Ex-Telekom-Chef Ricke: Kooperation mit BND war nie ein Thema im Vorstand

Zwischen Farce und Realsatire: Die Vernehmung des früheren Telekom-Chefs Ricke durch den NSA-Ausschuss brachte zwar wenig Erkenntnisse zur Geheimdienstarbeit, war aber dennoch sehr aufschlussreich.

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Ex-Telekom-Chef Ricke hatte eigentlich nichts zu sagen.
Ex-Telekom-Chef Ricke hatte eigentlich nichts zu sagen. (Bild: Golem.de)

Es ist fürwahr eine schwere Zeit für die Deutsche Telekom gewesen, in der Kai-Uwe Ricke Ende 2002 das Ruder bei dem Unternehmen übernahm. Die alles überragende Aufgabe sei die Entschuldung gewesen, um die Firma nach dem teuren Kauf der UMTS-Lizenzen und Firmenübernahmen überlebensfähig zu halten, sagte der 53-Jährige vor dem NSA-Untersuchungsausschuss am Donnerstag in Berlin. Datensicherheit und eine Kooperation mit den Geheimdiensten? Das sei vor zwölf Jahren nie ein Thema gewesen, sagte Ricke, der gleich zu Beginn der anderthalbstündigen Vernehmung den Abgeordneten klar machte: "Ich habe im Kern eigentlich nichts zu sagen."

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Sehr viel über die Kooperation der Telekom mit dem BND hatte zuvor aber der zuständige Projektleiter für die Operation Eikonal ausgesagt. Insgesamt zehn Stunden, davon die Hälfte in geheimer Sitzung, berichtete er über die Ausleitung von Daten in Frankfurt am Main und die Weitergabe an die NSA. Dabei bestätigte er frühere Aussagen eines BND-Mitarbeiters: Die Telekom sperrte sich demnach zunächst gegen den Zugriff auf ausländische Telefonverbindungen in Frankfurt. Den Widerstand räumte aber eine Art Unbedenklichkeitsbescheinigung des Bundeskanzleramts aus dem Weg - damals noch unter Leitung des heutigen Außenministers Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Lästiges Abendessen mit dem BND-Chef

Doch von der Kooperation will Ricke damals nie etwas gehört haben. Nur aus der Presse habe er davon erfahren. "Das stand doch neulich erst in der Zeitung", sagte er mit Blick auf einen Bericht der Süddeutschen Zeitung von Anfang Oktober, der die Kooperation des BND mit der Telekom erstmals benannt hatte. Die Abgeordneten reagierten darauf verwundert. Denn ihnen liegt ein geheimes Schreiben aus dem Bundeskanzleramt vor, das "persönlich" an Ricke gerichtet war. Um den Zeugen damit zu konfrontieren, gab es eine Premiere im Ausschuss: Anstatt die Öffentlichkeit auszuschließen und dann daraus vorzulesen, wurde Ricke das geheime Dokument zur Lektüre vorgelegt. Doch diese Gedächtnisstütze half nichts: Das sei ihm "sicher nicht bekannt gewesen", sagte Ricke, "ich kann mich nicht daran erinnern". Er sei zwar häufig im Kanzleramt gewesen, doch dabei sei es vor allem um Regulierungsfragen und das Mautkonsortium Toll Collect gegangen.

Eine gute Erinnerung hatte der frühere Telekom-Chef aber an ein Abendessen im Il Punto in Bonn. Das Pikante daran: Er speiste Anfang 2003 mit dem damaligen BND-Chef August Hanning. Ein besonderes Vergnügen schien ihm das aber nicht bereitet zu haben. "Warum muss ich das auch noch machen?", habe er sich damals gefragt. Das Treffen sei eine Last gewesen, und die Initiative dafür ganz sicher nicht von ihm ausgegangen. Ricke konnte sich jedoch nicht daran erinnern, ob damals über eine mögliche Kooperation des BND mit der Telekom gesprochen worden sei. Selbst der Name des BND-Chefs fiel ihm nicht mehr ein. "Alle wollen einen als Telekom-Chef kennenlernen", sagte Ricke und ergänzte: "Im Zusammenhang mit diesem Brief werde ich stutzig."

Ricke kritisiert Kooperation

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Er konnte auch nur spekulieren, wer bei der Telekom der Zusammenarbeit mit dem BND zugestimmt haben könnte. Ricke tippte auf den früheren T-Com-Chef Josef Brauner. Mit Sicherheitsfragen sei auch der damalige Personalvorstand Heinz Klinkhammer befasst gewesen. Zudem solle der Ausschuss die rechtlichen Verbindungen des Unternehmens mit dem Wirtschaftsministerium unter die Lupe nehmen. Schließlich sei die Telekom ein "besonderes Unternehmen", das "hochgradig verantwortlich für sicheren Datenverkehr" sei. Nach Angaben des Linke-Abgeordneten André Hahn soll Bernd Köbele dem Begehren des BND zugestimmt haben. Das wäre gut möglich, denn Köbele war damals Leiter der Abteilung Staatliche Sicherheitssonderauflagen des Konzerns. Aufschlussreich ist wiederum, dass Ricke diesen Namen nie gehört haben will.

Indirekt kritisierte er aber die Entscheidung seiner Mitarbeiter, dem Drängen des BND und der Regierung nachgegeben zu haben. "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich das rechtlich überprüfen lassen", sagte Ricke. Denn die Firma habe damals in vielen Fragen im Clinch mit öffentlichen Stellen gelegen. Zudem sei die Telekom auch ihren Kunden gegenüber verpflichtet, für die Sicherheit der Daten zu sorgen.

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