Experiment: Park mit Gesichtserkennung überwacht

Die New York Times zeigt in einer Reportage, wie einfach sich ein Park mit Gesichtserkennungssoftware überwachen lässt - für unter 100 US-Dollar.

Artikel veröffentlicht am ,
Ein Screenshot der Bryant-Park-Webcam - aus Datenschutzgründen ohne Personen
Ein Screenshot der Bryant-Park-Webcam - aus Datenschutzgründen ohne Personen (Bild: Webcam-Screenshot)

Die US-Zeitung New York Times weiß, wer an einem Tag im März durch den New Yorker Bryant Park flaniert oder gehetzt ist. Die Journalisten glichen die Videobilder der Park-Webcams mit den Bildern der Mitarbeiter auf Webseiten von Firmen ab, die ihren Sitz in der Nähe des Parks haben. Mit dem Experiment will die Zeitung zeigen, wie einfach es in den USA ist, ein Überwachungssystem mit Gesichtserkennung zu errichten.

Stellenmarkt
  1. Fachgebietsleiter "IMIS Messtechnik" (m/w/d) Naturwissenschaften, Informatik oder Sicherheitstechnik ... (m/w/d)
    BfS Bundesamt für Strahlenschutz, Berlin, Freiburg, Oberschleißheim
  2. IT-Mitarbeiter / Fachinformatiker (m/w/d) First-Level-Support
    RICHARD WOLF GMBH, Knittlingen (Raum Pforzheim/Karlsruhe)
Detailsuche

Die Webcams im Bryant Park wurden vor 12 Jahren auf einem Restaurant installiert. Die Streams sind öffentlich zugänglich und sollen laut dem Betreiber des Parks eigentlich dazu dienen, dass Besucher sehen können, wie voll im Winter die Eisfläche zum Schlittschuhlaufen oder ob die Wiese frei zum Sonnenbaden ist. Die New York Times nutzte die Streams, um ein Videoüberwachungssystem mit Gesichtserkennung aufzubauen - für unter 100 US-Dollar.

2.750 Gesichter in neun Stunden

Die Bilder der Webcams sowie die Fotos der Mitarbeiter benachbarter Firmen analysierte die New York Times mit Hilfe des Cloud-Gesichterkennungsdienstes Amazon Rekognition. Ähnliches gibt es auch von Microsoft, IBM und Megvii. In einem Zeitraum von neun Stunden erkannte das System 2.750 Gesichter von Parkbesuchern. Es handle sich jedoch nicht um 2.750 einzelne Personen, da das System die Besucher während ihres Aufenhaltes im Park mehrmals erfassen konnte. Der Dienst von Amazon sei für jeden Menschen mit einer Kreditkarte nutzbar, schreibt die New York Times. Für die Analyse des Videomaterials habe man 60 US-Dollar bezahlen müssen. Das zeige, wie einfach und günstig es sei, ein Videoüberwachungssystem mit Gesichtserkennung aufzubauen.

Eine der erkannten Personen ist der Professor Richard Madonna, der an einer Universität in der Nähe des Parks lehrt. Dieser zeigte sich gegenüber der New York Times schockiert, wie einfach er von dem System erkannt werden konnte. Die Webcam hatte ihn nur von der Seite aufgenommen, dennoch wurde er mit 89-prozentiger Sicherheit erkannt, als er sich mit einem Bewerber für eine Stelle zum Mittagessen traf.

Golem Akademie
  1. Cloud Computing mit Amazon Web Services (AWS): virtueller Drei-Tage-Workshop
    14.–16. Februar 2022, virtuell
  2. C++ Programmierung Basics: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    13.–17. Dezember 2021, virtuell
Weitere IT-Trainings

Eine Person mit ein paar Kameras und Gesichtserkennungstechnologie könne eine Menge über die alltäglichen Gewohnheiten von Menschen lernen, schreibt die New York Times: "Wann kommen sie jeden Tag im Büro an, mit wem trinken sie Kaffee, oder verlassen sie die Arbeit frühzeitig."

Behörden nutzen Gesichtserkennungssoftware

Auch die Polizei kann auf die Bilder von unzähligen Kameras zugreifen. Und könnte sie mit Gesichtsdatenbanken wie der Führerscheindatenbank in den USA oder in Deutschland mit dem Melderegister - und damit mit den Passbildern der Bürger - abgleichen. Damit ließe sich die Bevölkerung im großen Stil überwachen.

In den USA werden bereits Aufnahmen von Tatorten per Gesichtserkennung mit erkennungsdienstlichen Aufnahmen aus den Polizeidatenbanken abgeglichen. Dazu wird auch Amazons Gesichtserkennungssystem verwendet - wogegen sich Protest von Amazon-Aktionären und Bürgerrechtsorganisationen regt. Auch hierzulande setzte die Polizei bei den Ermittlungen nach dem G20-Gipfel in Hamburg eine Gesichtserkennungssoftware ein. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar äußerte massive Bedenken und forderte eine Löschung der Datenbank.

In China gehört die Erstellung von Bewegungsprofilen mithilfe von Gesichtserkennung bereits zum Alltag, erst Anfang des Jahres waren 6,8 Millionen mit Gesichtserkennung ermittelte Aufenthaltsorte öffentlich im Internet einsehbar. Eine Überwachungsfirma hatte die Datenbank, in der die Bewegungsprofile gespeichert wurden, nicht abgesichert.

Auch in Deutschland wurden bereits erste Tests zu einer biometrischen Gesichtserkennung am Berliner Südkreuz durchgeführt - ein weiterer Versuch zur Verhaltenserkennung wurde jedoch gestoppt.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Bitcoin und Co.
Kryptowährungen stürzen ab

Bitcoin, Ether und andere Kryptowährungen haben ein schlechtes Wochenende hinter sich. Bitcoin liegt fast 20 Prozent unter dem Wert der Vorwoche.

Bitcoin und Co.: Kryptowährungen stürzen ab
Artikel
  1. Virtueller Netzbetreiber: Lycamobile ist in Deutschland insolvent
    Virtueller Netzbetreiber
    Lycamobile ist in Deutschland insolvent

    Lycamobile im Netz von Vodafone ist pleite. Der Versuch, über eine Tochter in Irland keine Umsatzsteuer in Deutschland zu zahlen, ist gescheitert.

  2. Arbeiten bei SAP: Nur die Gassi-App geht grad nicht
    Arbeiten bei SAP
    Nur die Gassi-App geht grad nicht

    SAP bietet seinen Mitarbeitern einiges. Manchen mag das zu viel sein, aber die geringe Fluktuation spricht für das Softwareunternehmen.
    Von Elke Wittich

  3. VATM: Telekommunikationsverband will Bundesnetzagentur aufspalten
    VATM
    Telekommunikationsverband will Bundesnetzagentur aufspalten

    Die beiden großen Telekommunikationsverbände VATM und Breko sind hinsichtlich einer Spaltung der Bundesnetzagentur gespalten.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Bosch Professional Werkzeug und Zubehör • Corsair Virtuoso RGB Wireless Gaming-Headset 187,03€ • Noiseblocker NB-e-Loop X B14-P ARGB 24,90€ • ViewSonic VX2718-2KPC-MHD (WQHD, 165 Hz) 229€ • Alternate (u. a. Patriot Viper VPN100 2 TB SSD 191,90€) [Werbung]
    •  /