Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Die CPU könnte machbar sein

Sollte Huawei den L3-Cache nicht ähnlich großzügig ausgelegt haben wie beim Kunpeng 930, könnte eine solche CPU aber machbar sein. Wenn mit annähernd 858 mm2 deutlich größere Dies als beim Kunpeng 930 verwendet werden, benötigen Speicher-Controller und -Phys sowie die Die-to-Die-Schnittstelle außerdem relativ weniger Platz.

Wohl aus praktischen Gründen ist jedes Die in vier Bereiche mit je 38 Kernen aufgeteilt. Diese verfügen jeweils über eigene Speicher-Controller, auf den Speicher anderer Gruppen können sie nicht direkt zugreifen (Non-uniform Memory Architecture, NUMA). Das vereinfacht die Implementierung, kann aber für Programmierer herausfordernd werden. Fraglich ist, mit welcher Ausbeute SMIC derart große Dies produzieren kann, Lineshine dürfte auch ein Prestigeprojekt sein.

Besonders effizient? Wohl eher nicht

Andere Aussagen müssen bezweifelt werden: Um ein besonders effizientes System handelt es sich bei Lineshine wohl nicht. Schließlich sollen über 47.000 CPUs und damit gut 14,5 Millionen Kerne verbaut sein. Dafür sind 92 Racks erforderlich, in denen jeweils 512 CPUs installiert sein müssten. Hinzu kommen 36 Racks für Netzwerk-Switches.

Auf der Abbildung ist zu erkennen, dass Lineshine drei Stockwerke benötigt: eines für den Supercomputer selbst, unter dem die Rohre für die Wasserkühlung installiert sind, sowie eines für das Storage-System. Es soll auf eine Kapazität von 650 PByte und kommen und Daten mit 10 TByte/s liefern können.

Bei der Anzahl verbauter CPUs weichen die Angaben voneinander ab: Während das NSCCSZ von 47.000 CPUs schreibt, ist in den beiden Veröffentlichungen einmal von 20.480 Knoten, einmal von "über 22.000 Knoten" die Rede. Die Differenzen könnten daher rühren, dass sich das System noch im Aufbau befand.

Neben Lineshine wurden am NSCCSZ laut dessen Pressemitteilung mehrere neue Großrechner mit chinesischer Hardware in Betrieb genommen. Darunter soll auch ein x86-System sein, dessen CPUs von Hygon oder Zhaoxin stammen müssen. Vor dem Bau von Lineshine erhielt das Zentrum zudem laut der Präsentation von Leiterin Lu ein Phase-I-Erprobungssystem mit 100 Kunpeng-Servern. Ein solches Vorgehen ist beim Bau von Supercomputern üblich, um Software bereits vor Inbetriebnahme portieren zu können.

Die Außenwirkung ist wichtig

Zusammenfassend dürfte Lineshine für die Volksrepublik durchaus realisierbar sein. Eine gewisse Propagandakomponente lässt sich dem System allerdings nicht absprechen. In Masse wird der Computer wohl nicht gebaut werden können, die Kosten könnten zudem immens sein. Auch ist fraglich, welche reale Anwendungsleistung Lineshine bringt. Dass ein System im oft kritisierten High Performance Linpack, der als Vergleichsmaßstab für Supercomputer dient, gut abschneidet, sagt erst einmal wenig über reale Anwendungen aus.

Dass zu dem System noch mehr Details bekannt werden, ist nicht zu erwarten. Die Volksrepublik hält sich seit Beginn der Sanktionierung durch die USA im HPC-Bereich sehr bedeckt. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Land in der Lage ist, leistungsfähige Hardware zu entwickeln.


Relevante Themen