Exportkontrolle: KI-Server illegal nach China geschmuggelt
US-Behörden haben eine Anklageschrift gegen drei Männer entsiegelt, denen die illegale Ausfuhr von Hochleistungs-KI-Servern nach China vorgeworfen wird. Laut dem US-Justizministerium(öffnet im neuen Fenster) sollen Yih-Shyan "Wally" Liaw, Ruei-Tsang "Steven" Chang und Ting-Wei "Willy" Sun systematisch US-Exportkontrollen umgangen haben, um sensible Technologie für künstliche Intelligenz an chinesische Abnehmer zu liefern. Liaw ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied eines börsennotierten US-Serverherstellers.
Zwischen 2024 und 2025 soll die Gruppe über eine Tarnfirma in Südostasien Server im Gesamtwert von rund 2,5 Milliarden US-Dollar bestellt haben. Die Hardware, die mit leistungsstarken Grafikprozessoren ausgestattet war, wurde offiziell für den Verbleib in Südostasien deklariert. Tatsächlich wurden die Geräte laut Anklage jedoch in neutrale Kartons umgepackt und direkt nach China weitergeleitet. Allein zwischen Ende April und Mitte Mai 2025 seien so Server im Wert von 510 Millionen US-Dollar illegal exportiert worden.
Täuschung des US-Handelsministeriums
Um die internen Compliance-Abteilungen des Herstellers und die US-Handelsbehörden zu täuschen, griffen die Beschuldigten zu ungewöhnlichen Methoden. Bei einem internen Audit im August 2025 platzierten sie Tausende Dummy-Server in Lagerhäusern. Dabei handelte es sich um nicht funktionsfähige Repliken, die das Vorhandensein der Ware vortäuschen sollten, während die echten Server längst in China im Einsatz waren.
Dieselbe Taktik wurde angewandt, um eine Inspektion durch das US-Handelsministerium zu manipulieren. Überwachungskameras hielten fest, wie die Männer Haartrockner nutzten, um Seriennummern und Sicherheitssiegel von Originalkartons zu lösen und auf die Attrappen sowie deren Verpackungen zu übertragen. Die Kommunikation über die Mengen und Zielorte in China erfolgte laut den Ermittlern über verschlüsselte Messaging-Apps.
Nationale Sicherheit gefährdet
Die US-Regierung wertet den Vorfall als erhebliches Risiko für die nationale Sicherheit. Das Handelsministerium erließ strikte Lizenzanforderungen für den Export von KI-Beschleunigern nach China und Hongkong, da diese Technologien maßgeblich zum militärischen Potenzial beitragen können. Die betroffenen Server hätten ohne ausdrückliche Genehmigung niemals exportiert werden dürfen.
Liaw und Sun wurden bereits festgenommen, während Chang weiterhin flüchtig ist. Den Männern drohen bei einer Verurteilung wegen Verschwörung zum Verstoß gegen den Export Controls Reform Act sowie wegen Schmuggels und Betrugs bis zu 20 Jahre Haft.