Foto) 200 MPix / 64+36 MPix 200 MPix / 64+36 MPix 200 MPix / 32+32 MPix
ISP (Video) 8K60 Decode, 8K30 Encode, H.265 8K60 Decode, 8K30 Encode, AV1 8K60 Decode, 8K30 Encode, AV1
5G-Modem 10 GBit/s down & 3,5 GBit/s up 7,35 GBit/s down & 3,67 GBit/s up 5,1 GBit/s down & 1,92 GBit/s up

Hinsichtlich des Throttlings entscheidet neben der Leistungsaufnahme des Chips auch das Design des Smartphones mit. Hier schlägt sich das Galaxy S22 Ultra in etwa wie erwartet: Im Stress-Test des 3DMark Wild Life Unlimited erreicht das Gerät eine Stabilität von 57 Prozent, der Score fällt also nach 20 Durchgängen etwas mehr als halb so hoch aus wie beim initialen Run; die absolute Performance ist wie gehabt weit unterhalb der des Snapdragon 8 Gen1 angesiedelt.

Besser sieht es für den Exynos 2200 bei der CPU-Geschwindigkeit aus, denn das 1+3+4-Cluster-Design entspricht dem des Qualcomm-SoC, wenngleich bei leicht geringeren Taktraten. Folgerichtig ist der Snapdragon 8 Gen1 im Geekbench und im PCMark kaum flotter. Die Differenz fällt mit +2 Prozent (ST) über +4 Prozent (MT) bis +13 Prozent (Work 3.0) überschaubar aus; im Alltag sind keine Unterschiede spürbar.

Fazit

Mit dem Exynos 2200 hat Samsung einen Chip veröffentlicht, dessen RDNA2-basierte Grafik mit großer Spannung erwartet wurde. Zumindest deren Performance überzeugt in der Implementierung als Xclipse 920 nicht, der Vorsprung des Snapdragon 8 Gen1 fällt immens aus. Damit führt Samsung eine fast schon traurige Tradition fort: Die Galaxy-Modelle in Europa nutzen erneut das (deutlich) langsamere SoC.

Abseits der GPU steht der Exynos 2200 hingegen gut da: Die Prozessorleistung ist auf dem Niveau der Konkurrenz und angesichts der identischen 4-nm-EUV-Fertigung sollte auch die Effizienz vergleichbar sein, sofern Samsung beim CPU-Cluster keine groben Fehler begangen hat. Für den Exynos 2200 spricht zudem, dass AV1 decodiert werden kann - wer oft Videos schaut, dürfte hiervon wahrscheinlich profitieren.

Weil uns derzeit kein US-Modell eines Galaxy S22(+) oder S22 Ultra vorliegt, können wir nur mutmaßen, ob die Gaming-Akkulaufzeit mit einem Snapdragon 8 Gen1 statt eines Exynos 2200 besser oder schlechter ausfällt. Viele Spiele reizen die GPU-Leistung aufgrund einer begrenzten Framerate allerdings nicht aus, der Samsung-Chip könnte somit unter diesen Bedingungen durchaus effizienter sein.

Adreno und Xclipse haben etwas gemein

Sowohl die initiale Adreno- als auch die an Samsung lizenzierte Xclipse-Technik stammen beide von AMD, denn Qualcomm hatte einst deren Handheld-Sparte samt Personal übernommen; aus diesem Grund ist Adreno ein Anagramm von Radeon.


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