Exoplanet: LTT9779b ist der größte Spiegel im Universum

Von der Sonne abgesehen sind unser Mond und die Venus die Himmelskörper in unserem Sonnensystem, die von unserem Standpunkt aus am meisten Licht reflektieren. Doch auch im tiefen Weltraum gibt es neptungroße Planeten, die wie ein Spiegel das Licht ihres Sterns zurückwerfen. Einen davon hat ein Forschungsteam nun in einer kürzlich veröffentlichten Studie(öffnet im neuen Fenster) beschrieben.
Entdeckt wurde LTT9779b vom Weltraumteleskop Cheops, und zwar im Jahr 2020. Er scheint einer der rätselhaftesten Exoplaneten im Universum zu sein.
An seinem Aufbau liegt das nicht. LTT9779b ist ein neptungroßer Eisriese , also ungefähr fünfmal so groß wie die Erde, hat jedoch fast die 30-fache Masse unseres Planeten. Er befindet sich in 260 Lichtjahren Entfernung zur Erde - der uns nächste Stern, Proxima Centauri, ist 4,246 Lichtjahre von uns entfernt.
Wolken, wo es keine Wolken geben dürfte
Auf der dem Stern zugewandten Seite von LTT9779b herrschen Temperaturen von 2.000 Grad Celsius - aufgrund dieser hohen Temperaturen dürfte es auf diesem Planeten keine Wolken geben. Dennoch gibt es sie.
Für die Forscher waren die Wolken zunächst ein Rätsel, dann sei ihnen aber klar geworden, "dass wir diese Wolkenbildung genauso betrachten sollten wie die Kondensation, die sich in einem Badezimmer nach einer heißen Dusche bildet" .
So wie fließendes heißes Wasser ein Badezimmer beschlägt, hat ein glühender Strom aus Metall und Silikat - dem Stoff, aus dem Glas gemacht ist - die Atmosphäre von LTT9779b übersättigt, bis sich metallische Wolken bildeten. Auf dem Exoplaneten regnet es laut dem Team Titantropfen, die aus den Metallwolken stammen.

LTT9779b ist der Ausreißerplanet schlechthin
Der Planet ist aber noch in anderen Punkten ein Ausreißer. Ein Jahr auf LTT9779b dauert nur 19 Stunden - denn so kurz benötigt der Exoplanet für eine Umrundung seines Sterns. Die Fachwelt kennt bisher nur zwei Arten von Exoplaneten, die ihren Stern in weniger als 24 Stunden umkreisen: Gasriesen, die zehnmal so groß sind wie die Erde, oder Gesteinsplaneten, die nur halb so groß sind. Doch LTT9779b befindets sich in einer Region, die als Neptunwüste bezeichnet wird, und in der Planeten dieser Größe eigentlich nicht zu finden sind.
"Wir erwarten, dass Planeten wie dieser ihre Atmosphäre von ihrem Stern weggeblasen bekommen und nacktes Gestein zurücklassen" , sagte Vivien Parmentier laut einer Pressemitteilung der europäischen Raumfahrtbehörde Esa(öffnet im neuen Fenster) . Sie ist Forscherin am Observatorium der französischen Côte d'Azur und Mitautorin der Studie. "Es ist ein Planet, der nicht existieren sollte ."
Noch etwas anderes ist verblüffend an diesem Exoplaneten. Seine Metallwolken "wirken wie ein Spiegel" , erklärte Maximilian Guenther, der Esa-Wissenschaftler des Cheops-Projekts ist. Diese Wolken reflektierten das Licht und verhinderten, dass die Atmosphäre weggeblasen werde.
Das Reflexionsvermögen von LTT9779b wurde vor und nach seinem Vorbeizug an seinem Stern gemessen. Dabei fand das Team heraus, dass dieser Ausreißer-Exoplanet 80 Prozent des Lichts seines Wirtssterns reflektiert. Die Erde und ihre Wolken reflektieren etwa 30 Prozent des Sonnenlichtes, bei der Venus sind es circa 75 Prozent.
Zur Studie
Aufgenommen wurde der Exoplanet vom europäischen Weltraumteleskop Cheops (Characterising Exoplanet Satellite), das sich seit 2019 im Weltraum befindet und nach fernen Welten Ausschau halten soll. Die aktuelle Studie wurde am 10. Juli 2023 in der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics publiziert und heißt The extremely high albedo of LTT 9779 b revealed by Cheops(öffnet im neuen Fenster) (Die extrem hohe Albedo von LTT 9779 b, entdeckt von Cheops).



