Express Cards im ÖPNV: US-iPhone-Nutzer können bald Power Reserve testen

Für kontaktlose Zahl- oder Check-in/-out-Vorgänge braucht es nicht zwingenderweise ein gebootetes iOS. Wer ein modernes iPhone hat, kann das nach Japan bald im ÖPNV der USA ausprobieren. Hierzulande ist so ein System nicht absehbar.

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Express Cards, hier die Suica an einem japanischem IC-Gate, lassen sich bald in den USA nutzen.
Express Cards, hier die Suica an einem japanischem IC-Gate, lassen sich bald in den USA nutzen. (Bild: Apple)

Express Card with Power Reserve wird bald in den USA im ÖPNV nutzbar sein, das schreibt die gewöhnlich gut unterrichtete Webseite Ata Distance. Bei Express Card with Power Reserve handelt es sich um ein iPhone-Xs/Xr-spezifisches System, das eine Smartcard-Emulation auch ohne Betriebssystem weiter betriebsfähig hält. Der typische Einsatzzweck ist der Ausfall der Energieversorgung. Wenn das Betriebssystem nicht mehr arbeiten kann, bleibt der NFC-Chip trotzdem für fünf weitere Stunden aktiv. Gerade im ÖPNV ist das wichtig, falls der Akku einen kritischen Energiestand erreicht, während der Nutzer noch unterwegs ist.

Laut Ata Distance werden zwei US-Systeme die Funktion unterstützen. Das ist zum einen das noch ziemlich neue Hop-System in Portland im Bundesstaat Oregon. Zum anderen ist es das etablierte Ventra-System im Nahverkehr von Chicago (Illinois). Letzteres wird aber erst zum Jahresende aktiv werden. Beide Städte haben ein für die USA vergleichsweise gut ausgebautes ÖPNV-System. Hop und Ventra sind die ersten US-Systeme, die Apple unter Tap and Pay klassifiziert. Es muss also keine virtuelle Karte ausgewählt werden. Stattdessen werden diese Karten im Betriebssystem als Express Cards definiert.

Sogenannte Expresskarten funktionieren auf iPhones (7, 8, X, Xs, Xr) ohne Nutzerbestätigung. Manche Smartphone-Modell-Kartenkombinationen funktionieren aber nicht in allen Ländern. Die Unterstützung von ÖPNV-Karten ist durch die Express-Card-Funktion praktischer als das übliche Apple-Pay-Verfahren, das mit anderen Verkehrsunternehmen praktiziert wird. Erfahrungen gibt es dazu erst in Japan und China. Apple Deutschland beschreibt das Verfahren bereits in deutscher Sprache und bietet sogar Informationen zu Power Reserve. Power Reserve wird im Deutschen teils Gangreserve und teils Leistungsreserve genannt.

Wer in den USA ist und die Systeme ausprobieren möchte, sollte noch etwas beachten, wenn ein iPhone X zum Einsatz kommt. Ata Distance weist darauf hin, dass einige Chargen des Geräts Probleme mit NFC haben, die sich vor allem bei schnellen Check-in- und Check-out-Systemen bemerkbar machen.

Auch in Deutschland gibt es mit dem E-Ticket Deutschland ein deutschlandweites Smartcard-System für den öffentlichen Personennahverkehr. Doch das System ist in nur wenigen Verbünden überhaupt für das spontane Bezahlen von Fahrten ausgebaut worden und nicht zwischen Verbünden einsetzbar. Meist ist nur ein elektronischer Fahrschein gespeichert. Check-in- und Check-out-Systeme auf Abbuchungs- oder gar Guthabenbasis sind nur in wenigen Verbünden aktiv, die zudem wenige Fahrgäste haben. Oft müssen die Karten zudem bestellt und mit einem Gehaltskonto verknüpft werden.

Zudem krankt das E-Ticket-Deutschland-System noch immer an der sehr niedrigen Geschwindigkeit, was die Einsatzfähigkeit einschränkt. Es kann durchaus passieren, dass ein Lesevorgang circa zwei Sekunden dauert. Gute Systeme schaffen eine Sekunde. Aber selbst das ist für Schrankensysteme zu langsam. Zum Vergleich: Japans Systeme (Suica, Icoca, Okica, Paspy und weitere) brauchen grob nur ein Zehntel der Zeit.

Schließlich müsste Apple das System erst einmal per NFC bereitstellen. Doch da gibt es viele unterschiedliche Systeme. Wie viel Aufwand das weltweit bedeutet, beschreibt eine vierteilige, aufschlussreiche Serie von Ata Distance zu den unterschiedlichen Kommunikationssystemen wie EMV, Felica, Mifare oder PBOS, die per NFC-Karten-Emulation umgesetzt werden können.

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