Vodafone und Huawei: "Wir haben viereinhalb Jahre gesprochen und verhandelt"

Vodafone hat jahrelang mit Huawei verhandelt, bis es zur ersten Zusammenarbeit kam. Am Anfang war man wegen der chinesischen Herkunft eher misstrauisch, erzählt ein Insider.

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Hartmut Kremling im Januar 2019 im Gespräch mit Golem.de
Hartmut Kremling im Januar 2019 im Gespräch mit Golem.de (Bild: Achim Sawall/Golem.de)

Laut dem langjährigen Technikchef von Vodafone Deutschland, Hartmut Kremling, waren viele Jahre nötig, um ein Vertrauensverhältnis mit dem chinesischen Netzwerkausrüster Huawei aufzubauen. Zwei chinesische Mitarbeiter der Firma nahmen Kremling bei einem ersten Treffen am 10. Oktober 2005 in Hongkong am Flughafen in Empfang. "Und ich habe dann immerhin viereinhalb Jahre mit ihnen gesprochen und verhandelt, bis wir den ersten großen Vertrag unterzeichneten," sagte Kremling.

"Die Huawei-Manager, die mich damals begrüßten, waren unglaublich offen und haben uns alles gezeigt. Sie sind mit uns durch die Fertigung und die Entwicklungslabore gelaufen. Also die Kern-DNA der Huawei, die ich zu dieser Zeit empfunden habe, war Transparenz". Das sei für den damaligen Vodafone-Technikchef beeindruckend gewesen.

Natürlich habe es seinerzeit bei Vodafone die Diskussion gegeben, die auch heute immer noch unterschwellig da sei: "Es ist ein aufstrebendes Land unter einer kommunistischen Führung, sind die vertrauenswürdig? Wir haben zu meiner aktiven Zeit als CTO bewusst gesagt, wir müssen hohe Sorgfalt walten lassen, wenn wir Huawei im Netz einsetzen - wie auch bei anderen Lieferanten", sagte Kremling.

Laut dem Jahresbericht des HCSEC, des Huawei Security Evaluation Centers in Großbritannien, das seit dem Jahr 2010 arbeitet, hat die Regierung gemeinsam mit dem NCSC (National Cyber Security Center) Zugang zum Quellcode von Huawei. "Jede einzelne Technik, die im Netz verbaut oder genutzt wird, muss durch diese Zertifizierung. In dem Dokument ist beschrieben, dass Ernst & Young dort regelmäßig Audits macht und das überprüft. Und jetzt kann ich auch aus meiner Sicht sagen, damals war es ganz klar, dass dies eine Bedingung war für Huawei, um überhaupt mit Vodafone ins Geschäft zu kommen", berichtete Kremling. Durch alle diese Evaluierungen, Tests, Audits und offengelegten Quellcodes sei nirgendwo ein Nachweis einer Sabotagehandlung erfolgt.

Kremling: Blackberry und die Lehren

Kremling habe im Jahr 2004 seinen ersten Blackberry bekommen und habe seitdem immer Blackberry-Server als zentrale persönliche Assistenten genutzt. "Das ist ein Business Device und ich muss ehrlicherweise sagen, alles was ich bisher in der Hand hatte, war für die Erledigung meiner täglichen Arbeit nicht so gut wie diese Geräte." Unabhängig davon habe Kremling in Deutschland namhafte DAX-Unternehmen erlebt, die den Gebrauch von Blackberrys in ihrem Unternehmen verboten - mit einem entscheidenden Argument: Die Server seien damals in Kanada und in Großbritannien, also außerhalb deutscher Landesgrenzen gestanden und die Firmen wollten ihre Daten nicht im Ausland wissen. Denn laut Kreming "war das Entscheidende beim Blackberry 10, dass E-Mail-Inhalte auf diesen Servern im Ausland zwischengespeichert wurden."

Daraus ließen sich zwei Sachen lernen: Man müsse unbedingt sicherstellen, genau zu wissen, wo sich die Daten befinden, die einem wichtig sind. Und man müsse kontrollieren, dass sie in einer gesicherten Umgebung sind. "Entweder Sie halten sie selbst oder Sie auditieren Ihren Cloud-Lieferanten", betonte Kremling. Das Zweite, was er damals gelernt habe, war: "Auch unter verbündeten Nationen ist das Vertrauen in Bezug auf Wirtschaftsspionage limitiert."

Huawei ist selbst kein Betreiber von Datennetzen, sondern liefert Systemtechnik, die überall auf der Welt vor dem Einsatz intensiv geprüft werde. "Der jeweilige Operator, gleich ob britisch, deutsch oder schweizerisch, wer auch immer das ist, muss mit Sicherheitsmaßnahmen wie Audits und Firewalls zum professionellen Job sicherstellen, dass mit den Daten kein Unsinn passieren kann." Kremling glaubt, es sei auch eine Frage der Vertrauensbildung, dass Huawei in den vergangenen zwanzig Jahren niemals einen ernsthaften Sabotageverdacht mit einem Nachweis der Realisierung erlebt habe.

Es wäre heute laut Kremling praktisch eigentlich nicht möglich, in Deutschland aus den Telekommunikationsnetzen verbaute Huawei-Technik wieder zu entfernen. "Weltweit telefonieren und surfen mehr als 2 Milliarden Kunden in ihren Mobilfunknetzen über Huawei-Technologie." Er wäre sehr froh, wenn die aktuelle Diskussion über Hintertüren und einen etwaigen Ausschluss von Huawei "wieder etwas faktenbasierter und realitätsbezogener wäre." Inzwischen sind fünf Jahre vergangen, seit der Diplom-Ingenieur (Jahrgang 1957) aus dem operativen Geschäft ausgeschieden ist. Nun ist Kremling nach eigenen Angaben nicht mehr bei Vodafone beschäftigt, kümmere sich aber weiter um 5G und das Internet der Dinge, auch um vernetztes und autonomes Fahren.

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